Archiv für May 2011


Die Kandidaten: Leif Randt

31. May 2011 - 09:05 Uhr

Nachtrag: Und hier im Video.

Zaghafter Beginn der Kandidatenvorstellung. Der erste, der mir über den Weg läuft, ist Leif Randt, “Mein Buch ist aus Versehen politisch” heißt die Überschrift des Interviews in der Zeit:

Auf die Frage, was junge deutsche Literatur sei: Oft Beziehungsgeschichten, die in jungen, akademischen Milieus stattfinden, in Großstädten, in WG-Küchen, in denen die Morgensonne in einem bestimmten Winkel hereinfällt, während der Kaffee gekocht wird. Und es gibt ziemlich abgründige Emotionen, die oft mit der Familie zu tun haben. Man ist sehr medienerfahren, die Figuren haben viele Serien und Filme gesehen, es herrscht eine Grundabgeklärtheit. Die Konflikte sind unausgesprochen und schweben. Die Dinge werden nicht beim Namen genannt, sondern durch die genaue Beschreibung der Sonne auf dem Küchentisch ausgedrückt. Das kann oft ganz schlimm sein, manchmal aber auch gut.

Der Name ist mir bekannt, aber ich weiß nicht woher. Sein erster Roman heißt “Leuchtspielhaus”, es gibt ihn als eBook/Kindle, das heißt, man kann sich die ersten 10% des Buches als Leseprobe kostenlos herunterladen. Auch wenn man kein eBook besitzt sondern sich nur die Kindle-Software auf irgendeines seiner Geräte lädt. Wahrscheinlich geht’s auch anders.

Erster Satz (Kapitelüberschrift “FLYBOYS>>”): “In keinem englischen Februar gab es häufiger Bodenfrost, diverse rote Steinfassaden sind von dünnem Eis überzogen.” Klassischer Einstieg also: Location und Wetter.  Ich-Perspektive. Es geht um den seltsamen Frisiersalon von Eric und Helen, eine Art Verein, dessen “Members” jeden Monat eine andere Frisur tragen (“Unsere Januar-Frisur steht ihm sehr.”). Weiteres verbindendes Element sind “die Bea-Skizzen”, zum Beispiel in der Russian Bar “auf dem Mädchenklo”. Man verständigt sich über “Member-Mobilfunk-Verteiler” per “Ketten-SMS” – drollig. Und über einen “Bea-Piratensender”. Es werden noch Videokassetten verschickt! Stammt die Geschichte aus dem vorigen Jahrtausend? Nein, das gehört zum Konzept: Austritt bei Facebook ist quasi Voraussetzung für den Frisiersalon-Eintritt. Man macht was mit Film, geht in hippe Bars und kommt aus Hessen. Namen: Helen, Anvar, Nora, Robert, Den Rest des Buches werde ich nicht kaufen. Ich bin zu alt.

Das neue Buch, erfahre ich aus dem ZEIT-Interview, spielt in einer fiktiven Stadt am Meer (wieder England?) und handelt, nun ja. Leif Randt: “Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive erzählt, von Wim Endersson, einem erfolgreichen jungen Literaturagenten, der an der School of Arts and Economics studiert und CobyCounty noch nie für längere Zeit verlassen hat.” Und von seinen Eltern, Schriftstellern und Erlebnisgastronomen oder so. Mir schwant.

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Tatort: Ausgelöscht (ORF)

29. May 2011 - 19:21 Uhr

Ich steige heute mit Athmo ein: Ich sitze auf unserem neuen sehr grünen sehr bequemen Sofa (Magazin), habe die Auswahl zwischen grauem, blauem und rotem Kissen, Sonne scheint ins Zimmer, ich musste mich von der rechten in die linke Ecke setzen, damit es nicht spiegelt auf dem Fernseher. Der ist von Philips und steht im Regal. Wenn ich die Füße auf den Boden stelle, stehen sie auf einem grünen Kunstrasenteppich, Teppichauswahl aus Liebe, passt zum Sofa und alle lachen, wenn sie’s sehen.

Wir wohnen einem Juwelenraub bei: Nachts rückwärst ins Schaufenster, dann Auslage abräumen und wieder los. Weiterlesen »

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Adventszeit

25. May 2011 - 10:03 Uhr

Es geht wieder los: Gestern abend wurden die Bachmannpreiskandidaten 2011 vorgestellt.

