Polizeiruf 110: “Die verlorene Tochter”

Waldkindergarten oder normaler Spielplatzbesuch? Die kleine Michelle, roter Mantel, Gummistiefel, folgt einem Igel. Dann ist sie verschwunden.

Wo kommt dieser Polizeiruf her? Neue Kommissarin in Brandenburg? Sie besucht eine Zelle, Staffelei, Kunst, Schränke voll. Wo ist der Insasse? Vom Freigang nicht zurückgekehrt. Die Kommissarin ist eitel, sie setzt die Brille nur auf, wenn es nötig ist und verwackelt dann schwer beim Blick-über-Bücherrücken-schweifenlassen. Komische Kameraführung bisher: Wackelkamera, Ruckelzoom. Sorry, Dogma hin oder her: Stativ oder Schulterstütze wäre schön. Das ist ja fast, als hätte ich das gedreht.

(Ich habe dieses Wochenende viel über Fehler beim Filmen gelernt, als ich meine gesammelten Videoclips neu sortiert habe. Seufz.)

“Bleiben Sie doch mal ruhig”, sagt der Polizist auf der Wache, und ich hoffe, er meint den Kameramann. Der dicke Kamerad von Frau Herz ist schon im Wald und sucht das Hagebuttenkind.

Ein entlaufener Freigänger, ein verlorenes Kind und eine neue Kommissarin (Olga Lenski), die die Wohnungstür der Schwester des Entlaufenen mit dem Personalausweis öffnet. Ist das verschwundene Kind die Nichte? Der Kollege in Brandenburg ist auch dick und hat offenbar Kinder, die zu Hause alleine sind, wenn er nicht rechtzeitig kommt.

So. Wieder da. Musste mal eben. Ach, egal. Der Herr Atomphysikprofessor wird geehrt, seine (spanische? südamerikanische?) Frau ist nur mittelbegeistert, denn seit einiger Zeit ist die Tochter verschwunden. Der Professor hat sie aufgegeben, spielt traurige Musik auf der Querflöte, dann wird ihm ein Stein durchs Fenster vor die Füße geworfen. Durchs geschlossene Fenster.

Felix, der Entflohene, hat irgendwas erfunden, dann einen Polizisten überfahren. Meldet sich beim Arbeitgeber (ist das dasselbe Institut?), will “meine Zeichnung zurück”.

Die Schwester ist gar nicht die Mutter von Michelle, schneidet sich aber auf die Nachricht, das Kind sei Verschwunden, die Pulsadern auf, an ihrem Arbeitsplatz im Stadtrandhotel. Das Kind lebt als Tochter bei ihr, ist aber die Tochter von Felix. Und wer ist die Mutter?

Kind könnte also beim Vater sein. Ich vermute mal, dass das nicht der Mordfall ist. Sondern der eigentliche Fall noch passiert oder der mit der verschwundenen Professorentochter ist. Die könnte ja identisch sein mit der kleinen Michelle.

Felix befindet sich in der Wohnung des Mitarbeiters, von dem er die Zeichnung zurückhaben wollte. Kommissarin und der Landpolizist Krause schauen da vorbei, weil der Kollege da angerufen hatte. Woher weiß die denn, dass der Nichtraucher ist? Ach ja. Erwähnte die Assistentin, als sie ihn am Arbeitsplatz besuchte. Dass er doch wieder anfange solle zu rauchen. Kommissarin stürzt zurück in die Wohnung und findet den Mann tot. Da steht ein Spiegelteleskop im Wohnzimmer, das ist doch Kinderkram. Hat doch ein ernsthafter Astrophysiker nicht zu Hause stehen, höchstens für die Kinder. Ganz bekannter Schauspieler, so bekannt, dass mir der Name nicht einfällt.

Und wieder diese Wackelkamera.

