23. June 2005 - 11:42 Uhr
Omas haben niemals falsche Namen, sagt in meinem Rücken der Autor aus einem Bildschirm herab, tatsächlich sitzt er eine Etage höher im ORF-Theater, ich hier im Pressezentrum, das ist wirklich sehr einfach. Vier Rechner hier unten, zwei an Stehpulten oben sind frei zugänglich und nie selten zunehmend fast alle belegt. Es gibt also Menschen da draußen, die nicht alle drei Minuten ihre Startseite reloaden, ihre Mails abrufen, ein paar Blogs lesen. Sondern einfach nur im Theater sitzen und Schriftstellern zuhören.
Daniela Strigl: “Ich habe mit meiner Schwester gesprochen, die sich mit Isländern auskennt, also: mit den Pferden.”
Frau Strigl, darf ich Sie küssen?
Strigl übrigens verfügt durchaus über eine Figur, die zeigte sie am Wertungssonntag. Etwas schwarzes enges Ärmelloses trug sie unter einer hellen Kostümjacke. Als sie am Nachmittag bei Maria Loretto das Motorboot bestieg, hatte sie die Jacke ausgezogen, erfreulicher Anblick.Andererseit ist ihre Schlabberblusigkeit ja auch ein Programm, ein sympathisches.
bachmannpreis ingeborg-bachmann-preis klagenfurt tage der deutschsprachigen literatur 2005 wettlesen
Kommentieren » | Bachmann '05/'06
23. June 2005 - 09:38 Uhr
Während die ersten Autoren schon gefickt rundgemacht werden, sitze ich noch in Köln/Bonn und genieße die faszinierende Technik des Hotspots.
Eben bei Leysieffer (Marzipanhörnchen, Milchkaffee) fiel mir ein, dass ich das Zimmer im Schlosshotel (39 Euro) ab gestern gebucht hatte und mich dann nicht mehr gemeldet. Ein Anruf: “Das haben wir weggegeben” und “nein, da ist nichts zu machen”. Ich bettele in solchen Fällen nicht, das liegt mir nicht, stelle stattdessen ein laut hörbares Fragezeichen in die Leitung. Wie das technisch funktioniert, weiß ich nicht, praktisch aber funktioniert es, und nach einer längeren Pause (“? ? ??”) bietet die Dame mir das Mansardenzimmer an, 3. Stock, kein Lift.
Kein Problem.
Oups, auf zum Boarding!
bachmannpreis ingeborg-bachmann-preis klagenfurt tage der deutschsprachigen literatur 2005 wettlesen
Kommentieren » | Bachmann '05/'06
22. June 2005 - 01:00 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren ,
Ich bin Herr Zhao aus China . Ich kennen ein bisschen Deutschsprache . In China habe ich viele deutsche Firmen gesehen . Deswegen m?chte ich mit den Firmen zusammenarbeiten , die noch nicht direckt mit China zusammenarbeiten oder mit ein bisschen Schwerigkeiten dazwischen sind .
Leider weisse ich nicht ganz genau ,wie ich machen soll . Aber wenn Sie mir etwas Idee oder Massnahmen haben ,wuerde ich Ihnen sehr dankbar .
Herr Zhao
Kommentieren » | Trouvaillen
21. June 2005 - 23:16 Uhr
Nun sah ich gestern abend den Dalai Lama bei Beckmann sitzen, und das erinnert mich daran, dass er mir einmal erschienen ist.
1995 war ich Aushilfe in der Bürgerpost-Abteilung von Rita Suessmuth, und ewiggleiche Anfragen, liebevolles Individualisieren von Textbausteinen, Postsäcke mit Vertriebenenbeschwerden (“8. Mai 1945 Tag der Befreiung”) + Schwangerschaft ermüdeten. Sehr. Nach dem Mittagessen drehte ich oft meinen komfortablen Bürostuhl (hohe Lehne) zum Fenster, nahm – Beine auf dem Schreibtisch – Diktierhaltung ein und fiel in leichtes Dämmern. Bereit, jederzeit binnen Sekunde nach Arbeit auszusehen.
Autotürenklacken weckte mich, mehrere schwarze Mercedesse standen auf der Vorfahrt vor meinem Fenster am Tulpenfeld. Heraus quoll sehr viel oranger Stoff, flatternde Gewänder, kahle Köpfe, schlanke junge Mönche schauten sich um, mir ins Fenster, wie ich mich eilig anordnete. Dazwischen ein älterer mit Brille, der mir vage bekannt vorkam.
