Tough Guy 2

– Teil 1 –

Erstmal wird gelaufen. Die Strecke ist gegenüber dem Vorjahr um drei Kilometer verlängert worden, schlecht für mich, dafür zieht sich das Feld vor den Killing Fields besser auseinander. Schön, dass gleich zu Beginn ein paar Tümpel zu durchlaufen sind, Laufen mit nassen Füßen habe ich geübt, das merke ich gar nicht. Nach ca. drei Kilometern reicht mir die Hetze schon, und da kommt das erste Hindernis, “The Tigers”, zwei ca. 10 Meter hohe Klettergerüste, dazwischen hängen Stromkabel herunter, geladen. Ca. zehn Minuten müssen wir warten, bis wir drüber kommen, das macht nichts. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut, man plaudert mit den anderen. “Sankt Pauli, mein Verein! Tolles Hemd, viel zu schade” – “Ist Fußball, oder?” Klettern ist einfach, alle sind so höflich und freundlich, keiner drängelt. Ich liebe England.

Und weiter laufen, über “Grand National” (nach dem “Grand National Steeple Chase”, diesem Pferderennen, bei dem sich immer die Hälfte der vier- und zweibeinigen Teilnehmer den Hals bricht), das sind nur ein paar Balkenhindernis, man kann drüber oder drunter. Dann The Slalom, der mir zu Recht die größten Sorgen machte. Hier muss ich F. ziehen lassen, die vorher auf mich gewartet hatte. Sieben- oder achtmal einen Hang hoch und runter, ich gehe strammen Schrittes, laufen ist nicht mehr drin. Sind aber immer noch Leute hinter mir und um mich her, denen es auch nicht besser geht. Ich freue mich über jeden. “Später nicht vergessen: Nie wieder, nie wieder, nie wieder”, denke ich, aber dazu später mehr.

In einem kleinen Wald geht es über Strohballen und unter Netzen durch, kein Problem, und endlich wird’s auch wieder schlammig. F. wartet auf einem Hügel auf mich, einem dieser Hügel zwischen zwei Schlammlöchern zwischen zwei Hügeln zwischen zwei Schlammlöchern. Die werden immer tiefer, und bald bin ich bis zum Hals im Wasser. Die nackten Waden brennen ein bisschen. Im Slalom durch einen Wassergraben, einen schlammigen natürlich. Rein raus rein raus rein raus, einmal mogle ich und spare mir ein raus rein, senkrechte glitschige Wände, ohne Hilfe komme ich nicht raus, F. gibt mir die Hand, jeder hilft dem nächsten oder dem vorigen. Es folgen weitere Hindernisse, die alle mit schlammigem Wasser zu tun haben. Das ist gut, denn gerade habe ich mir den Fuß verknackst, laufen tut’s nicht gut, jedes eisige Schlammloch kühlt, und wenige Schlammlöcher weiter spüre ich nichts mehr. Wir erreichen die “Killing Fields” mit den ersten Krankenwagen. Da liegt ein Mann am Wegrand, in Alu und Wolldecken gewickelt, haltlos zitternd. Auf einem Klettergerüst (“Behemoth”) steht ein Mädchen, erstickt schluchzend vor Angst und Frost. Ihr Freund ist dabei. Hangeln zwischen zwei Seilen, ich wäre gerne größer, die sind nicht für 1,60m gespannt. Geht aber. Um die brennende Strohballen stehen sie dicht gedrängt, um sich zu wärmen. Nicht nötig, der Rauch brennt in den Augen, also weiter. Vom Lauf habe ich mich erholt und fühle mich prima. Liegt es am Adrenalin oder am Neopren? Mr. Mouse teaches happiness.
Tough Guy Klamotten, vollständig und gewaschen
Alles, was ich anhatte (+ Schuhe) – weniger wäre zu wenig gewesen.
“Tough Guy” ist ein großer Abenteuerspielplatz, und es gibt mehrere Ansätze: Entweder man glaubt daran, dass das hier das “härteste Rennen der Welt” ist und macht es sich möglichst schwer. Dann rennt man zu Beginn leichtbekleidet um sein Leben und wird in den Killing Fields vor Kälte handlungsunfähig, oder man zieht sich warm an, schwitzt auf der Laufstrecke etwas mehr und freut sich nachher wie ein Kind, das sich endlich mal richtig dreckig machen und in kindgerechte Gefahr begeben kann, ohne dass die Mutter quiekt.

– Teil 3 –

Kategorie: Wasser und Boot Kommentieren »


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