Tatort: Hinkebein (WDR)

Schöne Küche, aber Eierlikör im Kühlschrank. Sie aber greift zum Wein, Alkoholproblem.

Da hat sich ein Dreitagebart-Lederjacken-Alter-Bekannter eingeschlichen und hat mit der jungen Frau was zu besprechen.

Ist das dieselbe, die jetzt Börne auf seinen – sorry, aber wie soll man das sonst nennen? – Fotzenbart anspricht. Ist Gesichtsblindheit ansteckend? Zu viel mit Frau Passig unterwegs gewesen? Oder sehen sich blonde Schauspielerinnen heutzutage immer ähnlicher? Oder werden Schauspielerinnen heutzutage immer blonder? Früher bei zwei wichtigen Frauenrollen immer eine dunkel eine blond.

Diese Blonde schickt Börne nach Kaffee (“… Schlückchen Cognac reinmischen”) und klaut ihm einen Schlüssel aus dem Schreibtisch. Dann Sexandeutung und gemeinsamer Gang zum Geldautomaten. Ok, 1000 geht ja noch, da ruiniert sie ihn nicht mit.

(Ich kann’s gar nicht mehr, günstige Fügung, chorfreier Abend plus Münstertatort).

Auf den Plan (Kneipensaal, wo die Blonde putzt und trinkt) tritt nun die Tochter, 15, Sorgerechtsstreit offenbar anhängig, will zum Papa, weil sie’s mit der versoffenen Mutter nicht mehr aushält. “Sag’s doch einfach, dass ich ‘ne versoffene alte Schlampe bin” – dann sagt sie’s, Marie, und zack Ohrfeige, flehende Entschuldigung, “Ich bin doch Deine Mama”. Dialogomat.

Wer ist gleich tot? Blondie?

Orange Straßenfeger, Kinder oder Hundeausführer, das sind die klassischen Leichenauffinder. Hier: Stadtreinigung Münster, Leiche blond und nur mit einem Schlüpfer bekleidet. Thiel spielt Börne: Wirft sich in Dreiteiler und hört Walkürenritt. Irre. Ach nein. Walkürenritt nicht freiwillig sondern durch die schlecht isolierten Wände der Vermieterwohnung.

“Vermutlich Sexualdelikt”. Lederjackenmann aus der Wohnung (jetzt: Leinenblazer) lungert auch dort herum.

Der Dreiteiler ist für die russische Gesandtschaft, für die Nadeschda als bezaubernde Übersetzerin parat steht. Fett geflirte vom Iwan Richtung Nadeschda. Zurückgeplinkere. Edelschnittchen. Wieso wird er nicht zum Tatort bestellt? Handy aus? Immerhin lücht sie über’s Alibi. Mutter vor zwei Wochen zuletzt gesehen, ganzen Abend im Internat gepennt. “Was hast’n Du an Deinem Arm?” – “Autoaggressives Verhalten. Ich ritz mich manchmal, aber eigentlich kratz ich mich nur.”

Freund Hinkebein klaut jetzt ein Mopped, aber man fällt doch heutzutage gleich auf ohne Helm und Dings. Hm. Aber als er dem Cabrio von Börne auf die Pelle rückt, hat er einen Helm. “Die nächste Begegnung wird richtig lustig”. Reizgas? Nein, so schlimm war’s nicht. Der Reaktion nach: Sprühwasser.

Ex-Manns Alibi leider zerbröselt. Gericht hat das Sorgerecht an die Frau übertragen/ bei ihr belassen, darauf sei Marie (mit Umweg über Mutter im Westfälischen Hof) zum Vater zwecks Trostsuchung.

“Gute Nachrichten?” – “Jaha, eine Leiche!” Thiel wird vom Empfang geholt, die Gruppe wird vom Presseheini gleich mitgeschleppt. Dawai.

Der von Frau Haller erwähnte “geheimnisvolle Damenbesuch” liegt gerade unter ihren Vinylbehandschuhten Fingern. Börne nämlich hört kein Telefon, weil er auf Thiels Wunsch seinen Wagner endlich mit Kopfhörer hört.

Katja Braun also, der Spuismann kennt sie auch, die war nämlich mal bei der Mordkommission, wegen Alkohol entlassen.

Auftritt Börne in der Wohnung, gerade hat Nadeschda das alte Ferienfoto gefunden, Börne mit Katja am Strand. Achja.

