Jonathan Franzen: Schweres Beben
Weil ich Die Korrekturen so fabelhaft fand, stürzte ich mich am Tag vor der Abreise mit feuchten Lefzen auf das frisch ausgepackte schwere Beben. Die Buchhändlerin beneidete mich offen, ich vermittelte wohl, dass ich in den nächsten Tagen mehr Zeit zum Lesen haben würde.
Schweres Beben. ist in Amerika schon 1992 erschienen, erst jetzt im Kehrwasser der Korrekturen übersetzt. Erstmal das Fazit: Ich habe es gern gelesen, leicht und zügig. Erdbeben in Boston, Familienkram, Umweltsünder, Liebe – überfrachtet heißt die Floskel dazu. Der schreibt aber einfach schön und sympathisch. Die Figuren kommen gut, alles, was mit Familie zu tun hat ist sowieso fabelhaft: Die plötzlich zu Geld gekommene Mutter, die schrullige Hauptperson, seine Schwester, die Schubladen, in die sie sich gegenseitig vor Jahren sperrten – ungerecht, peinlich, verwöhnt. Ich schätze es einfach immer, wenn ein Autor seine Figuren milde und großzügig betrachtet. Krause Story, große Umwege, rührende Liebesgeschichte, nett erzählt. Viel kleiner als die Korrekturen, aber keine entgangene Urlaubsfreude.
Kategorie: Buch und Text
