Samstag, 13 Uhr, letzte Ausfahrt Satanik

Kleinschreibung, courier, Titel:

leben ist anders

Stadler: Jetzt wird ein Text veröffentlich, und zwar: Sowas von veröffentlicht.

… weil der staubsauger kriegt sie da nicht raus

Trennung, und jetzt geht sie zu einer Numerologin. Transzendentale Obdachlosigkeit tippe ich. Ob man das schlechte Deutsch (mehrmals Hauptsatz nach weil) und das pathetisch-kitschige einfach unter Rollenprosa verbuchen kann und sagen: Die ist halt so doof, die Figur? Und würde es das besser machen?

Andererseits: Lastwagen und Kampfhund, das ist natürlich gut.

Nach der Numerikerin eine Energetikerin. Die Frau arbeitet sehr intuitiv. Ich verlangte, dass sie mir die zukunft sagen möge und auch den grund, warum der mann sich weigert, wirklich mit mir zu reden oder wirklich in meine augen zu schauen, sich meinem blick zu stellen.

Was ist denn in Österreich eine Mediatorin? Offenbar was anderes als das, was ich gelernt habe. Nämlich: Leuten beim Streiten zu helfen, und zwar völlig unesoterisch.

Wird die Hauptfigur nach Numerikerin, Energetikerin, “Mediatorin” in den Schoß der katholischen Kirche finden? Nein.

Große Freude beim mir über das Wort “Klaubschein”, bin hin und hergerissen, aber mich jetzt für Lastwagen, Kampfhund und Klaubschein an ihren Hals werfen? Das ist dann doch zu wenig.

Feßmann: Gut gefallen. Frau verlassen worden, nicht glücklich darüber, aber sie macht das Beste daraus.

Mangold: In der Kunst der Leichtigkeit gewinnt dieser Text einen der vorderen Plätze. Liebenswürdiger Text, nicht hochliterarisch aufgepumpt.

Jandl: Alter Verdacht, dass Heimwerkerei nichts anderes ist als fehlgeleitete männliche Zärtlichkeit. Verschlagene Naivität als weibliches Element, witziger, leichter Text. Als Debüt beachtlich.

Sulzer: “diesem Mann glaubich gestern begegnet, der Taxifahrer, der unentwegt in sein Handy geredet hat”. Maki und ich: “Das war meiner”. Beunruhigung in diesem Text, dieser Kerl doch was Bedrohliches hat möglicherweise. Vielleicht ganz gut, dass sie dem entkommen ist, sie wird auch sicher wieder einen Neuen finden.

Keller: Liebenswürdiges Ich

Fleischanderl: Zu sehr umgangssprachlich, zu sehr 1:1, meiner Meinung nach muss man Umgangssprachlichkeit sehr artifiziell herstellen.

Mangold: Kein Text, den man ein zweites Mal liest, weil er sich beim ersten Mal erschließt.

Jandl: Glaube nicht, dass man den Text jetzt noch aufpimpen muss.

Feßmann: Dreiteiliges Fenster, symbolisch auf Dreiecksbeziehung zwischen Mann, Frau und Hund. Nuja.

Kategorie: Bachmann '09, Bachmann 2.0 Kommentieren »


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