Tatort: Borowski und das Mädchen im Moor (NDR)

Wen sehen wir als dritte auftretende Person? Den Cellobubi von letzter Woche (roter Tod). Er war schon da ein prima Mörder und wird es wohl auch dieses Mal sein. Existenzsorgen, bei der Bank geht keiner dran, er ist Aufpasser im Super?- Drogerie?-Markt, das Mädchen hat sich eine Perücke angezogen und geht Kosmetika klauen.

Meine Mutter, die mir zum 40. Geburtstag immerhin einen Strauß Tulpen schenkte, wusste aus dem „Gong“, dass nach 8 Minuten der Mord passiert und wir dabei sein werden. Es ist jetzt 20:23 Uhr. Das Herzchen geht mit der Mördertochter ins Internat. Der Herzchenvater ist der Boss vom Mörder. „Du bist so gut wie entlassen, Herr Kommissar“, sagt das erwischte Girl. Kreischt rum, da muss man doch was tun. Er tut: Eine Hand auf den Mund, eine Hand an die Gurgel, und: Dä.

Wir werden nun die nächsten 80 Minuten verfolgen, wie Cello- bzw. Ladendetektivbubi das Mädchen verschwinden lässt und Borowski zusammen mit der gruseligen (wenngleich von einigen meiner Leser als erotisch empfundenen) Psychologin Maren Eggert den Fall löst.

Belindas Vater ist alt und reich. Klares Wegrenner-Profil, diagnostiziert Frau Jung. Wie komme ich auf Maren Eggert? Sollte ich mir zum ersten mal einen Schauspielernamen gemerkt haben? „Mein Brauner ist kaputt“, sagt Borowski (sonst: uralter Passat) und leiht das Auto vom Chef, BMW mit Navigationssystem. Sehr schöne Szene. Musik, Liegesitz. Nein: Saab. Nocht schöner. Slapstick. Quetschsitz, wenn man das Liegesitzknöpfchen in die falsche Richtung benutzt. Und jetzt überfährt er auch noch einen Wolf. Riesig. Für diese Szene schon sechs Punkte (so auch die „Gong“-Würfelwertung).

Ich verstehe leider gerade nicht, warum Borowski da durchs Moor tapert. Auch nicht, warum er sich aus dem SAAB ausgesperrt hat. Wie geht denn das? Dann will er die Seitenscheibe kaputtschießen, Pistole tut’s nicht, schlägt er sie mit der Pistole ein. Und warum kann er jetzt immer noch nicht wegfahren? Tag des schwedischen Autos. Der Mörder fährt Volvo. „Da war Blut auf der Straße“ und „Man denkt nichts Böses und tötet eine Kreatur“. Und hinten auf der Ladefläche liegt unter einer Plane die tote Belinda.

Belinda klaute ihren Klassenkameradinnen die Tagebücher und war auch sonst ein rechtes Früchtchen. Sie werden Millionen Menschen mit Motiv finden, und dann war’s einer, der eigentlich keins hatte. Sie war halt nur gerade da. Aber Frau Jung wird viel dummes Zeug reden.

Die Dialoge werden besser:

Jung: „Stimuliert sie das so unter dem Bett eines jungen Mädchens?“

Borowski: „Sehr. Es erfordert ein hohes Maß an Demut und Interesse.“

Jung liest das Tagebuch von Maria, immerhin siezt sie Maria. Maria: „Sie lesen mein Tagebuch. Das ist widerlich.“ Maria ist die Mördertochter, aber die weiß das ja noch nicht. Und wer ist Maria Schrader? Belindas Mutter? Marias Mutter? Maria hasst Belinda, und das vermutlich zu Recht. Die hat ihr schließlich nicht nur das Tagebuch sondern auch die Hauptrolle „Lola“ weggenommen“.

Kreisch. Noch eine Slapsticknummer: Cellobubi versenkt im Dachsarg seines Volvos die Leiche. Dachsarg schwimmt. Bubi in Wathose, das ist so ein Teil mit angeschweißten Gummistiefeln. Denkt jetzt hat er’s, schaut noch mal auf die Entengrütze und schlurps ist das Ding wieder oben.

Maria Schrader fickt fremd und gibt der Tochter 300 für Reitstunden. Fremdficken gegen Geld? „Versprich mir, dass sie nicht wiederkommt“, sagt Maria zu ihrer Mutter. Guter Papa. Belinda kommt nicht wieder.

