Abschweif, später geht es hier weiter wie gewohnt.

“Viel gelernt während Klagenfurt. Und auch, dass man Lästern darf, solange man seinen Gegenstand nicht verachtet.”

(Ich schließe mich Frau Ziefle erstens an und empfehle zweitens ihr Denkding und ihr Twitter und alles.)

Ich bin korrumpiert. Es geht nicht mehr. Die Zeit des unbeschwerten Lästerns, sie ist dahin und kehret nimmer zurück.  Ich sitze in der Literaturkurslesung, sie ist nicht besonders gut besucht. Martin Fritz liest einen sehr lustigen Text aus seiner “Enzyklopädie der Tiere”. Ich gehe die Liste der Teilnehmer durch, ein Name kommt mir bekannt vor. Ich google ihn. Die zweite Fundstelle verweist auf eine Schmähung eines seiner Texte, Adresse: sopranisse.de. Eine harmlose Schmähung, die ich auch mit Abstand berechtigt finde. Kein Grund, sie zurückzunehmen. Trotzdem Scham auf meiner Seite. Am Abend stehe ich mit dem Autor im Garten, schöne Gespräche, Restscham. Eigenscham, nicht Fremdscham.

Nicht die Erfolglosen schmähen, nicht die Neulinge, nicht die, die schon am Boden liegen. Nicht ihre Frisuren, nicht ihre Sprachfehler, nicht ihre Nervosität. Texte schmähen, nicht Personen. Sich beim Schreiben fragen, ob man das auch dem Autor ins Gesicht vertreten kann.

Denn ich schreibe es ihm ins Gesicht: Autoren googlen ihren Namen. Autoren lesen Blogs, Twitter, Forenbeiträge. Dass ihre Texte gesnobbt werden, das müssen sie sich gefallen lassen, das gehört zum Job. Nicht zum Job gehört, sich beleidigen zu lassen.

(Na gut, außer, es ist wirklich lustig.)

Ich werfe nur den letzten Stein, man wird hier im Blog problemlos Schmähungen der eben von mir geschmähten Sorte finden. Vielleicht sogar aus diesem Jahr. Es hat ja auch so viel Spaß gemacht.

Man sieht sich zweimal im Leben, nicht immer, aber öfter als gedacht.

Kategorie: Bachmann '11, Bachmann 2.0 5 Kommentare »

5 Reaktionen zu “Abschweif, später geht es hier weiter wie gewohnt.”

  1. Sammelmappe » Blog Archive » Nie vergessen beim Lästern

    [...] Da trifft sie den Kern, die Sopranisse Juli 11th, 2011 in Fundstücke | tags: Bloggen, Feedback, Kritik [...]

  2. Menachem

    “Man sieht sich zweimal im Leben”. Genau! Das ist es. Manchmal treffen verschiedene Gedanken zusammen und ergeben für einen etwas Neues.
    Ich musste jetzt an den kategorischen Imperativ denken, der als Gesetz formuliert wurde. Geht das überhaupt?
    “Man sieht sich zweimal im Leben” – unbestimmt und vage, und dennoch: Wie will man sich dann in die Augen schauen?”

  3. Paperback Fighter

    Respekt, Frau Sopranisse, und Grüße aus dem Off.

  4. sopran

    Danke.

  5. frauziefle

    oh. da ist man mal ein paar tage mit google+ beschäftigt und hat auf dem neuen notebook noch keinen feedreader installiert und dann…
    dankeschön.
    ich stelle meinen roman später allen zur verfügung, über die ich je böses gesagt habe. muss ich den verlag allerdings bitten, eine sonderauflage zu drucken :))


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