Donnnerstag, 10 Uhr, Lorenz Langenegger
Lorenz Langenegger, eingeladen von Alain Claude Sulzer.
Protagonist: Viktor.
Hauptdarsteller: Eine Parkbank.
Irritation: Ein Paket, eine Uhr
Meine Frage an den Text: Wird irgendetwas passiert?
Alles indirekte Rede.
Mein Eindruck: Ich habe diese Geschichte (Kauz, einsam, Parkbank) schon zigmal gelesen. Wird etwas passieren?
Kathrin Passig wertet neben mir den Text für die Automatische Literaturkritik aus, ich frühstücke und höre mit halbem Ohr zu, ich bin noch mit der Einrichtung des Büros beschäftigt (ein paar Fenster öffnen, Tabulatoren sortieren, Kaffee, Lachsbrötchen).
Jetzt auch noch Schrebergarten.
Viktor überlegt, “warum ihm die Gartenarbeit gänzlich fremd war”. Immer mal prüfen, wenn die Protagonisten sich was fragen: Ob man die Frage beantwortet haben will. Mir ist’s egal, Gartenarbeit ist mir gänzlich fremd, ich finde das normal.
“Er pflegte seine Zimmerpflanze nicht, um Marie zu trotzen”, … kann ich verstehen, Zimmerpflanzen most überbewertet, habe selber den sprichwörtlichen braunen Daumen (solche Wendungen immer mit “sprichwörtlich” verbinden, so wie “Rücklauf” immer mit “lebensgefährlich”), aber dann geht der Satz weiter: “… sondern aus Freude an ihrem Gedeihen”. ACHSO: Der pflegt sie doch.
Jetzt das viel Spannendere: Wie sind die neuen Juroren.
Meike Feßmann übernimmt den Zusammenfassungsservice, vielen Dank, dann muss ich das jetzt nicht nachholen. Frau Feßmann: Eine echte Dame, königsblaue Bluse zu bräunlichem Anzug, Seitenscheitel, tolles Fernsehoutfit.
“Mir hat’s ganz gut gefallen”, sagt sie, aber “mich hat gewundert, dass ein so junger Autor eine so altmodische Geschichte erzählt.” Viel mehr sagt sie dazu nicht, “expressionistisch”, und das sagt ja auch was.
Paul Jandl: “Geht ins Putzige”.
Karin Fleischanderl: Findet die beiden Protagonisten zu gleichwichtig, “Kamera, die hin und herschwenkt und die beiden nicht wirklich gemeinsam ins Bild bringt”.
Ijoma Mangold: Begegnung von Individuen unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen, “das ist die Erzählidee dieses Textes”, viel Symbolik (Bank am Kindergarten oder Bank am Friedhof, Paket, Uhr…) Symbolik zu vordergründig. “Text, dem ich trotzdem großen Respekt abstatte”, uiui, großer Respekt oder “aller Ehren wert” immer: Hat mir eigentlich nicht gefallen, aber Mühe gegeben haben Sie sich schon.”
Mangold später: “Dieses Verkriechungssubjekt Viktor”, sehr schöner Ausdruck.
Clarissa Stadler pampt dazwischen: “Sie finden sich an … erinnert, da können Sie auch mit Kafka und und und anfangen.” (sinngemäß, ich hör das vielleicht mal nach).
Spinnen: “Etüden”, meine Rede: So ein Übungsstück, nehmen Sie einen kauzigen Protagonisten und gönnen Sie ihm eine kleine Irritation, eine Begegnung… Alles so schon zig zig mal gelesen. “Ich habe Tage meines Lebens damit zugebracht, über Sonderlinge zu lesen, ich habe auch Tage damit zugebracht, über Sonderlinge zu schreiben.” … “Hier scheitert jemand, und ich wusste es auf Seite 2, daran, wieder einmal Kontakt aufzunehmen. Das Geheimnis fehlt, das ist Etüde.”
Feßmann: “Übung von jemandem, der noch keine eigene Stimme hat.”
Kategorie: Bachmann '09, Bachmann 2.0 Ein Kommentar »

am 15. July 2009 um 22:44 Uhr | #
Tolle Sache, dass man hier so frei schreiben kann.