29. Januar 2007 - 09:44 Uhr
In Anderswo heißt der Kindergarten Schule, École Maternelle, und um als vorübergehend Zugezogener sein Kind dort anzumelden, benötigt man
ein Kind
eine Versicherungsbescheinigung
einen Impfpass
und als Beweis, dass man anderswo wohnt
eine “facture EDF” = Stromrechnung.
Kann auch die der Nachbarin sein, aber wenn man eine eigene hat, wird man extra gelobt.
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27. Januar 2007 - 16:16 Uhr

Kaum fünf Minuten Autofahrt oberhalb von Anderswo sind die Wiesen verschneit, die Straße zwischen den Schneewehen gerade autobreit freigeräumt. Der Gegenverkehr bleibt rücksichtsvoll aus. Unbedingt in den aktiven Wortschatz aufnehmen: impeccable, bizarre. Anderswo ist es gegen halb elf minus drei Grad und sonnig, auf der Anhöhe minus fünf und sonnig, in der Marktstadt minus 5 und neblig. Die Gemüselage ist prekär, das rustikale Gemüseprekariat bietet glasig gefrorene Selleriestängel und Salatblätter an. Impeccable dagegen: Brot, Schinken, Fisch und keine Engländer. “Pas chaud”, murmelt der Brotverkäufer, “pas chaud” grinst der Schinkenabschneider, “pas chaud” sagt der Schafskäsehändler, und seine Frau nickt dazu: “Fait pas chaud, hein?” Auch die Kohlhändlerin (choux fleur und choux frisée - Wirsing, wieder was dazu gelernt) findet es “pas chaud”.
Das Geld schmilzt aus dem Portemonnaie wie im Sommer. Zum ersten Mal kaufe ich eine Portion Aligote, eine Käse-Kartoffelpampe. Der Aligote-Schmelzer rührt mit einem großen Holzlöffel in der heißen Pampe und findet es offenbar ausreichend chaud. Im Café de la Place ist es warm, voll, Grand Crème s’il vous plaît, dazu eine Chocolatine aus dem Bauchladen an der Ecke. Auf dem Weg nach draußen treffe ich einen Bekannten (klingt gut und ist gestrunzt), er fragt nach der Copine, on fait des bises, im Gehen höre ich ihn noch murmeln “… pas chaud, hein?”
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22. Januar 2007 - 11:39 Uhr
Ich bin anderswo, aber
Glam vertritt mich!
Danke und weiter so!
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21. Januar 2007 - 12:31 Uhr
+++ Siegburg bislang verschont +++
[16.51] Die Stadt Siegburg ist bislang von extremen Wetterlagen verschont. Es sei “rau, aber nicht ungewöhnlich”, berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Frank Patalong von dort. Kinder würden draußen noch mit dem Fahrrad umherfahren. Regen gebe es keinen, nur ab und zu sei es böig.
Meine liebste Sturmtickermeldung.
(Versuch, wieder zum normalen Leben überzugehen)
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11. Januar 2007 - 21:59 Uhr
Ich lese meine Bücherregale von rechts nach links von unten nach oben. Greife noch zu Lesendes, wieder zu Lesendes. Lege im Vorbeigehen ein Haimesser zum Stapel, ein Ladegerät für irgendwas, zwei Filme (Die Klavierspielerin und Herr Lehmann), den Rabenkalender (Weihnachtsgeschenk vom Mann), die Schneebrille, ein paar Handschuhe, ein Klebe-Tattoo, die Wagenpapiere. Ein Buch über das zweite Vaticanum. Ein Päckchen Büroklammern. Noch ist es ein unauffälliger Stapel, wie zum Aufräumen, vielleicht gerade zum Verreisen, noch nicht zum Umziehen. Trägt noch nicht auf. Weiterlesen »
8 Kommentare » | Buch und Text, Rechtslinks, anderswo
11. Januar 2007 - 01:11 Uhr
Der Geruch ist weg, das ist das Auffälligste. Braunkohle und dieses Putzmittel und das Zweitaktgemisch. Weg. Und das Tuckern der Trabanten. Dass die Karl-Heine-Straße nicht neu geteert ist, das wundert mich. Wie oft werden in Bonn die Straßen neu geteert? Doch locker einmal in 16 Jahren, oder täuscht das? Mir fiel auf, wie wenig sich geändert hat, wie viel DDR noch da ist abseits der sorgsam geschminkten Innenstadt. F. findet alles viel zu neu, viel zu geleckt, so wenig übrig von dem Leipzig, das sie kannte aus der Kindheit. Doch dann findet sie Pflastersteine, Gullideckel, die alten Garagen und Zündelbuden für ihre Backpulversprengexperimente. Weiterlesen »
6 Kommentare » | Heimatkunde
11. Januar 2007 - 01:07 Uhr

Auch die Milchbar Pinguin ist ein historischer Ort. Der Pinguin stimmt noch und auch die rosa Leuchtschrift zwischen den Milchbarfenstern im Parterre und dem sozialistischen Wohnungsbau ab dem 1. Stock. Innen ist ein italienisches Eiscafé in der vertrauten Geschmacklosigkeit. Das ist der Unterschied zwischen West und Ost: Bei uns im Westen dürfen die italienischen Eiscafés im Winter in die italienische Heimat fahren. Weiterlesen »
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9. Januar 2007 - 19:21 Uhr

Eine Genehmigung soll ich auch beantragen, um den Laden von Schiller & Borgis zu fotografieren.
Warum ich sein Lodn fotografiere, will der Händler wissen, als er wütend aus dem Laden auf mich zu stürmt. Weil er mir gefiele, antworte ich.
Ich: “Ich finde, das ist ein schöner Laden.”
Er: “Nä, Sie dürfn doch nisch eenfach n Lodn fodografiern.”
Ich: “Doch.”
Er: “Nä, nix do. Da brauchn Se eine Genähmischung!”
Ich: Traurig lachend ab.
Er: Wütend kopfschüttelnd ab.
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8. Januar 2007 - 16:29 Uhr

In dem Zimmer im Oratorium finde ich eine blaugraukarierte Wolldecke, die viel weniger ostig aussieht als die übrige Einrichtung. Sie sieht vielmehr aus als hätte sie meine Oma-die-eine-echte-Dame-war für einen älteren Herrn ausgesucht.
“English Mohair. Made in Western Germany.”
Yepp, die HAT meine Oma für einen älteren Herrn ausgesucht. Eben den Onkel, der dieses Zimmer bis zu seinem Tod 1993 bewohnt hat. Ich schlafe in seinem Zimmer und Dusche in seinem Bad und benutze seine Küche. In der Küche hat Tante F. ihm manchmal eine Suppe gekocht, oder einen guten Bohnenkaffee, vermutlich Jacobs Krönung. In dem Paket mit der Decke waren vermutlich auch ein paar Pfund davon.
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8. Januar 2007 - 16:25 Uhr
Riemannstraße 42, Blick vom Hinteraus aufs Hinterteil vom Vorderhaus.

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