Démodé
“Ich bin démodé”, sagt Reinhard Goebel im Mosaik auf WDR 3 heute morgen. Démodé sagt er, aus der Mode, mit einem leicht affigen Ton, ich höre ein Kopfschütteln über die Dummheit des Publikums, das nur noch italienische Oper hören will, statt Telemann, Heinichen, Biber.
Von mir ein paar Tränen aufs Lenkrad, weil Musica Antiqua aufhört.
Nein, er fange jetzt nicht mit Vivaldi an, weil alle Vivaldi machen. Er halte an “den Deutschen” fest, da stünden noch zwei Regalmeter Aufführungsmaterial herum. Er könne es halt nicht mehr, physisch. Nach dem Motorradunfall seines Primarius Stefan Schadt im letzten Jahr (Bein ab) habe er wieder die erste Geige übernehmen müssen. Schadt spielt nicht mehr, ein Ersatz ist nicht zu finden. In den 90ern hatte Goebel umgebaut und umgelernt, spielte die Geige verkehrt herum, weil die linke Hand herumzickte, heute spielt er wieder normal.
Das erste Mal Musica Antiqua zu hören und zu sehen war für mich eine Erleuchtung der Art: Ich wusste nicht, dass so etwas möglich ist.
U. und ich auf den feinen Presseplätzen im Brühler Schloss hielten die Luft an. Ein paar Tausend Kilometer sind Goebel und Telemann seitdem mit mir gefahren, “Sinfonia Spirituosa” ist immer im Wechsler, auf dem ipod, eine persönliche Sicherungskopie zu Hause. Will einfach nicht langweilig werden.
Jetzt aber huschhusch ins Internet und nachsehen, ob ich sie vor November noch irgendwo hören und sehen kann.
Stichwort: Holde VögelliederKategorie: Holde Vögellieder
