27. Februar 2010 - 11:59 Uhr
Ich war neun, als meine Oma Krebs bekam. Groß genug - weil schon zur Kommunion gegangen -, um die ländlichen Sorgenrituale mitzumachen. So traf sich das ganze Dorf wochentags zwischen Melken und Abendessen in der Kirche zum Rosenkranzgebet. Wir halb-säkularisierten Stadtkinder waren da nicht so firm drin, egal: nach dem zehnten, zwanzigsten Ave Maria gibt es nur noch Knie- aber keine Textprobleme.
Heute trifft man sich im Sorgenfall in der Kneipe oder im Internet, lädt die selbe Seite immer wieder neu und wünscht sich, aus der Ferne irgendetwas tun zu können. Möglichst etwas, was auch nützt und nicht nur nicht schadet.
Demutsübung 2.0: aushalten, dass man nichts tun kann.
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10. Februar 2010 - 08:54 Uhr
All die Kargheit, das “Graubrot einer kargen Parataxe” (Ijoma Mangold 2003 in der SZ), das Vorsichtige, Tastende, Bescheidene, das sind sie doch alle längst leid. Auch so ein Kritiker will doch mal sehen, was draußen im Leben so los ist, bei den jungen Leuten. Man kommt ja kaum weg von seinem Schreibtisch. Wenn man sowieso nur Bücher und Zeitungen liest, sollen die einem doch mal erzählen, wie es draußen ist. Und dann erzählt diese 17-jährige, wie es draußen ist: So, wie die Kritiker an ihren Schreibtischen sich vorstellen, dass es draußen so ist bei den jungen Leuten. Irgendwie voll extrem. Deshalb wäre es auch am besten, wenn möglichst wenig davon erfunden und möglichst viel davon erlebt wäre. Dass große Belesenheit und üppiges Erlebthaben wahrscheinlich mehr Zeit kosten, als der blutjungen Autorin bisher zur Verfügung gestanden haben kann - so what. Es ist so viel Helene Hegemann in dem Buch, dass man schon denken soll, der Rest sei auch erlebt. Als wäre das Erlebthaben Voraussetzung für gute Literatur. Überhaupt wahrscheinlich ewiger Streitpunkt, Beschreiben versus Erfinden. Ich werde das Buch nicht lesen, das ist meine Auffassung von Jugendschutz. Ich gehe auch nicht in Konzerte von Wunderkindern. Ich will keine jugendlichen Leistungssportler sehen. Ich will nämlich, wenn ich Leistung sehen will (Eiskunstlauf, Violinkonzert, Literatur) nicht darüber nachdenken, ob das jetzt “für das Alter” irgendwas ist, “allerhand” zum Beispiel. Ich habe da eine Gutfindehemmung. Vor allem habe ich aber eine Schlechtfindehemmung Kindern gegenüber. Sie sollten davor bewahrt werden, sich in Interviews lächerlich zu machen und sich in einer Erwachsenenwelt mit den Maßstäben von Erwachsenen messen zu lassen. Was hätte dagegen gesprochen, das Buch fünf Jahre liegenzulassen, die Autorin dann nochmal drübergehen zu lassen und es dann zu veröffentlichen?
Ein Fall fürs Vormundschaftsgericht.
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9. Februar 2010 - 16:43 Uhr
Verlag sagt sowas wie “irgendein Passfoto genügt” - welch Ignoranz der menschlichen Eitelkeit!
Ich habe es aber gehalten, wie es Chuck Pahlaniuk in seinen “13 Writing Tips” empfiehlt: In jungen Jahren schon mal fotografieren lassen. Damals wollte ich mich, glaube ich, beim städtischen Bauamt bewerben. Also rufe ich Herrn Schafgans an. Herr Schafgans ist Anfang 80, und wer sich in Bonn woanders fotografieren lässt, ist selber schuld. Natürlich findet er die Negative sofort. “2003, nicht 2004″, berichtigt er mich. Die Kontaktabzüge von damals habe ich nicht mehr, die sind nach und nach zu Passfotos geworden. Also hin. Kafka ist tot, erinnere ich mich, als ich in den Laden komme. Weiterlesen »
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8. Februar 2010 - 15:44 Uhr
Mit der Tatortberichterstattung ist es nun so eine Sache - der neue Chor probt am Sonntagabend, und bisher habe ich es noch nicht geschafft, den Aufnehmer zu programmieren. Echtzeit fällt sowieso weg. Aber wer liest denn dann hier überhaupt noch?
Buch
ist fertiggeschrieben und vom Verlag durchgewunken worden. Sagt sich so locker, tatsächlich war die Arbeit am Ende steinig oder besser: mit großer Steinschlagangst behaftet. Erscheinungstermin jetzt 10. Mai 2010. Dann vermutlich noch viel größere Steinschlagangst.
Zeit für Urlaub: Anderthalb Wochen nach Abgabe fuhren wir nach England zur zweiten Tough Guy-Teilnahme, dieses Mal mit dem Auto, um auch was vom Land zu sehen.
Nun lag dieser gefrorene See ja am Weg zur Umkleidung, aber beim Fotografieren habe ich überhaupt nicht daran gedacht, dass ich gut vier Stunden später da durch schwimmen würde.

