Müde und wasserscheu

Diese zwölfstündigen Nachtfahrten ziehen immer allerlei Gedanken an, die mir blogbar erscheinen, solange ich drinstecke. Dank der zugeführten -ine und des mitgeführten beleuchteten Kugelschreibers bin ich so multitaskingfähig, dass ich sogar was notieren kann beim Fahren. Jetzt bin zu müde für Selbstkritik und lege hier nur das Gekritzelte ab. Ich dachte viel an Wasser und musste auch dauernd welches lassen, denn die -ine (nur harmlose, keine Amphetam-) entwässern, machen durstig usw. Ich höre Zweiraumwohnung, Jens Friebe, Element of Crime, Erdmöbel. Denke über mein Verhältnis zum Wasser nach. Der weiße Hai ist übrigens ein sehr lustiger Film, schauen Sie sich den unter mit dem Vorsatz noch mal an. Der Polizeichef von Nantucket oder wie’s da heißt schwafelt was von seiner besonderen Abneigung gegen Wasser. Das habe doch sicher irgendeinen medizinischen Namen, wird er gefragt. “Wasserscheu” antwortet er. Nachher muss er auf dieser Nussschale (wir raten richtig, welcher von den drei Freaks auf der Nussschale am Ende draufgeht) immer die stinkenden Fischabfälle vom Heck werfen, um den Hai anzulocken.

Ich bin also wasserscheu. Oder doch kaltwasserscheu. Oder zumindest scheu vor ungeplanten Wasserkontakten. Also nehme ich ein Boot zwischen mich und das Wasser, und alles ist in Ordnung. Deshalb falle ich ja auch nicht rein. Aus Feigheit.

Überfahre auf der Autobahn “La Galaure”, fahrbar? Sie fehlt mir, sowieso, aber dann neben mir mit dem gelben “700 rivières”-Buch, um jeden Bach nachzuschlagen. Faba? “La Mauvaise”, und “La femme sans tête” und “Le Sansfond” sind bestimmt nicht fahrbar, wohl aber Meuse, Marne, Moselle. Ich rechne jederzeit aus, wie der Wasserweg nach Anderswo wäre. Immer über die Rhone, den Rhone. Flussab in die Camargue, ein Stück über das Mittelmeer oder den Rhône-Sête-Kanal zum Canal du Midi, und von Villepinte kann man auch laufen. Von der Marne und der Mosel aus müsste man über den Canal de l’Est zur Saône, die mündet bei Lyon in den Rhone usw. Egal. Wäre keine schöne Tour.

Anrufen kann ich sie dann auch nicht mehr, um zwei Uhr, und das gelbe 700-Flüsse-Buch liegt im verliehenen Haus. An der Autobahn mal wieder ein Wasserscheide-Bild. Am Oberalppass in der Schweiz, wo wir neulich waren, entscheidet der große Verteiler, welcher Regentropfen durch Inn und Donau ins Schwarze Meer muss, in den Rhein Richtung Nordsee oder gleich über die Rhone zum Mittelmeer. Darf.

Mein Vater fragte uns im Auto ab: “Die deutschen Mittelgebirge und durch welche Flüsse werden sie geteilt?” Geografisches Denken in Flüssen. Es gab eine alte Tante an der Mosel. Vor der Regulierung, nach der Regulierung. Hochwassergeschichten.

Auf der Rückbank schlafen die Töchter. Ich bin seit letzten Herbst nicht hier gefahren.

Wie soll ich jemals wieder alleine einschlafen? Ich werde kompensieren und ein Boot kaufen. Boot is the new Objektive is the new Schuhe.

Cattenom.

Kategorie: anderswo, Auslese-Blog, Film und Fernsehen, Holde Vögellieder, Wasser und Boot Kommentieren »


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