Post von… votre mairie
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Bei unserem ersten Urlaub hier, damals noch im Haus der Voisine, war uns der Aufenthalt im Garten unerträglich, zum Glück war der August 2000 so verregnet, dass wir ohnehin immer im Haus frühstückten. Der Bach, der hinter unseren Häusern entlangfließt, der kleine idyllische Riblou, stinkt. Im besten Falle ist Hochwasser, so wie jetzt gerade, dann ist der Bach verdünnt und das Abwasser schneller vorbei. Im zweitbesten Fall entleert sich gerade oberhalb eine Waschmaschine, dann überriecht das Waschpulver den Kloakengeruch.Die fehlende Kanalisation war dann auch fast das K.O. für den Kauf des grünen Hauses. „Im nächsten Jahr“, sagte die Voisine, „das ist ja jetzt vorgeschrieben, das müssen die doch“. Zuerst schaffte die Gemeinde aber ein spanisches Entenpärchen an, das sollte den Bach natürlich reinigen. Die Enten waren schon verspiesen, bevor ein Erfolg ruchbar wurde.
Anderswo ist ein armes Dorf. So arm, dass es mal einen kommunistischen Bürgermeister hatte, so arm, dass es nicht einmal ein Kriegerdenkmal hat. Es besteht aus verlassenen Textilmanufakturen, verfallenen Fabrikantenvillen und kleinbürgerlichen Arbeiterhäuschen. Die meisten davon stehen leer.
Wenn das Haus an der Kreuzung nach Villemagne verkauft werden kann, dann, ja dann ist Geld für die Kanalisation da, hieß es im ersten Jahr. Jetzt wird es vielleicht abgerissen, damit die Lastwagen um die Ecke kommen.
Wenn die Windräder kommen, die Aeoliennes, dann haben wir Geld für die Kanalisation. Jede Gemeinde wollte die Windräder haben, des Geldes wegen, nur die Aussteiger und Zugereisten rotteten sich zusammen und protestierten. Zum Beispiel zu Ostern, im zweiten Jahr, indem sie sich den ganzen Tag zu allerlei frisch geschlachtetem Bioschaf- und rind und Hektolitern Vergorenem trafen. So macht Protest Spaß, auch wenn das wohl nicht der Grund ist, dass hier bis heute keine Windräder stehen.
Im letzten Herbst fand die Gemeinde einen Käufer für das Haus an dem kleinen Platz gegenüber, in dem Chantal mit ihren Kindern wohnte bis zum Spätsommer. Die Werkstatt ist nun auch weg, die Tischlerinnen sind an den Dorfrand gezogen, da bringe ich morgens keinen Kaffee mehr hin, schade.
Gestern liefen die Männer von Marquis de SADE durchs Dorf, in gelben Regenmänteln, mit Arbeitsschuhen, einer trug eine Art Zirkel, einer eine rotweiße Stange. In ihrem Kehrwasser gelangten die Flugblätter in die Häuser.
MAINTENANT.
Kategorie: anderswo, Post von... Wege zu mir Ein Kommentar »

am 12. April 2006 um 18:34 Uhr | #
REPLY:
Danke!
Zur Zeit treffen glücklich zusammen klirrende Kälte (man bleibt im Haus und passt aufs Feuer auf) und hoher Wasserstand sowie fehlende Treppe von der neuen Terrasse in den Garten. Wir kommen also gar nicht bis zum Bach, Fenster bleiben geschlossen…
Bin gespannt, wie es im Sommer ist, der Zeit des großen Gestankes. Wahrscheinlich verlegen die den hübschen Bach in eine hässliche Betonröhre.
Die Bauarbeiten begannen heute mit einem Rohrbruch.