Mörder verschickt das Tagebuch. Seit die Post privatisiert wird, darf die auch nicht mehr ins Bild, am Paketladen steht deshalb „DKS“. Viel Psychokram. Schrader will, dass die Tochter es mal besser hat, neuer Sattel, teures Internat. Nur verdient man als Ladendetektiv nicht so üppig. Ah, war nicht der geschorene Kaufhausmensch da der Fremdbeischläfer von Schrader?

Es treten auf: „Klaus und Klaus“ – nach der kleinen Fahrt durchs Moor duzen sich Borowski und der Mörder. Borowski geht mit den von Belinda gestohlenen Lippenstiften ins Kaufhaus, stellt den Diebstahl nach und trifft prompt auf den Detektiv. Trinken sie halt einen Kaffee zusammen.

Belindas Handy ist in Ankara. Borowski nimmt Witterung auf. Frau Jung hält sich zurück. Bisher alles sehr schön, bist auf die Konstruktion: Mir sind hudannit-Plots einfach lieber. Man muss doch auch mitraten dürfen.

Hihi. Lola abgesagt wegen Tragik (Belindapietät), Maria Hysterieanfall. Psychologin: Guckt zu (Fachausdruck: Macht Hypothesen). Borowski heilt Anfall: „So, jetzt ist wieder schön“ und „SIE nehmen jetzt Ihre Tochter und fahren nach Hause.“ Borowski: Flashback auf den Kindersarg im Mördervolvo.

Auch schön: Im Kaufhaus probiert Borowski aus, ob er (und Belinda erst recht) in den Autodachsarg passen würde.

Ich muss besser aufpassen, das kommt vom Geburtstag. Ruft Freundin A aus B an, um mir mitzuteilen, dass sie dieses Jahr NICHT meinen Geburtstag vergessen hat (wir haben uns da gegenseitig nichts vorzuwerfen). Mörder hat das Tagebuch zwischen dem Kaminholz versteckt, wo es soeben von Maria Schrader gefunden wird und stattdessen das Handy in die Türkei geschickt bei DKS.

Mörder hört Knef im Radio, fährt durchs Moor, da heben sie gerade einen baugleichen Dachsarg in den Leichenwagen. Böse Falle. Denn ohne Leiche wird es schwierig. Zu Hause erstmal einen Wixi schütten. Bekanntes Modell von „soll es mal besser haben“, anspruchsvolle Frau, Überschuldung. Versager. Schrader weiß jetzt also, dass er’s war. Papa flippt aus, weiß vom Fremdficken, schließt sich mit Frau und Tochter im Schlafzimmer ein: Szene. Axt. Blut. „Sie bleiben im Auto, Frau Jung“. Wette, sie hält sich nicht dran.

Und zack, eins drüber. Frau tot. Tochter weg. Auch tot? Jung ruft Verstärkung. Wo ist Marie? Marie im Schrank. Borowskis Pistole auch in Mörders Hand defekt. Jung kümmert sich um das Elternlose Mariechen.

Negativ: Nichts zum Mitraten. Jede Woche der selbe Mörder.

Positiv: Frau Jung hielt sich zurück. Erstklassige Ermittlungsarbeit (falscher Dachsarg). Schöne Slapstickszenen. Blut. Hysterie. Axteinsatz. Es war nicht das Kind. Es war nicht die Ehefrau.

Schlussbild: Borowski schaut im Nebel auf die Entengrütze und schlurps taucht der Dachsarg auf.

8 Gedanken zu „Tatort: Borowski und das Mädchen im Moor (NDR)

  1. Lu

    “So, jetzt ist wieder schön”

    mein persönliches highlight in worten heute.
    das übernehm ich direkt mal für böse tage.

  2. juliaL49

    Hach ja, ich fand es auch überraschend gut. Den Anfang nicht so, aber dann wurde es langsam. Besonders die Dachsargversenkaktion!
    Ansonsten habe ich starke Parallelen zu Columbo gesehen.

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  4. schwadro

    also ich finde ja, diese psychologinnenfigur nervt. darüber hinaus hat mich der halsumfang des mörders fasziniert, besonders von hinten, und bei der axtszene war mir – bis jetzt – nicht klar, ob das nötig war. aber maria schrader war super!

  5. Nachtgedanken

    Leider kam mein Lieblingssatz „Ich höre“ nur einmal. Irgendwann sag ich das auch mal am Telefon. Und seit wann hat der Pfarrer eine Pistole? Auch wenn damit gar nicht geschossen wurde.

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