Archiv für October 2010


Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)

7. October 2010 - 18:52 Uhr

Im September 2001 veruteilte das Landgericht Bonn eine 38-jährige Frau zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Sie hatte ihre zehnjährige Tochter mit einem Kabel verprügelt, “regelrecht ausgepeitscht”, wie das Gericht im Urteil feststellte. Das Mädchen hatte seiner Tante 20 Mark gestohlen. Nach den Schlägen ging das Kind in sein Zimmer, schrieb einen Abschiedsbrief, den sie mit “Diebin” unterschrieb und erhängte sich.

Das Mädchen hatte einen drei Monate alten Bruder und zwei große Schwestern. Die Mutter hatte ihre Kinder nie zuvor geschlagen. Die Familie war aus dem ehemaligen Jugoslawien eingewandert aber gut integriert, offen, modern. Erst nach der Geburt des kleinen Jungen hatte die Mutter sich zurückgezogen, auch nicht mehr mit der Sozialarbeiterin sprechen wollen, die die Familie betreute. Im Prozess weinte sie meistens leise vor sich hin. Vor dem Saal spielte der kleine Junge, inzwischen eineinhalb, beaufsichtigt von seinen älteren Schwestern.

In zwei Prozessen war niemand darauf gekommen, die Angeklagte psychiatrisch begutachten zu lassen.

Kurz zuvor hatte ich gelesen: Renate Dorrestein, “Herz aus Stein”. Eine Frau versucht zu verstehen, warum ihre Mutter vor Jahren fast ihre gesamte Familie und sich selbst umgebracht hat, und warum sie selber übrig blieb. Ein Buch, das mir sehr interessante Einsichten über postpartale Depressionen verschaffte und bei dessen Lektüre ich die ganze Zeit geweint habe.

Nach der Beweisaufnahme lief ich dem Verteidiger hinterher: Ob nie jemand an eine Wochenbettdepression gedacht hätte. Man kann auch nach den Plädoyers die Beweisaufnahme wieder eröffnen. Hätte können. Wenigstens erwähnte er noch im Plädoyer, dass man hier “sogar an eine Wochenbettdepression denken” könne.

Kein schlechtes Buch wahrscheinlich. In den Büchern von Renate Dorrestein tun ganz normale Menschen Dinge, bei denen man sich fragt, wie man danach weiterleben kann. Schuld. Schweigen. Schicksal. Ich glaube, das sind keine schlechten Bücher. Aber ich tue sie mir nicht mehr an.

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Tag 5 – Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest

6. October 2010 - 07:49 Uhr

(  )  Sie werden lachen: Die Bibel.

(  )  Keins.

(   )  700 rivières de france

(Mehrmals und noch nicht zum letzten Mal gelesen: Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl.)

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Tag 4 – Dein Hassbuch

5. October 2010 - 15:39 Uhr

Ich bin nicht gut im Hassen. Und das Schöne an Büchern ist ja, dass sie nicht weiter lästig fallen, wenn man sie einfach ignoriert.

Aber was mich wirklich trifft, das ist, wenn Autoren nach (oder zwischen) guten Büchern schlechte verfassen. Wenn ich etwas gut finden will, aber das beim besten Willen nicht hinkriege. Beispiel: Jonathan Franzen, Eine Geschichte von mir. Ich muss mich nicht mit schlechten Autoren befassen, ich ärgere mich auch nicht über schlechte Autoren. Aber schlechte Bücher von guten Autoren enttäuschen mich und stellen mein Urteilsvermögen in Frage.

(Jetzt aber weiter mit Franzens “Freiheit”)

Apropos Buch. Morgen und übermorgen Buchmesse. Nicht, dass ich da was zu suchen hätte, was sollte man da auch finden? Man kann ja nicht einmal Bücher kaufen dort. Ich werde also mein kleines Bachmannbuch besuchen am großen Heyne-Stand, morgen Abend Partypupsen als Begleiterin von Frau Passig und nette Leute an Kaffeebars treffen und wieder staunend durch das Skurrilitätenkabinett der winzigen Esoterik- und Seltsame-Religionen-Stände gehen.

Wenn noch jemand Lust auf eine Kaffeeverabredung hat: Bitte melden.

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Tag 3 – Dein Lieblingsbuch

4. October 2010 - 22:59 Uhr

Beantworte ich nicht.

Lieblingsbuch, das ist so “Möwe Jonathan” oder “Der kleine Prinz”. Das ist – mit anderen Worten – so 1985.

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Tag 2 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst

2. October 2010 - 20:24 Uhr

Hier scharren mit den Hufen:

Tom Rachman: Die Unperfekten, wenn es nach Franzen eine weitere Schwarte sein muss.

Rainald Goetz: Abfall für alle: Roman eines Jahres (suhrkamp taschenbuch), wenn es wieder nur für Häppchen reicht.

Wolfgang Hegewald: Fegefeuernachmittag: Mein Leben. Von ihm selbst erzählt. Kolportageroman, ohne große Erwartungen außer: Dort Literaturbetriebsquatsch zu finden. Der Vollständigkeit halber.

Und weitere Kandidaten.

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Tag 1: Welches Buch liest Du gerade?

1. October 2010 - 10:37 Uhr

Freiheit von Jonathan Franzen

Ich bin im dritten Teil angelangt, in dem erzählt wird, wie es Richard Katz weiter ergangen ist, dem besten Freund von Walter Berglund, nachdem er mit Patty Berglund … darauf einen mainstreamigen erfolgreichen verliebten Song geschrieben hat, aber dann … (nicht zu viel verraten). Sein Lieblingsautor ist zur Zeit Thomas Bernhard.

Es geht um die mittelmoderne Familie Berglund, bisher insbesondere um Patty Berglund. Im ersten Teil wird aus der Sicht eines Beobachters aus der Nachbarschaft erzählt, Besichtigung der Familie Berglund von außen. Umfasst den Zeitraum, in dem die Familie in St Paul Ramsey Hill lebt. Beschrieben wird unter anderem eine Mutter-Sohn-Symbiose von Winterhoffschen  Ausmaßen (zumindest, was den Mutterpart betrifft) und der Auszug des Sohnes zu den prolligen Nachbarn.

Im zweiten Teil mehrmals sehr gelacht. Titel:

Es wurden Fehler gemacht
Patty Berglunds Autobiographie
von Patty Berglund
(verfasst auf Vorschlag ihres Therapeuten)

Schönster Satz bisher: Die Autobiographin ist der Meinung, dass Joyce für die Mutterrolle emotional noch nicht reif genug war, als sie ihr erstes Kind bekam, allerdings sollte die Autobiographin selbst in dieser Hinsicht wohl besser keine Steine werfen.

Die Autobiographiesprache ist ein bisschen zu ausgefeilt für diese Patty Berglund, macht aber nichts. Das Joey-Thema lässt Patty fast vollständig aus. Derartige auffällige Auslassungen machen neben den subtilen Anzeichen für Pattys Versagen in vielerlei Hinsicht  den Reiz dieses Abschnittes aus.

Jetzt weiterlesen.

 

Morgen:

Tag 2 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst

 

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Bücher, listenweise (via Frau Kaltmamsell)

1. October 2010 - 07:29 Uhr

Blogerleichterung bei Frau Kaltmamsell: 31 Buchfragen. Ich mache mit.

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