Die Autoren leben in Berlin, Zürich, Berlin, Köln, Klagenfurt, Berlin, Berlin, Berlin, Wien, Berlin, Berlin, Heidelberg, Berlin, Wien.

Alle Autoren leben vom Schreiben: Journalismus, Theater, Drehbuch, Stipendien und Förderpreise.

Multiple Wohnorte sind ebenso aus der Mode wie die Angabe seltsamer Jobs in der Biographie (Ausnahme: “Barkeeper und Skipper”) – man scheut wohl die Minuspunkte der Automatischen Literaturkritik. Aber lasst euch gesagt sein: Verschwiegenes Studium am Literaturinstitut decken wir auf.

Drei Autoren geben weder Preis noch Stipendium an, auf die anderen 11 Kandidaten verteilen sich (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

  • Stipendium der FAZIT-Stiftung
  • Alfred-Döblin-Stipendium 2009
  • Stipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen 2009
  • Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln
  • Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin
  • Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW
  • Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Edenkoben
  • Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Schreyahn
  • Heinrich-Heine-Stipendium der Stadt Lüneburg
  • Inselschreiber auf Sylt
  • Hubert-Burda Preis für Lyrik 2004.
  • Österreichisches Staatsstipendium für Literatur 2006/2007
  • Projektstipendium für Literatur (A)
  • Staatsstipendium für Literatur (A)
  • Nicolas-Born-FörderpreisRauriser Literaturpreis
  • Kranichsteiner Förderpreis
  • Heimrad Bäcker Förderpreis
  • Nominierung zum Deutschen Buchpreis
  • Rauriser Literaturpreis
  • Leonce und Lena Preis
  • Arbeitsstipendium des Berliner Senats
  • Rauriser Literaturpreis 2009.
  • MiA-Award 2009 (A)
  • Projektstipendium des BKA 2009 (A)
  • Nominiert für den Adalbert-von-Chamisso-Preis 2009
  • Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien 2010.
  • Projektstipendium des BKA 2010/2011 (A)
  • Nachwuchsautorenpreis des KulturSPIEGEL
  • MDR-Literaturpreis
  • Nicolas-Born-Debütpreis
  • Ben Witter-Preis der ZEIT
  • Zürcher Journalistenpreis
  • Deutscher Krimi Preis
  • Friedrich-Glauser-Preis
  • Literaturwettbewerb des Verlags Schwartzkopff Buchwerke
  • Stipendium des Landes Thüringen
  • Arbeitsstipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg
  • Werkstattstipendium der Jürgen Ponto-Stiftung in Edenkoben
  • Stipendium Prosawerkstatt des LCB
  • Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
  • Österreichische Staatsstipendium für Literatur

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Polizeiruf: “… und raus bist du” (RBB)

22. May 2011 - 19:21 Uhr

Alles neu macht der Mai.

Der Chor probt bis zur Sommerpause ohne mich, denn zur Zeit der kommenden Konzerte bin ich in Klagenfurt. Lümmle mich auf dem nagelneuen grasgrünen Sofa, darunter ein Grasteppich (auf Wunsch einer Dame), gerade rechtzeitig das Kind ins Bett geschickt nach einem knappen Kapitel “Das doppelte Lottchen” (“maliziöses Lächeln”, sowas hat man ja selten in Kinderbüchern), und schon fängt der Polizeiruf aus Rostock an. Ein kaputtes Auto und zwei Männer, die sich zanken. Weiterlesen »

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Vorausgeworfene Schatten

17. May 2011 - 11:05 Uhr

Bachmannpreis 2011 wirft seine Schatten voraus: Im Musilhaus wurden die Teilnehmer des Klagenfurter Literaturkurses bekanntgegeben. Ich freue mich, dass Martin Fritz dabei ist, der im vorigen Jahr von dort für den Standard fm4 gebloggt hat und mir als Zuschauerin des Open Mike 2009 mit einer Eichhörnchengeschichte eine große Freude gemacht hat. Eichhörnchen und Autor sind im Bachmannpreisbuch erwähnt. Die Wettbewerbsteilnehmer werden am 24. Mai bekanntgegeben.

Der letzte Blogeintrag stammt von Anfang Februar. Was seitdem geschah: Weiterlesen »

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