Tatort: Hart an der Grenze (SWR)

Richy Müller, das ist der, den ich früher mal verdächtigte, mit Jörg Schüttauf identisch zu sein. Dabei hat Müller die um Längen bessere Nase.

Der Mann, der unter der Brücke geschlafen hat, ist körperlich in einem guten Zustand, Kopfsprung ins Wasser und das tote Kind aus dem Neckar an Land gezogen. Ziemlich Boutique angezogen, rotes Mäntelchen, Strumpfhöschen. Strohblumen schwammen auf dem ruhigen Fluss.

Richy Müller derweil Milchkaffee trinken, Kollege Bootz feiert noch im Bett Geburtstag mit Frau und Kindern (Lea und Jakob? Lotta und Tom?)
Erster Schwabe um 20: 22 (der Gerichtsmediziner). Dem Kind fehlt das oberste Glied des rechten Ringfingers. Todesursache Herzstillstand. Bisher gibt es also gar keinen Mord. Welches Glied denn sonst, wenn nicht das Oberste. Als Kind fragte ich mich immer, wie sie bei “Oberschenkelamputierten” den Unterschenkel annähen. Hätten ja auch Beinab sagen können.

Um 20:24 Uhr lernen wir die Eltern kennen, die gerade auf dem Parkplatz einen beigen Mann zur Rede stellen. Vielleicht ein vorbestrafter Kinderschänder? Bitte nicht schon wieder, das wäre der Dritte vorbestrafte Kinderschänder in einem Monat. Doch nicht die Eltern. Das Kind ist aus Kyrillien, denn kyrillisch ist die Schrift in ihren Schuhen, die das einzige Olle sind an ihrem Outfit. Adoptionssache.

20:34 Uhr. Zum Ende des Tatorts (Abspannusik läuft) kommen Kriminalhauptkommissar Bootz und seine Frau vom Geburtstagsessen nach Hause und entschuldigen sich beim Babysitter, es sei “etwas später geworden”. Was in Stuttgart “etwas später” ist, so viertel vor zehn müssen da wohl alle zu Hause sein. Muss einen Wiederholung sein, schließlich it dort nicht Sonntag). Die zwei Kommissare werden sich wie immer nach der ersten Folge “zusammengerauft” haben. Wahrscheinlich, weil Richy Müller dem jungen schnöseligen Kollegen das Leben gerettet haben wird.

Ehepaar Bongartz (Tischlerei) wollte die fünfjährige Sarah adoptieren. Erst hatten sie es über die wahrscheinlich auch schon mittelwindige Adoptionsvermittlung “New Life” probiert, die wegen des Herzfehlers des Tischlers abgeraten hatte. Dann hatte sich initativ der dubiose Adoptionsvermittler Alexander Fauser (30.000 Euro für das Kind) gemeldet. Der hatte das Kind besorgt und vor zwei Tagen abgeholt und nicht zurückgebracht. Wie auch.

Nun also, erstmal ein hübscher Gedanke: Die beiden Kommissare treten als schwules Paar auf, das ein Kind kaufen will. Gelbes Hemd der Richy, Ehering aus der junge Bootz. Nun sitzen sie auf dem Sofa, Richy Arm um Bootz gelegt. Sie machen das gut, wie sie sich verliebt anschauen.

Richy: “War es wirklich nötig, meine Hand eine geschlagene Minute zu streicheln?”
Bootz: “Glauben Sie, ich habe das gerne gemacht?”
Richy: “Hat sich so angefühlt.”

Autos fahren die da, die Staatsanwälte. Alles vom Daimler und teuer. Als Privatwagen. Dass die in Stuttgart ihre Beamten so viel besser bezahlen sollen.

20:50 Uhr. Verdächtig. Na der dings halt, der Vermittler. Dem roten Coupé von der jungen Frau Staatsanwältin steht das Blaulicht
ausgezeichnet. Leider wird er das Auto gleich kaputtmachen. Oh. Und wie.

Die Staatsanwältin ist sehr natürlich, im Unterhemd kommt sie mal eben mit runter und schaut sich ihr Auto an. Kleiner Anfall. “Haben Sie sich wenigstens wehgetan?” Sie ist nun ja. Süß irgendwie. Bei der anschließenden Durchsuchung der Agentur treffen wir den beigen Vogel vom Anfang wieder, Herrn Lüders, den Geschäftsführer der Agentur “New Life”.

Alles ganz anders:
Sara ist gar nicht Sara, sondern ihre Zwillingsschwester. Sara wurde dann vermutlich abgeholt, um ihre Schwester zu ersetzen. Die starb eines natürlichen Todes, möglicherweise, und wurde liebevoll mit Blümchen bedeckt im Neckar “beigesetzt”. Nun lernen wir auch diesen Fauser (erwähnten dubiosen Vermittler, dem auch die Verfolgungsjagd gegolten hatte) kennen, der Sara noch bei sich hat. Und wer hat die Schwester in den Fluss gelegt? Das war Lüders, der Geschäftsführer (mal ins Blaue hinein, mir fällt sonst niemand ein). Wahrscheinlich haben die, die Lena kriegen sollten, mehr bezahlt als die 30.000, die die Bongartz hatten. Zum Beispiel wegen ficken. Oder sie ist beim “Mieter” einfach so gestorben, und der hat sie dann in den Neckar. Einer, der wahre Liebe spürt für kleine Mädchen.