Verdächtig: Der Mann in der Wohnung, die Tochter. Mehr haben wir ja nicht. 20.37 Uhr. Verspricht etwas langweilig zu werden, nur zwei Verdächtige. Marie Börnes Tochter? Sardinien 1999? Nein, “weil ICH nämlich rechnen KANN!” Ich will diese Büroeinrichtung haben, dieser Designer Schleiflacktraum. Vitra. Möbel sammeln, das wär’s. Traum: Eames Lounge Chair.

Der Ex-Mann ist zu spät aufgetreten, der war’s nicht. Ist ja schon 20.40 Uhr. Arbeitet in der Fleischerei. Marie sei im Internat, Hochbegabtenstipendium. Mann war Fleischausfahren den ganzen Tag. Dann Kino, Spätvorstellung mit der neuen Frau. Putzstelle: Westfälischer Hof mitten in der Nacht. Letzte Begegnung soweit bekannt also Marie. Töttchen ist nicht Törtchen, wissen wir das jetzt auch.

Herr Thiel kennt jetzt Wagner, besitzt einen Anzug und verteidigt dem Genitiv, was ist da bloß los? Oh. Einbruch in die Kühlung, kaputte Flasche. Klamotten von Frau Braun liegen auf dem Boden. War sie da eingesperrt? Und warum hat der Herr Börne nicht gemerkt, dass die Frau erfroren ist? “Kälteidiotie, paradoxes Entkleiden” – das ist allerdings eine Tötungsart, die auch einer 15-Jährigen zuzutrauen ist. Einsperren bis drinnen Ruhe ist, da gehört nicht viel zu. Wie gerufen kommt der Herr Braun zum Liefern, aber der war’s nicht.

Ha, die Eames-Stühle allerdings, die Börne da in seinem Esszimmer stehen hat, die kann ich mir fast leisten. Gab es als Ausstellungs-

“Hinkebein”, fällt Börne unter den Klängen des Kuto ein, das auf Börnes Flokkati von einer bezaubernden Japanerin bedient wird. Ist gar kein Kuto, oder? War das Kuto nicht ein Monochord? Hm.

Hinkebein zu Unrecht verfolgt und vor der Hauptverhandlung entwichen. Wenn das mal nicht der Lederjackenmann vom Anfang ist. “Er hat mich damals auch bedroht”, fällt Börne ein. Seit wann hat Börne einen Kontrabass? Lederjackenmann steht vor der Tür. Wahrscheinlich hatte er schon beim ersten Auftritt diesen hässlichen Baumwollblazer an. Leichtes Humpeln jetzt erkennbar. Der Mord sieht trotzdem eher nach Marie aus, obwohl ich doch hier schon MEHRFACH geäußert habe, dass es mich sehr, sehr VERDRIESST, wenn die irgendein Kind als Mörder missbrauchen.

Marie: Verband am Arm. Bestimmt Schnittwunde von der Flasche. Vielleicht waren es ja auch alle. Marie im Affekt der Mutter die Flasche übern Kopf, Hinkebein die Situation ausgenutzt, Ex-Mann die Leiche verlegt. Juut. Also Marie war’s mit der Flasche. Gibt sie zu. Und jetzt will sie die Leiche sehen und sich entschuldigen. Komisches Mädchen. Meine Güte, was haben die denn da für einen Leichenanguckpavilliong? Rotundenhaftes Fake-Barock.

Fritsches Frischfleich-Laster sieht aus wie ein Zufallsshirt. Vater Thiel ist von Börne als Bodyguard angeheuert, bewaffnet mit Thiels altem Hockeyschläger (der hat garantiert NICHT Hockey gespielt, ganz typfremd). Börne nämlich Arsch-auf-Grundeis wegen Hinkebein. Er hat ja damals mit seinem Gutachten usw.

Nicht uffjepasst: Wem seine Mutter… Ach, Hinkebeins latersverwirrte Mutter wird von Thiel besucht. Koch heißt er. War in der Wohnung der Toten, das wissen sie. Wunderbar. Staatsanwältin Klemm verpflichtet Thiel (junior) jetzt als Aufpasser für Börne. “Das ist doch die nächstliegende Lösung” – man hört sie so selten, die korrekte Steigerung mehrteiliger usw. Alter Theil natürlich total bekifft, als Hinkebein vorbeikommt.