Dalai Lama zu Besuch bei der Bundestagspräsidentin.
Kommentieren » | Heimatkunde
21. June 2005 - 15:07 Uhr
Österreich natürlich.
Vielleicht bereitet sich da noch jemand auf Klagenfurt vor.
Ich hatte doch auch gestutzt über die Selbstverständlichkeit, mit der Julia Schoch über die Mitnahme eines Teekanisters zum Rudertraining berichtete. Einen Teekanister habe ich noch nie gesehen. Gab es das in der DDR häufiger?
Der Suchende blieb nicht lang.
Kommentieren » | Bachmann '05/'06
20. June 2005 - 21:10 Uhr
Paul Heyse, Waldesnacht
1. Waldesnacht, du wunderkühle,
Die ich tausend Male grüß’,
Nach dem lauten Weltgewühle,
O wie ist dein Rauschen süß!
2. Träumerisch die müden Glieder,
Berg’ ich weich ins Moos,
Und mir ist, als würd’ ich wieder
All der irren Qualen los.
3. Fernes Flötenlied, vertöne,
Das ein weites Sehnen rührt,
Die Gedanken in die schöne,
Ach, mißgönnte Ferne führt!
4. Laß die Waldesnacht mich wiegen,
Stillen jede Pein,
Und ein seliges Genügen
Saug’ ich mit den Düften ein.
5. In dem heimlich engen Kreisen,
Wir dir wohl, du wildes Herz,
Und ein Friede schwebt mit leisen
Flügelschlägen niederwärts.
6. Singet, holde Vögellieder,
Mich in Schlummer sacht!
Irre Qualen, löst euch wieder;
Wildes Herz, nun gute Nacht!
Kommentieren » | Holde Vögellieder
19. June 2005 - 12:12 Uhr
Betr.: Eventuelle Schüllern für Gesangs Unterrich t
Sehr geehrte Damen uind Herren,
Schreibt Ihnen die Bulgarische Volksliedern Sängerin Ilonka Ilonova. Ich lebe in K. und singe mit den K. Welt Musik Band (…)
Ich bin am suche am Schüllern, die wolen lernen Bulgarische Kehlkopf Gesang.
Mit meine Metode können alle Arten von Gesang mann singen.
Falls welsche von Ihre Chorsten haben solsche Wünsch, bitte melden sie sich bei mir. Ich habe gerade nicht viele Konzerten mitmeinen Band und habe viel
Zeit.
Verbleibe mit freundliche Grüsse
Ilonka Ilonova
Vielleicht gibt es das inzwischen, als ich für die Lokalzeitung aus dem Gericht berichtete, vermisste ich eine Datenbank mit typischen Namen für unterschiedliche Herkunftsländer. So war bei
“(Name von der Redaktion geändert)” lästiges und oft vergebliches Herumgefrage in der Redaktion erforderlich. Das Ausweichen auf “der Mann auf der Anklagebank” lehne ich ab. Die Nationalität sollte, so die Anweisung, nur dann genannt werden, wenn für den Fall von Bedeutung. Aber deshalb aus Yusuf Ö. einen Heinz K. machen?
Was ich aber eigentlich fragen will: Wenn jemand einen besseren bulgarischen Namen mit Stabreim findet, als den oben gewählten, bitte melden!
(Echten Namen und link gebe ich gerne dem weiter, der sich wirklich für bulgarischen Kehlkopfgesang interessiert).
Kommentieren » | Holde Vögellieder, Post von... Wege zu mir, Trouvaillen
19. June 2005 - 11:50 Uhr
Ich erwache von einem wortlosen Schimpfen über mir. Über meinem Bett wohnt niemand, dort ist ein begrüntes Dach, ein Oberlicht. Gestern abend öffnete ich es, legte mich ins Bett, fand es nicht genug offen, war aber zu faul, wieder von der Galerie zu klettern, um den Schalter zu drehen.
Ich baue das Schimpfen so lange in einen Traum von Wasser, Ruderbooten, fremden Kinden und bekannten Erwachsenen ein, bis ein Klopfen, Schaben, Poltern, kurz: Ein Getöse dazukommt. Ich öffne die Augen, sehe mich um, dann nach oben. Ein schwarzer Schnabel, dann der Kopf dazu: Ein Rabe versucht mit Gewalt, sich durch den Spalt zu arbeiten.
