Tatort: Erntedank e.V. (NDR)

Tja, so ist es nun einmal.
David, fünf Monate, quäkt in der Unibibliothek herum, während seine Mutter, Frau Burda alias Kommissarin Lindholm Gehirn studiert. Halbtags kommt nicht so gut an beim Chef. Un nu?

Bisschen Freizeitermitteln wäre gut. Und wie gerufen, fällt im Schrebergarten einem blauen Schrebergärtner der blaue Eimer aus der Hand. Jenem Schrebergarten, in dem Charlotte ihren Erziehungsurlaub verbringen will? Hä? Nette Versuchsanordnung, sehr weit her geholt. Und schon schleimt sie sich bei den Nachbarn ein. “Herzinfarkt beim Heckeschneiden”, will Frau Schröder, die Gartenzwergmutter und offensichtlich auch Kardiologin, schon wissen. Die weiß sowieso alles und hat die Leiche gefunden. Lehnen wir uns also zurück und warten wir ab, wie sich Miss Burda-Marple so macht mit ihrem Baby undercover im Schrebergarten. Mister Stringer, der Krimiautor, zieht auch mit ein. Wir werden also jetzt ein Feuerwerk an erfüllten Vorurteilen gegenüber Schrebergärtnern erleben.

Jetzt schon meine Lieblingsszene: Wie die Nachbarin mit dem Spaten auf den Erdhaufen schlägt und dann einen maulwurfförmigen Erdklumpen in den Eimer wirft. Lindholm regt sich zu Recht über Halloween auf und fragt, was “aus dem guten alten Martin” geworden ist, “SANKT Martin”. Das meint die aber nicht aktuell, oder? Am Apfelbaum hängen unreife Äpfel, und Charlotte läuft nachts im Pulli durch die Gärten. November?

20:42 Uhr. Verdächtig: Alle natürlich. Der ganze verkorkste Schrebergartenverein. Maren Kroymann, weil bekannte Schauspielerin und doofe Brille (Kunstlehrerin). Die fiesen Schröders von Nebenan wegen allgemeiner Unausstehlichkeit. Der Mann von Frau Kroymann, Herr Klose-Sanders. Regina Zacher, die Ex oder nicht Ex vom Toten. Und natürlich der Sohn, so einer, der immer ganz schwarz rumläuft, also jetzt kein Neger, sondern ein Dings, Gruftie.

Edgar, der neue junge Pathologe hat sich in die reife Frau Lindholm verguckt. Sie hat ihm einen Knochen aus der Grube auf dem Leichengrundstück untergejubelt, den er nun für menschlich erklärt hat. Geht natürlich nicht am Telefon, muss man sich für wiedersehen. Mittelfußknochen übrigens, und sofort beginnt die reife Frau Burda den putzigen Edgar nach Strich und Faden auszunutzen. Schnepfe.

Äh, Moment jetzt. Helmuth Zacher ging vor elf Jahren angeblich unter Mitnahme des gesamten Vermögens, aber Zurücklassung von Frau Regina und Sohn Moritz (heute Gruftie) nach Kanada. Dann nichts mehr gehört. Albrecht, der Mann mit der blauen Gießkanne (natürlicher Tod wohl) erbte dann Frau und Gartenlaube. Auf dem Laubengrundstück fand Frau Burda mit Edgar (Praktikant) nach nächtlichem Buddeln die Knochen eines 40-50jährigen Mannes.

“Dürfen Sie hier herkommen und mir solche Fragen stellen in Anwesenheit meines Kindes?”, fragt Regina Zacher.

Frau Schmidt-Rohrbach kennen wir schon. “Ich schlage vor”, sagt der Chef, “dass Sie diesen Fall gemeinsam bearbeiten, als, wie man neudeutsch sagt… äh… “… Alptraum?” Frau Burda, die es ja nun wirklich nicht nötig hätte zu arbeiten, behandelt die Frau Schmidt-Rohrbach also wie eine Praktikantin, und die sagt, sie will nicht wie eine Praktikantin… Sie ist halt wirklich eine Schnepfe.