Die junge Kommissarin macht auch gerne Fotos mit einer Digiknipse, zum Beispiel das Bildschirmbild mit dieser Zeichnung. Irgendwas mit einer Blende. Felix Diest ist verschwunden, was sind das eigentlich für Polizisten, die, obwohl sie doch wissen, dass der Mörder noch im Haus sein muss, sich einfach neben die Leiche setzen und auf die SpuSi warten.

Ach ja, das Boot, ich vergaß.

Mit dem Boot, ein kleines Segelboot mit Motor, taucht nun Felix des Nachts beim Herrn Professor auf. Will “das halbe Preisgeld und die ganze Wahrheit”. Winkt mit seinen Zeichnungen. “Oder wollen Sie, dass Ihre Frau sich ewig die Augen aus dem Kopf heult”. Sowas wie HÄ? macht da der Professor. “morgen um 12, keine Polizei”.

Der Stadtkollege ist alleinerziehend.

Der Landkollege muss sich um den Hund kümmern.

Noch ein bekannter Schauspieler, der Professor, übrigens. So bekannt, dass… Aber ich kann ja nachschauen.

Burghart Klaußner der eine, Rüdiger Vogler der andere, der Tote.

Privat fährt Frau Kommissarin einen schwarzen VW-Camper und singt “Bunt sind schon die Wälder” auf Englisch, als sie zum See fährt. Kann aber auch sein, dass ich irgendwelche Blonden miteinander verwechsle.

Mh, hat da der Drehbuchautor überlegt, wie bringen wir nur den Polizisten auf das Boot, wie machen wir’s bloß? Ha! Genial! Wir hängen ein naives Bild von dem Boot über den Esstisch der Schwester! und die plaudert gleich: Liegt bei Caputh an der Havel. Und los muss er, der Polizist Krause. Die Frau Diest ist noch total beduselt, hat sich frühzeitig aus dem Krankenhaus entlassen und redet wie betrunken. “Denken Sie an das Kind!” schreit Krause sie an, sie würde sich gerne richtig umbringen, sagt sie.

Nicht umgebracht worden, sondern zu Tode erschreckt. ??? “Optisches Institut”?

Frau Professor kommt auf die Wache. Russin. Erzählt, dass ihn gestern ein Mann angerufen hat und weiß, “wo meine Tochter ist”.

Marie Oppmann, seit fünf Jahren vermisst. Könnte das Michelle Diest sein? Ist die überhaupt schon fünf? Wieso fragen die nicht, ob das Kind eine Mutter hat? Oder habe ich das verpasst? Was arbeiten die da eigentlich.

Frau Kommissarin Lenski stellt sich nun endlich der Mannschaft vor, Wiesbaden, Amsterdam, und nun will se “nach Hause”. Jetzt ist sie etwas fassungslos, denn das Kind gibt es gar nicht, offiziell. Kann ja auch nicht, ist ja anderswo als verschwunden existent.

Haben so ein tolles “Oppmann-Teleskop” entwickelt. Haha. Ist bestimmt das, was beim toten Kollegen im Wohnzimmer steht. “Mit unserem Teleskop können wir das Licht einer Supernova speichern und zerlegen.” Min Kai Phan Ti spielt auch mit, aber ich habe sie noch nicht entdeckt.

Da kommt sie schon. Die Assistentin. Und Geliebte? “Werner Linsing lebt nicht mehr”, sagt Lenski, und Min Kai sagt: “Das ist mehr als bedauerlich”. Wer schreibt solche Sätze in ein Drehbuch?

Warum wurde Diest entlassen? “Es gibt eben Menschen, die können keine Hierarchien akzeptieren”, sagt Min Kai. Noch so ein Satz. Und Oppmann: “Aus Bescheidenheit wurde Größenwahn. Er glaubte, was Besonderes zu sein, dabei hat er nur seine Arbeit gemacht.” Min Kai lacht überheblich. Was für eine scheiß Rolle. Sie hat doch auch schon gut gespielt in Tatorten. “Du hast dich total verändert, Ulrich, ich erkenne dich manchmal nicht mehr wieder. Du lebst eben mit der falschen Frau zusammen.” Ächz. “Ideen gibt es viele, es kommt doch darauf an, was man daraus macht.” Aber (Oppmann): “Es geht auch noch um was Anderes.” Was er offenbar nicht sagen will.

