Freitag, 12 Uhr, Karl-Gustav Ruch

Viel Musik, Italienisch, Spanisch.

Zeile um Zeile mit Operntexten füllen, so kann man’s natürlich auch machen. Und wenn’s nicht gefällt auf Alfredo und Orfeo schieben. Banausen. Schreiben über Komponieren und über Schreiben und über Nachbarn. Clemens Setz im vorigen Jahr zum selben Lesetermin auch jede Menge Nachbarn, und da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Ich kann da sehr schlecht zuhören, auch sind die Ablenkenden hier im Internet LEGION. Was allein drüben im Chat los ist. Man sitzt gemütlich zusammen, wähnt sich irrig im mit Teppich ausgeschlagenen Separée, und heute abend lesen sie wieder alle nach, wie ich gestern beim Bürgermeisterempfang erfuhr. Das heimliche Wirken mit 20 Lesern aus dem Freundeskreis pro Tag ist vorbei. Es lähmt etwas die Lästerlust, wenn man von den Belästerten erkannt wird.

Wo spielt das jetzt? Spanien würde ich sagen, Marokkaner kommen übers Meer herüber. Aber Schlagstöcke? Francos Zeiten? Ich hätte aufpassen sollen. Aber Zigeuner, Rumänen? Dann wohl doch Italien, und es sind Albaner, die über das Meer kommen.

Da: Dachkammer. Bohème, ick hör dir trapsen.

Termiten, Termiten sind gut. “Wände haben Ohren” dagegen schlecht.

Sulzer fängt an: Freut sich, dass auch mal Spanisch und Italienisch gesprochen wird. Geräusche in der Wand “Burkhard Spinnen wird sagen, dass er das alles schon mal gelesen hat.” Anfangs vergnüglich, nachher geht ihm die Luft aus. “Offensichtlich der Anfang eines größeren Romans”. Stimmt nicht, das ist eine fertige Erzählung. Es ist amüsant, es hat mich nicht in jedem Falle überzeugend. Beschreibung von Musik in der Literatur, problematisch, “wenn das Klavier sich Schritt für Schritt durch die Partitur hindurcharbeitet.”

Spinnen: “Ein bedrohliches Genrebild, die Bedrohlichkeit des Alltäglichen. Zwei von drei Tatorten machen das.” “Erstens hatte ich das Gefühl zu spät zu spät, zu viel Spitzweg ist schon da.” Nicht gelungen.

Feßmann: Grundidee eigentlich sehr schön. Geborgenheitsgefühl durch die Geräusche der Nachbarn. Ausführung sehr schematisch, Abhaken der Tage…

Keller erzählt wieder erstmal über andere Texte. “Dieser Versuch ist ein akustisches Hotel Savoy”. Kommt jetzt die Meinung: … Kann warten… Aha. Interessanter Versuch. Bei der Performanz die Klangdimension bewusster halten. Hätte auch ein wenig gekürzt.

Mangold: “Ehrenwerte Trivialliteratur” – “Ein absolutes Klischee von gesellschaftlichem Pluralismus.” Nur Abziehbilder. Romanischer Vitalismus, deshalb schallt es etwas lauter in spanischen Mietshäusern, als es wahrscheinlich in deutschen Mietshäusern. … das ich literarisch nicht für bedeutend halte.

Paul Jandl (sein Kandidat) : “Weiß nicht, ob das nicht jetzt an der Schmerzgrenze der Höflichkeit war, was Ijoma Mangold gesagt hat.” Kammerprosa, Rollenprosa, Text der Einsamkeit, “Ich finde den Text nicht so putzig, nicht so lieblich, wie hier getan wird.” – “Das ist ein Text, der nicht viel will. Ich weiß nicht, wie Sie das trivial finden können.”

Spinnen: “Jetzt mal was Spitzfindiges. Nicht jede Ich-Erzählung ist Rollenprosa.”

Fleischanderl: “Ein Mietshaus hat 100.000 Geräusche. Es ist eine literarische Aufgabe, diese aufzuschreiben.”

Kategorie: Bachmann '09, Bachmann 2.0 Kommentieren »


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