Archiv für September 2010


Tschick, kaufen!

14. September 2010 - 13:17 Uhr

Update: Buch angekommen. Nun weiß ich auch endlich, was es mit diesem Herrn K. auf sich hat. Etwas früher zum Ohrenabsaugarzt (Eskimotierwasserschaden) aufgebrochen, wg. Lesezeit im Wartezimmer.

Ich las eine (Achtung, pdf) Leseprobe. Anständige Polizisten, jugendliches Blut, leutseliger Chirurg, Alter Finne. Zwei Früchtchen wollen in die Walachei.

Bestellt habe ich es schon vor ein paar Wochen, erscheinen soll es am Freitag, haben möchte ich es lieber sofort:

Tschick von Wolfgang Herrndorf.

tschick.jpg

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Wege zu mir

8. September 2010 - 11:32 Uhr

wie mobbe ich meine obermieter aus dem haus (Google)

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Deutscher Buchpreis 2010 – Shortlist

8. September 2010 - 10:25 Uhr

Soso.

Ich muss also umplanen.

Mosebachs Laubmetapherngestöber lege ich vorerst weg, der Pilotenfamilienroman von Andreas Schäfer muss warten. Köhlmeier und Harataschwili war Zugabe. Denn auf die Shortlist schafften es

• Jan Faktor, Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag

• Thomas Lehr, September. Fata Morgana

• Melinda Nadj Abonji, Tauben fliegen auf

• Doron Rabinovici, Andernorts

• Peter Wawerzinek, Rabenliebe

• Judith Zander, Dinge, die wir heute sagten

Vielleicht gebe ich einfach auf. Von denen habe ich keines. Andererseits bin ich Judith Zander die Besprechung des Klagenfurttextes schuldig geblieben, und das lag nicht am Text, sondern an Klagenfurt.

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Buchpreis 2010 – “Juja” von Haratischwili, “Madalyn” von Köhlmeier

2. September 2010 - 08:41 Uhr

Michael Köhlmeier:

Nino Haratischwili

Ich las am Dienstag kurz vorm Einschlafen die Leseprobe von “Juja” und wusste am nächsten Tag nichts mehr davon. Brachte stattdessen gestern mittag “Madalyn” von Köhlmeier zuende. Von Köhlmeier kannte ich bis dahin “Spielplatz der Helden” und das mit dem Hund. Es ist etwas seltsam mit Köhlmeier und mir. Vorherrschendes Gefühl beim Lesen: Sympathie für den Autor. Jaja, es ist zu unterscheiden zwischen dem Erzähler und dem Autor, auch wenn der Erzähler immer Autor ist und immer “ich” heißt.

Der Madalyn-Erzähler ist nicht Köhlmeier, bzw. weniger Köhlmeier als der “Spielplatz der Helden”-Erzähler und der (genau, nachgeschaut:) “Idylle mit ertrinkendem Hund”-Erzähler. Da ist immer so ein milder Blick auf die Figuren, eine Milde, die sich ein Autor nicht ausdenken kann für seine Helden, wenn er sie nicht selber hat. Alle Geschichten sind gleich groß, und immer geht es um Leben und Tod. Egal, wie groß die Geschichte tatsächlich ist. Durchquerung des grönländischen Inlandeises (Kälte, Erschöpfung, Hunger, Hass), Weiterleben nach dem Tod der Tochter (Paula Köhlmeier), ja klar: Leben und Tod. Und Liebeskummer einer 14-Jährigen ist für die Vierzehnjährige auch eine Frage von Leben und Tod. Beim Lesen schon überlegt, ob “Madalyn” ein kleines Buch ist mit einer kleinen Geschichte. Aber darauf kommt es nicht an. Was ich schon bei “Spielplatz der Helden” mochte: Wie selbstbewusst der Erzähler (in allen drei Büchern von Beruf Autor) das erzählt, was er sich doch nur zusammenreimen kann. Viel mehr, flüssiger, detaillierter und distanzierter erzählt er, als der Erzähler beim Mittagessen von Madalyn erfahren haben kann. Und in “Spielplatz der Helden” mehr, als er von Robert Peroni erfahren haben kann. Und gibt dabei in der Sprache gerade so viel Backfischsprache oder so viel Grönlandeisdurchquerersprache zu, dass der Leser mit der Figur geht. Ein guter Erzähler.

Nino Haratischwili also. Eine junge Autorin aus Georgien, da bin ich voreingenommen, denn alle Georgierinnen, die ich bisher getroffen habe, waren höchst erfreuliche Wesen. Ich habe das Buch nach der Leserprobe etwas vorschnell in “nicht 1. Person” gepackt. Inzwischen weiß ich, dass das Buch neun Erzählerinnen hat, von denen eine “ich” ist. Die Probe beginnt mit einem Zitat, ich vermute (ich habe mich informiert) aus dem Buch, das Teil der Geschichte ist. Die Autorin nennt es “Eiszeit” von Jeanne Saré (oder auch nicht). Tatsächlich heißt es “Arsenikblüten” und soll von Dannielle Sarréra stammen. Oder auch nicht. Sekundärwissen. Klarer Fall von: Man müsste das ganze Buch lesen. Jaja, das gilt für alle, eventuell. Aber für manche mehr, für manche weniger. Weniger möglicherweise (für mich persönlich) für das Buch von Thomas Hettche “Die Liebe der Väter”.

In dem Ausschnitt geht eine 17-jährige (Saré), die die Erzählerin (die aktuelle Erzählerin) sich vorstellt (lange Haare? kurze Haare?) durch Paris, haut sich absichtlich die Nase an einer Schaufensterscheibe und lässt sich dann von einer anderen jungen Frau (Fanny) ins Café einladen. Ob es Saré je gegeben hat, wer weiß. Gibt es Fanny? Das Buch “Eiszeit” gibt es, das ist sicher. Kleine Ungenauigkeit: “Auf der Schachtel war ein Werbebild für ein Hotel irgendwo in der Provence”. Wie erkennt man auf einer Streichholzschachtel, dass ein abgebildetes Hotel “irgendwo in der Provence” liegt? Würde man nicht, wenn man überhaupt etwas erkennen könnte, die Stadt lesen können? Oder den Namen? Und würde man dann nicht genau das vorstellen? “ein Hotel in Aix-en-Provence” zum Beispiel? Aber egal, denn das ist mit der Erzählweise erklärbar: Schließlich nichts Genaues weiß man nicht. Wäre komisch, wenn die Erzählerin, wo sie schon die Frisur von Saré erfinden muss, den Namen des Hotels lesen könnte. Im Café redet Saré über Niobe, Apollon und Artemis… Ich wittere schon mythologische Überfrachtung.

Eventuell kaufe ich das Buch. Ich bin interessiert. Haufenweise Erzählerinnen, das ist schon mal was Anderes, außerdem mag ich es, wenn wahre Geschichten versteckt sind. Thema ist Wahrheit, Lüge, erzählerische Freiheit. Behaupte ich. Und natürlich Frauendinge. Und Selbstmord.

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