Archiv für June 2006


Dirk von Petersdorff: Anfang

23. June 2006 - 15:13 Uhr

wurde von Detering eingeladen. Detering ist Vater geworden oder es steht bevor, anders ist das nicht zu erklären. Ein ironiefreier Schwurbel über die eigene Vaterwerdung, ich vermute, P hat nur ein einzelnes Baby, keine Zwillinge, das ist dann die fiktionale Komponente, und wahrscheinlich kann er selber gar kein Heideröslein singen, würde es aber gern können.

Ich gehe nach den ersten Sätzen hoch ins Theater, weil ich die fassungslose Gesichter sehen will, Julies gehört dazu, aber das bleibt vorsichtshalber unten sitzen. Im Publikum ein paar vollreif gebärfähige Frauen (also mutmaßlich Mütter), die  irgendetwas suchen, in das sie beißen können. Weiterlesen »

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Claudia Klischat: Stillstand

23. June 2006 - 09:33 Uhr

Sopran: Paralysiert

Neun Uhr nach dem Bürgermeisterempfang schon arg früh. Michaela Monschein hatte den Empfang heuer auf den Donnerstag vorverlegt, damit keiner der Autoren sich am Abend heimlich für die Lesung schonen kann. Führt auch zu mehr Gerechtigkeit, weil die Jury schon am zweiten Morgen benebelt ist.

Ungeduscht auf dem Hotelbett versuche ich am brüchigen Internet die Lesung von Claudia Klischat zu verfolgen, geht aber nicht. Schade, von dem, was ich gelesen hatte, gefiel mir ihr Buch am besten.

Statt im Rathaus fand der Empfang ein paar Kilometer bergauf im Schlösschen statt, sehr üdillisch, der Shuttlebus fuhr schon um eins zurück, aber wir waren leider mit dem Fahrrad da, und Getränke gab es auch noch. Nach Kaffee und Waldabfahrt dann einerseits unentschlossen, andererseits wach genug für eine Dosenbierparty (Strigl-Bier) am See. Rüberwehung der 80er 90er Vorhersehbarstertanzmusik, wohl von der After-Show-Party für Montserrat Caballé.

Und jetzt versuche ich nochmal, Verbindung zur Diskussion über den Text zu bekommen.

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Andreas Merkel: Aus dem Unterholz

22. June 2006 - 17:27 Uhr

Andreas Merkel, blödes Schriftbild, so Schreibmaschine, Blocksatz. Blocksatz muss sich bei mir ziemlich anstrengen, vor allem, wenn ich das Buch schon schlecht fand.
Text besser als “Das perfekte Ende”, aber immer noch nachlässig, das und dass verwechseln, und “der drathige Marathonläufer”, sowas will ich in Klagenfurt nicht hören. “…um sich danach sofort durch die Haare zu fahren, was ihn allmählich verrückt machte”. Nicht erkennbar, ob verrückt-geil oder verrückt-genervt. Der Text (Subjekt!) lief auf verrückt-geil zu, aber der Merkels Tonfall war verrückt-genervt.

Normale Leute, Computerbusinessmittelstand, ok, auch mal schön, aber doch sehr, sehr langweilige Leute.

Gabriele Meinhard, Julia Meier-Hennrich: Namen wie von Loriot.

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Kevin Vennemann, In Komponierhäuschen

22. June 2006 - 16:25 Uhr

Kevin Vennemann liest Absätze zwischen Punkten, also irgendwo mittendrin, manchmal wirkt es, als wundere er sich über seine Sätze, hab ich das wirklich geschrieben, wie geht dieser Satz weiter?
Ich bin aber unaufmerksam, Ghana führt 1:0 gegen USA, genau das habe ich gewürfelt, aber es sind noch knapp 70 Minuten zu spielen, für Vennemann höchstens noch drei oder vier, Ghana jetzt das Ergebnis halten, hört einfach auf und geht einen trinken, was trinkt man in Ghana?

