Verlag sagt sowas wie “irgendein Passfoto genügt” – welch Ignoranz der menschlichen Eitelkeit!Ich habe es aber gehalten, wie es Chuck Pahlaniuk in seinen “13 Writing Tips” empfiehlt: In jungen Jahren schon mal fotografieren lassen. Damals wollte ich mich, glaube ich, beim städtischen Bauamt bewerben. Also rufe ich Herrn Schafgans an. Herr Schafgans ist Anfang 80, und wer sich in Bonn woanders fotografieren lässt, ist selber schuld. Natürlich findet er die Negative sofort. “2003, nicht 2004″, berichtigt er mich. Die Kontaktabzüge von damals habe ich nicht mehr, die sind nach und nach zu Passfotos geworden. Also hin. Kafka ist tot, erinnere ich mich, als ich in den Laden komme. So ruhig hier. Früher kam erst Kafka, bell, bell, dann erstmal nichts, dann Herr Schafgans oder eine seiner Assistentinnen. Hinten im Studio ist alles wie immer, nur die Mitarbeiterin sitzt jetzt an einem iMac. Die Negative liegen bereit, die Mitarbeiterin, die Herrn Schafgans “Scheff” nennt und “Du”, scannt ein, dreht um, wir einigen uns auf zwei zur Auswahl. Ich will ein Foto ohne Hände. So viele Autorenfotos von Isolde Ohlbaum gesehen, dass ich mich auf keinen Fall mit Hand im Gesicht erwischen lassen will. Freitag sind Abzüge und Scans fertig, wenn es eilig gewesen wäre, wäre sicher auch morgen möglich gewesen. “Da wären doch mal Neue fällig”, sagt Herr Schafgans, das finde ich ungalant, aber bestimmt hat er Recht.Mein letzter Abzug verschwand mit meinem Personalausweis, den ich mit Brieftasche drumrum 2006 auf einer französischen Raststätte liegen ließ. Ein paar Monate zuvor hatte ich mir noch die Schafgans-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum angeschaut und mich an dem Original in meiner Tasche gefreut. Jahrgang 1927, ich sollte doch bald wieder welche machen lassen. Falls ich mit 50 nochmal eines brauche.
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