War das Kind geklaut? Gekauft? Illegale Leihmutterschaft von Anne Diest? Ist ja Blonder als Frau Oppmann, die kleine Mischell.

Der Professor fährt Jaguar, hat wohl schon mehr Preise gewonnen.

Ganz einfache Geschichte: Diest hat nach seiner Entlassung eher spontan. das Baby entführt, bei der Schwester abgeladen, dann in einer Polizeikontrolle die Nerven verloren und einen Polizisten überfahren, seitdem war das Kind bei Anne Diest.

Auch ein paar schlechte Schnitte, nur so nebenbei. Wir haben jetzt noch volle zehn Minuten für einen schönen Showdown. Eigentlich ein bisschen viel. Hinten geht Diest in die Villa, vorne klingelt’s, von oben geht Frau Oppmann nach unten. Übern See kommt Krause mit der WaPo, über die Straße Frau Lenski mit Anne und Oppmann. Also alle Beteiligten versammelt, fehlt nur noch Min Kai.

Messer werden an Hälse gehalten werden,

(schon dabei),

Schüsse werden fallen,

ein Kind in einem roten Mantel wird effektvoll die Szenerie betreten,

zwei Mütter werden ein Kind aus einem Kreidekreis zu zerren versuchen.

Wie es wirklich ist: Guckt doch selber, ich habe meine Job hier gemacht.

(Ah, da kommt Min Kai, da kommt Krause, und Oppmann hat geahnt, dass er das Kind hatte und nix gesagt wegen des Nobelpreises und des Oppmann-Teleskops. Ruhm wichtiger als Kind.)

AAARGH. Der Verhaftete, nur mit Handschellen, fährt allein mit der Kommissarin nach Hause. Passiert zwar nix, aber wer macht denn sowas?

Kategorie: Tatort 4 Kommentare »

4 Reaktionen zu “Polizeiruf 110: “Die verlorene Tochter””

  1. Carlo

    etwas befangen-verstellter blick hier. einfach mal einlassen können auf den besten p110 seit sehr langem hätte ich hier lieber gelesen.

    ick fand ihn jedenfalls äußerst jut. göttliche besetzung. völlig okayer plot.

  2. Daniol

    Jaja, die Handschellen, auch noch vor dem Bauch, aber sie hat wohl Menschenkenntnis, die neue Kommissarin, sonst wäre sie jetzt tot und der Bösewicht hätte kehrt und alle platt gemacht. Aber so böse war er ja gar nicht, nur irgendwie enttäuscht.
    Professor und Assistentin hätten sicher besser funktioniert, wenn die Gesichter nicht so bekannt gewesen wären. MKPT hätte man inklusive ihrer Affärenfunktion durch die leicht dominante Instituts-Empfangsdame ersetzen können. Rolle gespart und dem Charakter des Professors etwas leicht abseitiges hinzugefügt…
    Die neue Kommissarin hat was. Dieses Etwas wird ab nun vermutlich weggeschliffen, bis es in die gute Polizeistube passt, die ich mal hafenkantig nennen würde.

  3. sopran

    Daniol, machen Sie sich eigentlich schon warm für Klagenfurt? Ich hoffe, Sie sind wieder dabei!

  4. Daniol

    Bin dabei und ist willkommene Gelegenheit, liegen zu bleiben (die Ärzte nennen es “mobil an 2 UAGS”)… Warm machen? Da muss ich wohl schnell nochmal ein paar Links folgen, wa?


Kommentar schreiben

Kommentar