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Angelika Overath, Das Aquarium

22. June 2006 - 15:40 Uhr

Am Flughafen Klagenfurt traf ich Nathalie Balkow, die aus dem selben Flugzeug stieg, Wetter ist Waschküche, optimale Betriebstemperatur.
Juliette saß auf einer Stufe vor dem Theater, man händigte mir im Tagungsbüro eine Tasche aus und einen Anstecker, auf dem “wahrer Name” Weblog steht. Ich entschuldige Juliette, sie muss sich erst irgendwo ausloggen, um sich hier im Pressezentrum wieder einloggen zu können.

Es ist keine Schreibmaschine da.

Frau Overath hat sauber über Fisch recherchiert, könnte ja sein, dass Ebel in seiner Jugend Aquarianer war oder später wurde.

Nüchtern: “Wenn die Aquarien größer werden, dann läuft nichts mehr”. sic. (um mal sic zu sagen)

Wenn sie sich den Nemo-durchs-Klo-spül-Quatsch gespart hätte, hätte ich noch besser hingehört. Burkhard Spinnen hat was über Fische gelernt und ist auf den Roman gespannt.

Ich bin gespannt, ob dieser Aquarianer der erste einer langen Reihe von Randständigen ist. Von Frau Klischat erhoffe ich mir eine schöne Psychose. Vor zwei Jahren gab es einige Bekloppte, im letzten Jahr war Amnesie- und Synästhesie dran. Dann lieber richtige Bekloppte, die sind medizinisch schlüssiger.

Spinnen nennt sie Kauz. “Modelleisenbahn liquid und vivid”.

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Boarding Time

22. June 2006 - 11:06 Uhr

Sollsein.
Tatsächlich ist das Flugzeug noch gar nicht da, außer mir will dennoch niemand sitzen bleiben.
Es munkelt, Hell habe Maultrommel gespielt, ich musste erst den Kopfhörer aufknoten, jetzt rattert die WLan-Parkuhr, ichwillsgarnichtwissen. Für den Flug die ersten beiden Texte gespeichert. Alle Bücher vergessen, während ich noch die Einladenden ins Teilnehmerupdate tippe (parallel zur Auslosungs-Aufzeichnung) nahte der Bus, ich konnte nur noch schnell die Leibwäsche aus dem Trockner holen.

Meine Mitflieger stehen vorwurfsvoll Schlange, ich kenn ja eh keinen und kann sitzen, wo noch frei ist. Wahrscheinlich wieder zwischen Parfümtestern, die Hölle. In Klagenfurt ist Kaffeepause.

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Morgenschweiß und Tränen

21. June 2006 - 14:28 Uhr

Ich wache um 5 auf mit der Idee, ich schaffe meine Arbeit nicht. Vergesse, vermassle, versetze. Laufe ein bisschen durchs Haus, kann nichts ändern, denn die Termine für den Tag sind fix. Fleisch kaufen für den Kindergarten, Vier bringen, Amtsgericht Neuss, mitten am Vormittag, so dass die Zeit vorher zu kurz ist, ich aber jetzt im Auto sitze und mir leid tue. Die Arbeit liegt im Büro.Dass mich ein Text zum weinen bringen soll, wünsche ich mir auf der Fahrt, nehme es aber gleich zurück. Ich bin leicht zu rühren durch Worte, gestern weinte ich über die 5000 ecuadorianischen Fans, sie stehen an Reisebüros an, hatten alle die Rückflüge direkt nach der Vorrunde gebucht. In Santiago de Chile sangen wir im Armenviertel, die Menschen kamen erst unwillig aus den Hütten, bis wir hinausgingen aus der kleinen Holzkirche und ein Lied sangen auf der lehmigen Straße. Sie verpassten das Länderspiel Chile Brasilien, um uns zu hören, sie weinten über Brahms, lachten über Lorca und jubelten dem seltsamen Jazztrio zu.

Worte und Filme bringen mich leicht zum Weinen, oft leider unter Niveau, mit billigsten Tränendrüsenschlüsseln. Bei Musik schlage ich zuverlässiger und sehr viel seltener aus. Wenn ich da weine, dann stand der Himmel offen, worauf Du einen lassen kannst. Oder die Hose.

