Tatort: Der Teufel vom Berg (ORF) – Brahmswoche bei Sopran II
Weil hier gerade so viele Suchanfragen – ca. 70 zwischen neun und zehn – nach der Musik einlaufen: Nach Stralau soll es sich im Film um die Aufnahme mit Edita Gruberova und Vesselina Kasarova handeln. Auf der CD Wir Schwestern Zwei, Wir Schönen
Eine Wiederholung von August 2005, aber nicht für mich. An dem Tag fuhr ich mit dem Auto (drei Töchter und eine kleine Katze) durchs Zentralmassiv von Anderswo nach Hause.
Tatort goes Kottan? Macht auf mit Fliegenfischen, einem japsenden Fisch, einer toten Frau, einer Iris, Prismenlicht. Dann kottanmäßiges Geplänkel zwischen Bergdoktor Kommissar Eisner und seinem Chef. “Ich bin nicht mehr so ein Naturmensch seit der Sache mit der Bienenallergie”. Eigentlich will Eisner in Urlaub fahren mit seiner Neuen, aber nix.
Erste Musik: Ein Brahmsduett “Die Meere” opus 20 Nr. 3.
(Text: Johann Gottfried Herder)
Alle Winde schlafen
auf dem Spiegel der Flut;
kühle Schatten des Abends
decken die Müden zu.
Luna hängt sich Schleier
über ihr Gesicht,
schwebt in dämmernden Träumen
über die Wasser hin.
Alles, alles stille
auf dem weiten Meer!
Nur mein Herz will nimmer
mit zu Ruhe gehn.
In der Liebe Fluten
treibt es her und hin,
wo die Stürme nicht ruhen
bis der Nachen sinkt.
Hat das was zu bedeuten?
Eisner fährt also raus aufs Land, wo vor einiger Zeit die Fabrikantenwitwe ermordet wurde. Verdächtig: Herr Hochreiter, gespielt von Ulrich Tukur. Eisner gleich mal raus in Wald, wo die Leiche gefunden wurde und zack: Bienenstich, Kollaps, und gerettet wird er vom daherkommenden Ulrich Tukur (Cortisonspritze im Handschuhfach, dabei auch gleich mal schnell in die Akte geschaut, während der Bergdoktor da lag).
Die Leiche, Frau Klose, war zu blond, zu jung und zu schön für den Fabrikanten, jedenfalls für den Fabrikanten allein. Der daherkommende blond Jüngling mit dem Mopped ist robert Stadlober. Ach, und die war selber Reich, eine Erbin. Vater war erfolgreicher Erfinder.
So. 20.30 Uhr, Zeit für einen ersten Tipp auf den Mörder. Berühmteste Schauspieler: Ulrich Tukur (war’s nicht, weil er sagt, er war’s und jeder meint er war’s außer dem der’s war). Susanne Lothar, bisher noch nicht aufgetraut, ist aber dem Hochreiter/Tukur sei Frau. Und Robert Stadlober, zur Zeit mein Favorit. Herrn Klose haben wir auch noch nicht näher kennengelernt. Die Gabi, dem Erwin Stadlober seine Schwester, arbeitet im Angelbedarfsgeschäft. Auch schön, schließlich wurde das Opfer mit der Angelschnur erwürgt. Die ist auch nicht ganz echt, macht dem Bergdoktor den Hof, mit Bikinioberteil ausziehen. Kaut Kaffeebohnen, die sie im silbernen Döschen mitführt und kratzt mit dem Opinel am Steg herum und wohl auch an Eisners silbernem Golf.
Auftritt Susanne Lothar: Säuft + sehr roter Lippenstift. Immer super hysterisch, Susanne Lothar. Hat in dem gruseligen Film “Die Klavierspielerin” nach Jellinek die hysterische Mutter der Klavierschülerin gespielt, der Isabelle Huppert mit einer Manteltasche voller Scherben Hand und Karriere ruiniert. Auch eine prima Mörderin, schließlich gibt sie dem Mann ein Alibi, was ja zugleich ihr selber eins gibt. U-hund: Sie ist die Schwester der Toten. Da müsste sie ja auch eine reiche Erbin sein, scheint sie aber nicht. Vielleicht doch. Riesigen Hof gemietet von der Frau Feichtner.