Ob es der selbe ist, der sich letzten Sommer durch den Briefschlitz drängen wollte?
Ich bin sehr schnell unten, un palpito del core, drehe den Schalter in kleinen Rucken, um dem Raben nicht das Genick zu brechen. Er fliegt zum Abschied dicht an dem offenen Fenster unten vorbei.
Zehn vor sechs.
Kommentieren » | abseits und alltags
18. June 2005 - 17:29 Uhr
Nächste Woche schaue ich mir den Bachmannwettbewerb an, deshalb gestern:
Julia Schoch, Der Körper des Salamanders.
Bei der Heimfahrt, schob ich den Teekanister unter den Schalensitz, und als die Mädchen das Boot herausnahmen, ließ ich auf das Kommando “Über Kopf hoch!” einfach nichts folgen, so dass nach ein paar Sekunden zusammen mit etlichen Litern schaumigen Flusswassers auch der Kanister aus dem umgedrehten Bug auf die Schultern der Mädchen fiel.
Handelt vom Rudern, riecht nach Rudern, nach Polyestermasse, Holzleim, Mädchenschweiß, Feuchtigkeit. DDR-Sportinternat. Die Steuerfrau, 35 Kilo, erzählt, sie liegt im Bug, das ist besonders und müsste erklärt werden. Die Füße stecken nie so fest in den Schuhen, Ruderboote kippen nicht einfach um, dass die Mädchen mit den Köpfen nach unten im Wasser hängen. Das ist schade, bis dahin
- nicht gelangweilt
- nicht geärgert
- etwas erfahren über eine fremde Welt.
Der zitierte Satz ist zu lang, der eine Kanister aus dem Bug kann ja allenfalls einem der vier Mädchen auf die Schulter gefallen sein. Ich habe es trotzdem gerne gelesen, kann aber nicht unterscheiden, ob es gut geschrieben ist oder mir einfach das Setting gefiel, weil vertraut und/oder plastisch beschrieben.
Im letzten Jahr nervten die vielen Kindergeschichten, Mädchengeschichten, Kindheitsgeschichten. Vielleicht bin ich toleranter, wenn ich nicht vor dem Fernseher sondern im ORF-Theater sitze.
bachmannpreis ingeborg-bachmann-preis klagenfurt tage der deutschsprachigen literatur 2005 wettlesen
Kommentieren » | Bachmann '05/'06
17. June 2005 - 14:28 Uhr
“Das war serbokroatisch”, denke ich, als der Dolmetscher den ersten Satz gesagt hat. Auch wenn dieser nicht auf “Maus” endete. Ich wollte immer erraten, in welcher Sprache die Ansage kommt. Serbokroatisch kam öfter. Spanisch und Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Bayrisch.
Im ganzen Landgerichtsbezirk hätten sie keinen Dolmetscher für Serbokroatisch gefunden, sagt der Richter, aber der hier kommt aus Odenthal, ein freundlicher Glatzkopf in einem tadellosen grauen Anzug.
Die sechs anderen Zeugen sprechen Sächsisch-, Türkisch-, Arabisch-, oder Persisch-Kölsch. Ein Siebter kommt ungeladen und wird gleich wieder weggeschickt. Fünf Autos waren beschädigt worden, angeblich, bei einem Ausparkunfall. Die serbisch-kroatische Fahrerin habe den neuen Führerschein ausprobieren wollen, Bremse und Gas verwechselt. Drei Autos habe sie dabei beschädigt. Geld hat keiner der Halter bekommen, das Gericht ging in zwei Instanzen von einem Komplott aus. Nun versuchen es weitere Autobesitzer. Ein Opel habe hinter dem BMW gestanden, der sei auf den Mercedes hinter ihm aufgeschoben worden.
Einen Opel haben drei der Zeugen gesehen. Für die anderen stand der Mercedes gleich hinter dem BMW. Alle Autos sollen Totalschaden haben, dafür genügt ja je nach Restwert schon eine kleine Beule. Für die Bewohner der Wohnsilos am Kölnberg sowas wie ein kleiner Lottogewinn.
Kommentieren » | Rechtslinks