Seit dieses England einen nicht mehr so abweisend teuer empfängt, gewinne ich es jedes Mal ein wenig mehr lieb. Gut, Wolverhampton, das wäre nicht nötig. Dafür nahm das dortige Novotel die Schlammspuren am Sonntagnachmittag sehr gelassen. Hoffentlich auch die Badewannenreinigung am Montag. Das ganze Hotel schien ja voll mit diesen Schlammgeschöpfen.
Vorher im Umkleideschober:

Das Rennen selber war noch lustiger als im vorigen Jahr. F. wartete dieses Mal nicht auf mich, sondern ging als 30. Frau ins Ziel, sie hatte also etwa so viele vor sich, wie Pinguin Kathrin und ich hinter uns. Hübsch war der Eisgang, was am Vorabend noch wie eine hauchdünne Schicht ausgesehen hatte, war am Sonntag zu ca. 3 Zentimern herangewachsen, die ersten Läufer mussten erst das Eis brechen, um durch die Gräben zu kommen, ich hatte nur viel verkratzere Beine von den Schollen.
Pinguin wärmt sich auf:

Dieses Mal waren alles Hindernisse offen, ich ließ trotzdem eines aus, aus einer Mischung aus Dusseligkeit und Feigheit, ich trabte den anderen hinterher und merkte erst einige Schlammlöcher weiter, dass ich zu The Dragon Pools hätte abbiegen müssen. Dafür sprang ich aber tapfer vom Dreimeterbalken ins Eiswasser - nach einer Minute Haderns oben. Dachte dann: “Wenn ich jetzt nicht springe, muss ich nächstes Jahr wieder mitmachen”, und es war viel weniger schlimm, als ich dachte. Nur meine orange Perücke muss ich dort verloren haben.
Nachher im Heißgetränkebereich:

Fazit: Noch mehr angehabt als im Vorjahr, und wieder war es nicht zu viel. Unbedingt immer im Kostüm antreten. Nächstes Jahr spielen wir wieder mit. Insgesamt muss aber die Teilnahme von Leuten wie mir ein Schlag ins Gesicht derer sein, die zu Hause erzählen, sie hätten am “härtesten Rennen der Welt” teilgenommen. Sorry, Jungs. Mit der Äußerung “ich laufe nie” ließ sich an der Hotelbar am Vorabend auch nicht recht punkten.
Zweieinhalb Tage blieben dann noch für eine kleine Walesbesichtigung, wir versuchten einen Berg zu besteigen, der sowieso schon zu 80% aus Wasser bestand - bei Schneeschmelze und Wolkenbruch. Und alles ohne Boot! Nachteil an Tough Guy Race wie an Bergsteigen bleibt doch, dass man es nicht im Sitzen machen kann.
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