2 Kommentare » | Arbeit und Aufschieben, Bachmann '05/'06, Holde Vögellieder, sopran singt selber

Morgenschweiß und Tränen

21. June 2006 - 10:12 Uhr

Ich wache um 5 auf mit der Idee, ich schaffe meine Arbeit nicht. Vergesse, vermassle, versetze. Laufe ein bisschen durchs Haus, kann nichts ändern, denn die Termine für den Tag sind fix. Fleisch kaufen für den Kindergarten, Vier bringen, Amtsgericht Neuss, mitten am Vormittag, so dass die Zeit vorher zu kurz ist, ich aber jetzt im Auto sitze und mir leid tue. Die Arbeit liegt im Büro.

Dass mich ein Text zum weinen bringen soll, wünsche ich mir auf der Fahrt, nehme es aber gleich zurück. Ich bin leicht zu rühren durch Worte, gestern weinte ich über die 5000 ecuadorianischen Fans, sie stehen an Reisebüros an, hatten alle die Rückflüge direkt nach der Vorrunde gebucht. In Santiago de Chile sangen wir im Armenviertel, die Menschen kamen erst unwillig aus den Hütten, bis wir hinausgingen aus der kleinen Holzkirche und ein Lied sangen auf der lehmigen Straße. Sie verpassten das Länderspiel Chile Brasilien, um uns zu hören, sie weinten über Brahms, lachten über Lorca und jubelten dem seltsamen Jazztrio zu.

Worte und Filme bringen mich leicht zum Weinen, oft leider unter Niveau, mit billigsten Tränendrüsenschlüsseln. Bei Musik schlage ich zuverlässiger und sehr viel seltener aus. Wenn ich da weine, dann stand der Himmel offen, worauf Du einen lassen kannst. Oder die Hose.

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Service: Kleine Presseschau

20. June 2006 - 10:30 Uhr

Gerrit Bartels hat für den Falter mit Clemens Meyer gesprochen. Und für die taz.


Felicitas von Lovenberg denkt in der FAZ lesbar über die Abschaffung des Bachmannpreises nach. Kehlmann, Hens und Geiger helfen ihr dabei.

Die Welt meint rum. “Besser als jeder ausgebrannte Fußballer”

Der Standard legt nach. Millesi wurde von Strigl eingeladen. Sonst nichts Neues.

Der Tagesspiegel lässt Clemens Meyer zu Wort kommen: “Ich krieg’ den Preis. Jetzt bin ich mir ganz sicher.”

Im Bieler Tagblatt greint Daniel Zahno retrospektiv über den Bachmann-Wettbewerb. Leider schon ins kostenpflichtige Archiv verschoben. Ein jährlich wiederkehrendes Motiv ist übrigens “weil ich Schweizer” – “weil ich Österreicher”-Benachteiligung. Hier übrigens die Diskussion zu Zahnos Text 2002. Birgit Vanderbeke weiß, was Hummer in Deauville kostet.

Dazu auch Der Standard, der den Salzburger Hanno Millesi Bodo Hell (Danke, Conalma) als “den einzigen renommierten Autoren” unter den Teilnehmern bezeichnet. Daniela Strigl hat rumgefragt, aber keiner wollte.

Katja Huber wird aus einem Roman lesen. “Nur Verlage oder Literaturzeitschriften haben zuvor das Recht, Autoren für Klagenfurt vorzuschlagen”. Falsch: Die Autoren können sich auch direkt bei den Juroren bewerben, jeder Juror lädt dann zwei Teilnehmer ein.

