Archiv für 28. October 2010


Frage 21: Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

28. October 2010 - 10:45 Uhr

Es gab sicher blödere (“Der gute Mensch von Sezuan” hat mich z.B. wegen seiner Plumpheit geärgert), ich verdrehe einfach die Frage und frage: Gegen welches Buch, das Du als Schullektüre gelesen hast, hattest Du den größten Widerwillen? Und muss sagen: Das war “Der Fänger im Roggen” in der Übersetzung von Heinrich Böll. Neunte Klasse wohl, der Deutschlehrer ein tumber Tor, mit dem ich diskutieren wollte, warum wir im Deutschunterricht eine Übersetzung lesen, wenn nicht die Übersetzung selber das Thema ist. Ob es denn keine deutschen Bücher gebe und man die englischen dem Englischunterricht überlassen könne.

Ich hatte mir bis dahin sehr wenig Gedanken über Übersetzungen gemacht, wer bitte hatte Hanni und Nanni übersetzt? Völlig egal. Die Übersetzung spielte nur bei Micky Maus usw. eine Rolle, und Erika Fuchs war Gott. Jetzt war “Der Fänger im Roggen” aber nicht von irgendeinem unbekannten Übersetzerprofi übersetzt worden, das hätte ich noch eher akzeptieren können, sondern von Heinrich Böll. Von dem hatte ich “Haus ohne Hüter” und (wegen Bonn) das Ding mit dem Clown gelesen, ohne es schlimm zu finden. Aber gerade weil er selber Schriftsteller war, traute ich ihm als Übersetzer nicht über den Weg, sondern verdächtigte ihn, aus Salingers Buch sein eigenes gemacht zu haben.

Und wenn schon, dann wollte ich doch Salingers Buch lesen. Aber nicht auf Englisch (zu mühsam und fehleranfällig), sondern in einer gescheiten demütigen Übersetzung von einem professionellen Übersetzer.  Ich kann mich übrigens kaum daran erinnern, was in dem Buch stand. Nicht abgespeichert wohl, weil ich beim Lesen die ganze Zeit vermutete, den falschen Fänger im Roggen zu lesen.

(Bei Wikipedia die unübersichtliche Geschichte der Böll-Übersetzung).

1 Kommentar » | Buch und Text