Tatort: Liebe macht blind (RBB)
Im anderswoischen Dorf sind Gäste zu Gast, darunter viele kleine Gäste, die man beim Abendessen nicht allein lassen kann. F. hat aber aufgepasst und versucht nun, 20:46 Uhr, mich auf den Stand zu bringen, ohne ihrerseits was zu verpassen. Möglicherweise ist das aber auch gar nicht so wichtig, weil es sich möglicherweise um eine Wiederholung eines Tatortes handelt, den hier nur ich noch nicht kenne.
U-Bahn-Station Alexanderplatz, und gerade fällt der Große die Treppe runter: Verfolgungsjagd nach missglücktem Speed-Dating-Undercover-Einsatz. Ach. Schwester. Doch nicht Verehrer. Kirsten (Elena Uhlig) arbeitet im Modegeschäft, möchte aber gerne was Eigenes aufmachen. Sie hat den toten Anwalt auch mal speedgedatet, ihm anschließend etwas Drohendes auf den AB geredet. Was hat der junge Anwalt mit den Koteletten für Dreck am Stecken? Keinen. Er sollte die Kollegin Nina Emmerich (Aglaia Szyszkowitz), die mal was mit dem Toten hatte, ausspionieren (E-Mails), lässt es aber. Erik Mohr, in der Wohnung erschlagen.
Ach, ich komme mir so ungenügend vor, eine halbe Stunde verpasst, das hole ich doch nie wieder auf. Anwälte immer Arschlöcher im Tatort, aber nicht immer Mörder. Der pummelige Bruder spielt sich als Kirsten-Beschützer auf. Zu viel Motiv also, um’s gewesen zu sein. Dass die in Berlin jetzt auch schon blaue Polizeiautos haben. Jetzt = 2006. Nur bei uns in Nordrhein-Westfalen noch das hässliche Grün.
Der Bruder hat eine höchst schwangere Frau, die ihrem Mann natürlich ein Alibi gibt. Die kann ihre Schwägerin nicht besonders gut leiden. Na und? So viele Eltern kommen in echt doch gar nicht bei Verkehrsunfällen um, wie im Fernsehen immer. Das schweißt aber Geschwister ungeheuer zusammen, wenn die Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen. Vielleicht mal erheben: Ich kannte tatsächlich Kinder, deren Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Und Sie, liebe Leser?
Anderswo dreht sich zur Zeit alles um Flüsse. Eine Woche Kanufahren auf der Dordogne, dann den Paddellehrer mit nach Anderswo reisen lassen, heute Fluss gucken, morgen Fluss gucken, übermorgen Fluss paddeln. Wie soll man da pünktlich am Tatort sein? Waisenkindbruder Paule hat im Schreibtisch eine Waffe. Der kann also noch zum Mörder werden, wenn er bisher noch keiner ist, wovon ich ausgehe.
Anwälte übrigens erzählen sich im Tatort derartige Witze: “Wie kommt ein Richter auf 0,2 Promille? Drei trockene Tage.” Harharhar. Die Staatsanwältin, die gegen die Kanzlei Mohr etc. ermittelt hat, muss Sätze sagen wie: “Das war ein Schlag ins Wasser”.”Schwer zu sagen, weil wir leider niemandem etwas nachweisen könnten”. Dialoge aus dem Dialogautomaten. “Ich muss zu einem dringenden Termin”.
Ritter mit Kinderfickersonnenbrille auf der Driving Range. Besucht den Kompagnon von Dr. Mohr. Was wir früher Kinderfickerbrille nannten, trägt heute jeder. Neulich träumte ich eine Sonnenbrille, die war so groß, dass sie nur noch aus einem runden Glas bestand. Sie wurde von einer blondierten Pissnelke spazieren getragen, der sie ausgesprochen gut stand. Die Sonnenbrille vom kommenden Jahr.
Blonde Anwältinnen sagen. “So ein Gefühl wie Liebe leiste ich mir schon lange nicht mehr.”
Verdorbenes Volk.
“This is a murder case” – Stark leiht sich bei amerikanischen Touristen eine Kamera. Die Anwältin Nina Emmerich trifft sich auf einem Schiffchen mit Kirsten. Wrumm? Weil Kirsten die Frau Emmerich erpresst. 21.11 Uhr. Noch über eine halbe Stunde. Kirsten hat die Gaspistole von Paule gemopst. Showdown am Liebknechtufer.
Vielleicht war es ja die schwangere Frau. Warum auch immer. Einfach, weil noch so viel Zeit ist.
Im Haus kehrt Ruhe ein, kann aber auch daran liegen, dass die süßen blonden dreijährigen Zwillinge zwei Etagen höher ins Bett gebracht werden. Versucht gebracht werden. Dings. Paul: “Marie, ich hätte Dich doch nie da reingezogen, wenn ich nicht unschuldig wäre!” – Schwangere Frau Marie nämlich widerruft ihr Alibi. Paul war beim Erik. Aber immer noch 25 Minuten. War’s halt doch der schmierige Anwalt.
Aber Paul hat einen Müsliriegel in der entfernten Tankstelle mit der Videoaufzeichnung gekauft zur Tatzeit. “Ist doch schön, wenn alle unschuldig sind”, sagt der Kommissar. Na schön. Was hält einen Tatort um 21.21 Uhr am Laufen? Richtig: Ein Schließfach. Schließfach geht immer. Bahnhof oder Bank. Erik Mohr natürlich: Bank.
Und:
Leer.
War nämlich noch jemand da, als Dr. Mohr schon tot war. Die Sekretärin? Der junge Kollege Arndt Baumeister, der gerade gekündigt wurde? Ja. Ein versiegeltes Kuvert. Montag von Mohr geschickt, Dienstag zu gehen. Montagabend Mohr tot, Dienstag zum Schließfach. Weiß jemand, wer die Schauspielerin ist, die die Sekretärin Frau Hofmann spielt?
Geld ist ja immer ein Top-Motiv. Anwalt ist immer ein Top-Bösewicht.
Der “langjährige Mandant” Herr Lehmbach trägt eine negative Heino-Perücke mit einer positiven Heino-Brille. Statistenrolle im Preisausschreiben gewonnen? Nina packt schon mal Koffer.
Aha. Der junge Kollege war’s.
Kategorie: anderswo, Tatort 3 Kommentare »

am 14. Juli 2008 um 00:16 Uhr | #
Die Sekretaärin ist die Frau aus der Werbung für Abführmittel (Dulcolax?): Karin Düwel…
am 14. Juli 2008 um 08:15 Uhr | #
[...] gibt es im Fundus, Sopran hat auch die Wiederholung [...]
am 18. Juli 2008 um 13:15 Uhr | #
Danke, Stadtneurotiker, auch wenn ich die Werbung nicht kenne. Der Name hilft schon weiter.