30. November 2009 - 15:11 Uhr
Die Hoffnung, dass mir ein Tag auf einem wilden Eifelbach ordentlich den Kopf durchspült, hat sich erfüllt - 32 Kilometer statt ans Buch ans Überleben gedacht, ein großer aufregender Spaß. Und heute dann klarere Sicht. Die drei Männer, die mich mitnahmen, machen sowas schon seit zig Jahren, des einen Boot ist 30 Jahre alt. Die Lieser ist ein Hochwasserflüsschen mit richtigem Wildwasser, Steine, Wellen, kleine Schluchten mit engen Kurven.
Der Lieserpfad, sagt jemand, sagt Manuel Andrack, soll der schönste Wanderweg der Welt sein, aber ich glaube, der Andrack kennt jetzt auch nicht alle. Wahrscheinlich einer der schönsten der Eifel. Weiterlesen »
Kommentieren » | Wasser und Boot
17. November 2009 - 10:31 Uhr

Am Sonntag nach unserer Ankunft in Pucon Ausritt mit Alejandra von dem Hof, auf dem wir für die dritte Woche eine Cabana gemietet haben. “Das ist doch kein Regen”, sagte Matthias, als ich am Morgen laut über Kneifen nachdachte. Es mag auch am Blechdach liegen, aber die ganze Nacht und den halben Vormittag glaubten wir, den Beginn der Sintflut zu erleben.
<ponyhof mode>Jetzt geht es aber, und der Vulkanascheboden wird nicht allzumatschig. Ich kann es noch, das stellt Alejandra beim ersten Galopp fest. “A little bit faster” heißt der, wir machen das zwei, drei mal, “and now running”, und “running” ist dann richtig den Fluchtinstinkt der Pferdchen ausnutzen. Meins ist ein halbes Fjordpferd, was für eine blöde Idee, Norwegerponies zum Züchten nach Chile zu bringen, wo sie diese wunderschönen Criollos haben. </ponyhof mode> Weiterlesen »
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15. November 2009 - 20:26 Uhr
Jetzt habe ich die ersten zwei Minuten verpasst, und ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht gerne auch den Rest verpassen würde.
“Als der Mörder merkte, dass er zu weit gegangen war, …” - Martin hat eine Schreibblockade. Wenn der sowas schreibt, schadet auch das nicht. Charlotte Lindholm-Furtwängler-Burda wäscht mit ihrem Sohn auf dem Land das Bobbycar und wird prompt zu einem ländlichen Mordfall gerufen. Serientäter. SoKo in Braunschweig. Na die werden sich freuen. Hauptkommissar Kohl heißt der aktuelle Kollege. Ein zurückgekämmter äh. Rüpel? Weiterlesen »
8 Kommentare » | Tatort
15. November 2009 - 17:25 Uhr
Wegen der vergeblichen Suchen weise ich darauf hin, dass ich in diesem Jahr nicht beim Open Mike zuschaue.
Informieren Sie sich doch bitte bei Goldmag, die machen das gut. Gewonnen hat u.a. Matthias Senkel, der voriges Jahr Gedichte vorlas, mit einem Prosatext.

Stattdessen war ich in Wien und sah mir dort am Donnerstagabend in einer teilverglasten Kiste, die mit einem künstlichen Kaminfeuer ausgestattet war, den wunderbaren Kaminplausch “Tea for three” mit der wunderbaren Daniela Strigl, dem wunderbaren Klaus Nüchtern und dem wunderbaren Tex Rubinowitz an. Wehmut: Nüchtern und Strigl zurück in die Jury! Und Tex gleich mitnehmen.

Besprochen wurden
Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt
Rainald Goetz: loslabern
Philipp Roth: Portnoys Beschwerden.
Später mehr dazu. Bis dahin nehmt dies:
“…zur Bewertung von Literatur muss man keine Ahnung haben von gar nichts, es braucht nichts, nur Sprachgefühl und Menschenkenntnis, daraus wird Literaturkritik genauso wie Literatur gemacht, alles andere ist sekundär, und Tonnen von Spezialwissen können herrlich sein und Ödnis pur …”
(Rainald Goetz, loslabern, S. 177/178)
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9. November 2009 - 06:49 Uhr
1 Kommentar » | abseits und alltags
7. November 2009 - 13:18 Uhr
Alejandra, die Tourenagentin, die mal zur Rheinkultur in Bonn war, ist zwar nett, kann uns aber nun doch für den Dienstag keine Tour zu den Geysiren von Tatio vermitteln. Mehrere Reiseführer empfehlen “Cosmo Andino”. Der Cosmo-Andino-Mann kann Englisch und verspricht, für uns noch einen Bus aufzumachen, wir sind ja immerhin zu siebt. Auf seinem Schreibtisch liegt eine chilenische Zeitung, die ersten drei Seiten befassen sich mit Herta Müller.
Er zeigt uns einen Bericht auf Seite fünf und erzählt, was drinsteht. Nämlich bei welchem Bäcker in Santiago Margot Honecker jeden Morgen ihr Brot kauft, wie ihr Enkel heißt, mit dem sie so gerne spielt, dass sie einen Kia fährt… “Warum nehmen wir immer alle auf, die sonst niemand haben will, von links und von rechts?” fragt er kopfschüttelnd, will wissen, ob wir aus Ost- oder Westdeutschland kommen (jede von uns kann einmal bejahen) und weiß überhaupt sehr gut Bescheid.
Die Agentur ist sehr zu empfehlen.
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2. November 2009 - 14:38 Uhr
Am Samstagabend, Ankunftsabend in Santiago nur mühsam etwas zu essen zu finden, das ist ein Teil Orientierungslosigkeit (heute, drei Wochen später, weiß ich: Wir hätten hinter dem Hotel suchen sollen, nicht davor), doch ein größerer Teil Fußball. Von Alameda bis Mapocho, von Merced bis Plaza de Armas und sicher auch darüber hinaus sind Läden und Restaurants verrammelt, in den Kneipen sitzen Leute vor dem Fernseher, die sich ein Getränk leisten können, die anderen drängen sich vor irgendwelchen Fenstern. Wir finden einen wirklich, wirklich schlechten Chinesen. Die Straßen sind leer, nur ein paar Polizeipanzer und Wasserwerfer flanieren herum, und das eine Taxi, dessen Fahrer uns weder nach Bellavista noch zu dem Inder im Hotel Majestic bringen will: Geht nicht. Später eine Nacht lang Autokorso, Hupkonzert. “Ein einziges Fest von Arica bis Punta Arenas” titelt tags drauf El Mercurio. Chile hat sich für Südafrika qualifiziert.
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2. November 2009 - 14:31 Uhr
Wie immer, also wie im Oktober 2001, nach Ankunft in Santiago erstmal zum Mercado Central, dieses Mal im strömenden Regen. Die Restaurantdrücker sprechen uns von allen Seiten an.
Don Augusto (das Augustin der Südhalbkugel) hat noch denselben deutschsprechenden Chilenen, der uns vor 8 Jahren das Ceviche gebracht hat. “Aus Bonn? Kennen Sie Weberstraße? Da wohnt mein Freund. Er heißt Norbert Blüm. Guter Freund, hat mir das Leben gerettet, ich war zum Tode verurteilt, er hat sich für mich eingesetzt.” Er verabschiedet uns mit den Worten: “Die Rente ist sicher.”
3 Kommentare » | Scheibe Erde, Selige Inseln, anderswo