Die Mitteldeutsche Zeitung Volksstimme dpa lässt von “Fehlurteilen der Jury” munkeln. Beispiele: Juli Zeh und Arno Geiger, die mit ihren fertigen Romanen erfolgreicher waren als beim Wettbewerb. Falsch, dass Geiger “durchgefallen” sei, er kam – anders als Zeh – in die engere Auswahl für einen Preis. Statt “Fehlurteil” vielleicht eher ein Hinweis, dass es Schmarrn ist, Romanauszüge zu lesen. Umgekehrt funktioniert es übrigens auch: Uwe Tellkamp beeindruckte die Jury warumauchimmer mit seinem Romanauszug, der Roman “Eisvogel” kam bei der Kritik nur eher so mittelgut an. Es gibt in Klagenfurt keine Fehlurteile, es gibt nur Urteile. Dass die sehr nun ja individuell ausfallen können, ärgerlich, verblüffend, unverständlich, liegt im System.

Mal was Anderes.


Passauer Neue Presse ist für Deggendorf zuständig und befragt Kathrin in Berlin.
“Blut, Tränen und jede Menge Worte” habe ich eben schon irgendwo gelesen. Wer es findet. Aha. dpa. Kathrin kommt mit ihrem “ersten belletristischen Text überhaupt”: ich habe mich natürlich angestrengt, an dem Text gefeilt und ihn rechtzeitig fertig gestellt. Das wird die anderen trösten.


Der in Berlin lebende Bündner Silvio Huonder und die in Zürich lebende Kölnerin Annette Mingels vertreten die Schweiz. Die Tagesschau des Schweizer Fernsehens hilft im Verlauf beim Fußballmetaphernzutodereiten. Als wäre das nicht schon vor zwei Jahren zur EM erledigt worden. Die Fußballmetapher ist ein Zombie.

Texte zum Mitlesen wie gehabt bei ORF/3Sat, als pdf immer ab Beginn der jeweiligen Lesung. Dort gibt es dann wohl auch wieder Filmchen von den Lesungen und Diskussionen. Und die Vorstellungsfilmchen zu den Autoren. Grusel.Alle Lesungen im Fernsehen live bei 3Sat, dieses Jahr offenbar ohne Scobel.

Klagenfurtblogverdächtige:

Andrea Diener plant Bachmanngucken als Erholung.
Juliette Guttmann ist am Wörthersee.
Don Dahlmann will von Berlin aus zusehen.
Miss Caro möchte anstoßen auf alles, was der Text tut. Prost!
Lyssa vielleicht wieder – dieses Mal aus der WM-WG?

tbc

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Heute in der Fußgängerzone

19. June 2006 - 19:38 Uhr

Auf dem Münsterplatz steht die Südkurve (Fußballguckarena), anderorts: Tische draußen, eine Horde Schwedischer Fußballfans, eine Horde japanischer Fußballfans. Über der Tiefgaragenausfahrt vom Kaufhaus Hermann Tietz (heute: Karstadt) haben die beiden älteren Damen ihren Stand aufgebaut.

Auf dem Tisch liegen die Schriften von Ron L. Hubbard, daneben Feldenkraisliege und Ikea-Klappstuhl. Die stark geliftete Chefin kommt gerade vom Kaffeeholen zurück. Wahrscheinlich darf nur sie das E-Meter bedienen.
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Die alte Frau in der karierten Hose (gehbehindert) hat sich noch kurz gewehrt, bevor sie sich zum Stress-Test in die Sonne legen lässt.
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Eine mir persönlich bekannte Anhängerin von Scientology verwöhnt ihre Mitmenschen gerne mit heilenden Betatschungen Massagen, die ich selber als übergriffig empfände. Aber manche männlichen Wracks sind so geil nach Anfassen Leute genießen das irgendwie.

Gerne wollte ich mal ein E-Meter (Wikipedia) in echt sehen.
E-Meter ist das Gerät für das sogenannte Auditing, eine Art Amateur-Psychotherapie. Das Auditing-Opfer hält in jeder Hand so einen silbernen Euterstutzen. Der in schweineteuren Kursen ausgebildete Auditeur stellt Fragen und liest aus den Ausschlägen des E-Meters ab, dass das Auditing-Opfer auch noch ein paar schweineteure Kurse braucht.

Dazugelernt: Es gibt bei Wikipedia eine Seite für Neutralitätsprobleme.

Dies ist mein Weblog. Weblog ist neutralitätsproblemfreie Zone.

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