Es plätschert, obwohl sie sich Mühe geben. Split screen, pfff. Erhöht die Spannung nicht. Die putzige Kriminaltechnikerin Nika und die beiden Kommissare suchen ein Haus in Zuffenhausen ab. Die Bude finden sie, aber Kind und Kinderhändler sind schon weg. Was diesem Tatort fehlt, ist das sonst übliche Faktotum. In Stuttgart gibt es nur attraktive junge Menschen, die hochdeutsch sprechen.

Auf dem Friedhof tritt einen neue Verdächtige auf. Dabei ist es schon 21.20 Uhr. Frau Stein, die einzige New-Life-Mitarbeiterin, die bei der Beerdigung antanzt. Die undichte Stelle zu Herr Fauser-Lehmann? Aha: Sie hat Lena in den Fluss gelegt. Natürlicher Tod. Krankheit. Irgendwas Russisches vielleicht. Sie wollte sie selbst adoptieren.

Geht alles sehr glatt. So. Kein Mord, dafür eine Entführung.

Ha! Lüders! Der Mann in Beige! Er nämlich hat seiner Geliebten Frau Stein Lena geschenkt, damit sie nicht mehr dauernd nervt, dass sie ein Kind von ihm will. Warum jetzt nochmal wurde dann die kleine Sarah bei Tischler Bongartz wieder abgeholt?

So. Verfolgungsjagd an die tschechische Grenze, Hubschrauber usw., aber spannend wird das dadurch nicht. Grenzkram, Bootz schießt in Tschechien, und der Grenzschutz kommt rüber. Egal. Richy kann ein bisschen russisch. Bootz verliebt sich deshalb in Richy. Kleiner Scherz. Nur so ähnlich.

§ 249 BGB?

Was für ein Quatsch. Genau.

Am Ende Müllers Nase aus der Kindersargperspektive, und siehe da: Der hat total asymmetrische Nasenlöcher.

7 Comments to “Tatort: Hart an der Grenze (SWR)”

  1. Frau Rossi sagt:

    Ich mag den Richy. Diese Nase ist grandios! Es gab mal einen Film eine Einstellung, in der sich Richies Nasenspitze vom rechten Bildrand her in die Szene bohrte, Nase…Nase….Nase, erst dann kam der restliche Richy Müller ins Bild.

  2. Frau Rossi sagt:

    Huh, man kann hier nicht editieren! Nun, dann halt mit Syntaxfehler.

  3. bosch sagt:

    Was die beiden Neuen in Zukunft auch noch bringen mögen: alles ist besser als Bienzle.

  4. sopran sagt:

    Wie Recht Sie haben. Und die Nase ist wirklich toll. Wenn sie einen Autor finden, der was von Krimi versteht, wird es vielleicht noch ganz nett. Das war leider völlig linear, ohne Um-, Ab- und Irrwege und deshalb ohne jede Spannung. Hübsch, wie sie das Auto zerlegten. Wahrscheinlich steht das im Vertrag mi’m Daiml’r, dass die Autos lange genug im Bild sind.

    @Frau Rossi: Man kann hier wohl irgendein Anmeldeverfahren installieren, dann könnten angemeldete Kommentatoren ihre Kommentare auch bearbeiten. Ist das nötig? Ich kann’s Ihnen auch schnell verbessern und es als niedrigschwelliges Kommentierangebot bestehen lassen.

  5. Frau Rossi sagt:

    Nein, ist nicht nötig. Jetzt weiß ich es ja und das nächste Mal wird halt noch mal drüber gekuckt, bevor ich es absende. Ich werde meine Hausnachbarin (die mit dem Fernsehanschluss) mal bitten, mir künftige Folgen aufzuzeichnen.

  6. Dickie Greenleaf sagt:

    Immer wieder herrlich Ihre Zusammenfassungen zu lesen. An dieser Stelle ein herzlichstes Dankeschön für diese Seite und Ihre sonntägliche Aktivität.
    Bei diesem Tatort war ich fassungslos darüber wie unglaublich langweilig auch Richy Müller sein kann. Wo es doch hieß Bienzle adé usw.
    Danach wurde auf ZDF bei der britischen Krimireihe “Waking the Dead” das gleiche Thema behandelt. Aber auf so spannende, raffinierte und unglaublich vielschichtige Weise, dass Richy endgültig einpacken konnte. Trevor Eve war Richy Müller sozusagen um Nasenlängen voraus.

  7. [...] umfassendes Kompendium zu diesem Tatort gibt es im Fundus, Sopran hat liev [...]

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