Zeit für eine kleine Einführung: Dorf in Tirol. Julia Klose, Frau des Glasfabrikanten (135 Arbeitsplätze), damals im sechsten Monat schwanger, wurde nach dem Feuerwehrfest tot aufgefunden. Gefunden wurde die Leiche von Gabi Feuchtner, der Schwester vom Erwin Stadlober. Die ganze Familie (Eltern gibt es auch noch) turnten am Tatort rum. (Eisner trägt den Kimono einer verheirateten Frau, mit kurzen Ärmelgehängen). Die Feuchtners bewirtschaften das Berg-Anwesen von Ehepaar Klose, in dem sich Eisner als “Lehrer Geografie und Sport” eingemietet hat.
Jetzt schläft der Eisner auch noch mit der Gabi. Und die findet’s spießig, dass er ihre Zigarette danach nicht im Schlafzimmer haben will.
Wieder japsender Fisch und Brahms und Fliegenfischen. Das ist sehr schön.
Ich finde, dem Witwer ist bisher zu wenig Aufmerksamkeit zuteil geworden.
Noch eine Frau! Echter Feger, Ulrich Tukur: Julia, Gabi, Susanne Lothar und diese Ariane jetzt.
So, jetzt wird die Sache mal weitergetrieben: Ungeborenes Kind war vom Hochreiter. Ich plaudere dazu noch aus, dass Susanne Lothar mal schwanger war, aber bei einem Unfall, den wohl die Tote Stiefschwester verursacht hatte, das Kind verlor. Hass?
Herr Klose strangulierte gerne seine Frauen, weshalb seine beiden Vorehen nicht lange hielten, meint Eisner, nämlich nur 9 Monate (na gut) und 8 Jahre (nun ja). Eisner: Der ist ein perverses Schweinderl, der war’s. Scheff: Was einer im Bett macht, geht uns nichts an. Eisner: Vorverurteilsbeladen. Scheff: Korrumpiert. Da es erst 21:17 Uhr ist, KANN der unsympathische Klose es leider nicht gewesen sein.
21:22 Uhr. Gabi weg, Katze erhängt. Susanne Lothar säuft schon am Mittag aus dem Burgunderglas einen ordentlichen Rotwein. Sie (aus Eifersucht Julia und Gabi umgebracht) oder Klein-Erwin (war in Julia verliebt und hat Gabi wegen Schande umgebracht). Aber noch gibt es ja keine Gabileiche.
Ohoh. Peinliche Sache. Gabileiche mal auf Sperma untersuchen, meint der Tiroler Kollege. Und Gabi hatte G & M in den Steg geritzt, auf dem sie jetzt als schöne Wasserleiche im Regen liegt.
Dörfliche Selbstjustiz à la Klu-Klux-Clan. “Er war’s nicht”, schreit Susanne Lothar, und die wird wissen warum.
Susanne Lothar schwärzt “den Jungen vom Feichtnerhof an” und: “Der Georg ist der leibliche Vater vom Erwin”. Soso. Was macht der da überhaupt für eine Ermittlungsarbeit? Man könnte ja auch mal durchgehen, wer alles ein Motiv hat. Feichntererwin, Feichtnervater und immer noch Susanne Lothar. Noch acht Minuten.
Der junge Mörder hängt im Kuhstall (untot).
Wieder Brahms und schöne Luftaufnahmen. Damit könnten sie doch aufhören.
Schöne Bilder, skurrile Typen (finden die Österreicher wahrscheinlich gar nicht), verpeilter Ermittler, Gewalt mit Knüppeln, Brandstiftung, Sex… Einwandfrei. Und mein erster Verdächtiger war es.
Kategorie: Brahmswochen, Holde Vögellieder, Tatort 4 Kommentare »

am 2. March 2008 um 22:34 Uhr | #
Aber dieser Dialekt, man versteht ja fast nix… Und: Frauen wie Susanne Lothar kommen *ausschließlich* in Tatorten vor. Oder ich guck zuwenig Fernsehen.
Aber insgesamt sehr schön, auch die Gabi, jaja, dochdoch, das kannmansichmalangucken.
am 29. April 2011 um 22:02 Uhr | #
gelungener Film mit wunderbarer Musik:
Bregenz, Mai 28, 1981 heartland Keith Jarrett (leider nur sehr kurz); Brahmsduett “Die Meere” opus 20 Nr. 3
am 25. January 2012 um 20:49 Uhr | #
Hat mir richtig gut gefallen. Ulrich Tukur und Harald Krassnitzer sind tolle Schauspieler.
Die Musik muß ich haben…einfach traumhaft.
am 29. January 2012 um 15:20 Uhr | #
mir gefällt die musik so gut, zu der gabi tanzt; weiss jemand, von wem die ist. Danke, Lina