Schröders verfügen über einen ausgezeichnet bestückten Giftschrank. Blaukorn, Rattengift in Granulatform (in Anderswo benutzen wir die kinderkeksförmige Variante). Maren Kroymann schlimme Depression. Alpträume usw. Seit der Abschiedsfeier vor 11 Jahren, nach der niemand mehr den Herrn Zacher gesehen hat? Sowohl Herr Kroymann als auch der blaue Gießkannenmann waren seinerzeit ein paar Tage krank geschrieben und hatten genug Zeit, als Zacher nach Kanada und als sie selbst zurück zu fliegen.

21.14 Uhr, und es ist immer noch nicht sicher, wer der Tote ist (vermutlich Zacher) und wer der Mörder ist. Ein paar Theorien:

Frau Zacher wäre zu einfach.

Klein-Moritz war erst fünf.

Frau Klose-Sanders-Kroymann zahlt die Pacht für die Laube. Ihr Mann ist der wahre Vater vom schwarzen Moritz, zur Vertuschung dessen haben die beiden den Zacher umgebracht.

Der Mann im Blaumann (Herzinfarkt oder Kaliuminjektion?) war der Mörder. Dann muss ja keiner brummen. Aber wär ja langweilig. Der aber hat ihm als gelernter Zahnarzt vorm Verbuddeln aus inniger Verbundenheit zur Familie (z.B. weil er der Vater von Moritz ist) fachgerecht die Zähne gezogen, um eine spätere Identifizierung zu vereiteln.

Jetzt erfahren wir auch, wozu Charlotte zu Beginn des Abends in der UB Gedächtnis studierte: Jetzt will sie dem kleinen Moritz mal auf dir Sprünge helfen, der vor elf Jahren an seines Vaters letztem Abend zugegen war. Vielleicht erinnert er sich ja, wenn er die Vögel jetzt beim Erntedankfest wiedertrifft.

20:21 Uhr, Maren Kroymann will auspacken, aber die denkt ja, dass Charlotte Psychologin ist. “Für mich soll’s rote Rosen regnen”, spielten sie bei der Party. Und plötzlich stand der Kleine da. Und Charlotte muss nach Hause, weil das Kind schreit. “Morgen früh reden wir weiter” – und der schwarze Moritz ist nun verschwunden. Wenn da nicht mal Schröders Rattengift sein gnädiges Werk tun wird. Frau Kroymann wird jedenfalls morgen früh gar nichts sagen.

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Yep: Die liegt aufgespießt auf einer ihrer Schrottskulpturen. Ein Unfall, harhar. Noch 20 Minuten, und Herr Doppelname könnte doch mal schnell auspacken, dann eine Viertelstunde Werbung, Anne Will wegschalten und gut ist. Aber wenigstens hat sie das Lied, also los: Klein-Moritz ins Bettchen packen, Grillgeruch, Teddybär, Hilde Knef, und schon…

…naja. Immerhin erinnert er eine Kopfwunde.

Also: Ganze Mannschaft nochmal antanzen lassen. Wegen Lottotippgemeinschaft. Stand der Name vom Zacher drauf, deshalb wollte er die Kohle allein einstreichen.

Na gut, war’s halt die Alte, die Frau Reimann. Ist aber auch egal, könnte jeder gewesen sein. Und jetzt noch schön rekonstruieren.

“Einer musste es doch machen”, sagt die Alte. “Alser dann tot war, haben wir uns alle gegruselt, nur der Albrecht, der hat sich gekümmert.” Waren ja alle zufrieden.

One Comments to “Tatort: Erntedank e.V. (NDR)”

  1. [...] Informationen gibt’s im im Tatort-Fundus; Sopran hat bei der Erstausstrahlung mitgeschrieben, und Annabell war damals auch nicht [...]

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