Glitzy Erdbebenbloggen

Um dem schalen Zugriffsheischen durch die vermutlich bundesweit erste Meldung des nächtlichen Erdbebens durch mich etwas mehr Glanz zu verleihen, verweise ich hier mal auf das wunderschöne Erdbeben mit Epizentrum bei Heinsberg, das mich in der Nacht zum 13. April 2002 aus dem Schlaf riss.

Ich saß zitternd im Bett und glaubte, ein Panzerbataillon rolle über den langen Flur der rotten Altbauwohnung auf mein Schlafzimmer zu, keuchte immerzu “das Kind, das Kind”, weil das junge Söhnchen am anderen Ende des Flures schlief.

Der Mann drehte sich müde zu mir um und murmelte: “Schlaf weiter, das ist nur ein Erdbeben.”

Das war Stärke 5,6 oder so, und hej: Ich kenne persönlich Menschen, denen im Schrank Gläser kaputt gegangen ist oder eine Dachpfanne aufs Auto gefallen. Ein großes Fest für den Bonner General-Anzeiger.

Jahre später wachte ich mal morgens von einem kleineren Beben auf, da dachte ich nur: Scheiße, jetzt fliegt meine Gerichtsgeschichte von Seite fünf.

Und jetzt was Tiefsinniges:

Erinnert uns dieses kleine Beben doch auch daran, dass jederzeit der Laacher See ausbrechen und das ganze Rheinland sowie die Eifel UND den Westerwald unter Glut und Asche versenken kann. Das erdbeerengefährdete Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich war ja nur ein paar Monate in Betrieb. Hängt also Euer Herz nicht an irdische Güter, es kann jeden Moment vorbei sein.

Prompt träumte ich nach fünf Uhr von jungen Japanerinnen, schließlich reiste ich 1995 kurz nach dem großen Beben in Kobe nach Japan, oder was auch immer mein Unterbewusstes sich da zusammenassoziiert hat. Die Japanerinnen hatten blondierte Haare, was scheiße aussah, und sie sangen kölsche Karnevalslieder, was putzig war.

Das Panzerrollen war mir übrigens vertraut von einer Chorreise nach Gorizia im Friaul 1987. Da war die Grenze zum Ostblock nicht weit, und morgens rollten Panzer vorm Hotel auf und ab. Der Mann dagegen kannte das Geräusch aus dem Film “Earthquake”. Beruhigend. Beim nächsten großen Regen wird er sagen: Kein Problem, das ist nur die Sintflut.

Kategorie: Heimatkunde 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “Glitzy Erdbebenbloggen”

  1. kaltmamsell

    Dürfte ich Sie für das “Erdbeerengefährdete Atomkraftwerk” mal kurz knutschen?

    (Wegen der Pilze auf der Erdbeerenhaut, vermute ich, die einen Atompilz auslösen könnten.)

  2. sopran

    REPLY:
    Es gibt doch diesen Film mit dem roten Farbfleck auf dem Atomkraftwerk. War das “Gambit”? Knutschen Sie nur.

    Nachgeschaut: “Gambit”, Fernsehzweiteiler von Peter F. Bringmann. Der Bruder eines Freundes hatte damals das Originaldrehbuch zu Hause, bevor der Film gedreht wurde, fand ich toll.


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