Und schon: Börne Pistolenlauf im Mund. Da hat Herr Thiel wohl nicht aufgepasst. Bzw. Professor Börne sich in seine Wohnung geschlichen, als Thiel nicht aufgepasst hat. Thiel barfuß in Sankt-Pauli-Wäsche mit dem Hockeyschläger dem Hinkebein hinterher. Der ins Kino. Filmpalette? Praktisch: Hinter Kock sitze Nadeschda mit ihrem neuen Russen. DER hat eine Waffe, ist das normal?

Schön hyperaktiv, der Herr Gehfehler Kock. Besteht drauf, unschuldig gewesen zu sein. Wer könnte denn der wahre Mörder sein? Wir haben ja eher zu wenige als zu viele verdächtige Gestalten. Jetzt auch noch Thiel als Stilkritiker, was kommt als nächstes? “Mir ist das Blut in den Adern gefroren”, das lässt er Börne zu Recht nicht durchgehen.

Ha. Es fehlt ein Asservat des damaligen Falles. Ein Papiertaschentuch. Schnodder. Wurde nie untersucht. Jetzt wissen wir auch, was Frau Braun mit dem geklauten Schlüssel angefangen hat. Und was Kock von ihr wollte. Das Asservat, zwecks Rehabilitierung. Sie hatte ja wohl auch Börnes EC-Karte gemopst.

Hihi, Frau Staatsanwältin Klemm hat Kock entweichen lassen, weil sie mit ihm am offenen Fenster eine rauchen wollte beim Verhör. “Aber ich nehme das alles auf meine Kippe.” Noch eine Viertelstunde, und jetzt sitzt Marie unvorgeladen bei Thiel. Ha. Genau: “Es war mein Vater. Aber…” Keine Ahnung sei ihr Vater. Also ist es Kock. Schließlich hat Katja ja schon zu Börnes Zeiten mit allerlei Männern.

Koch weiß jetzt, wer’s damals war und bestellt Thiel zu hochgeheimem Treffen. Wetten, dass er Marie mitnimmt?

Wette verloren.

Oups.
Wer hat den jetzt erschossen? Der Russe? Die tote Prostituierte war ja auch Russin. Kock kommt durch. Lokalteil 12-14 wollte Kock ihm zeigen. Hach. Der Pressesprecher war’s, nicht der Russe. DER nämlich hat ein braunes und ein blaues Auge wie Marie. Und war auch mal bei der Mordkommission. Verdammt. Übersehen. Ärger Ärger. So komme ich NIE zur Kripo.

Geiselnahme im Dienstzimmer, Pressefuzzi mit Tochter und Börne, Thiel durchs geschlossene Fenster rein, und Marie den Vater mit dem Hockeyschläger (Feld, wenn Sie’s wissen wollen) k.o. geschlagen, yeah.

Feddich. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

6 Comments to “Tatort: Hinkebein (WDR)”

  1. Petra_s sagt:

    Dieses hippe Tatortschauen heutzutage, mit Twitter nebenbei (Frau @kaltmamsell hat mich hergeführt) und dazu solch ein Protokollbeitrag, der auch die eígenen Gedanken enthält, bevor man sie selber zuende gedacht hat.
    Ein Wahnsinn!
    Gibt’s das öfter?

  2. sopran sagt:

    Bevor ich in einen Chor eintrat, der immer sonntagsabends probt, gab es das hier öfter.

  3. joriste sagt:

    das waren noch Zeiten
    schön, Sie mal wieder dabeigehabtzuhaben

  4. Lu sagt:

    wie passend. ich hab den tatort verpasst, und du hast ihn endlich mal wieder mitgeschrieben. danke :)

  5. Daniol sagt:

    Ihr seid ja wohl alle grad auf der “Soundso”-Verlags-Party. Ich hingegen hab den Leipzig-TO (17.3.13), wie sich das in dieser Stadt mittlerweile gehört und weil ich keinen Zugriff auf meinen TV mehr habe, in der Kneipe geguckt. Die Moral von der Geschicht: Verlieb dich nicht in Ausländer, das macht nur Ärger. Ansonsten schön: Maxim Mehmet, Spusi-Mann, kriegt offensichtlich immer mehr Drehtage, ist eben auch ein guter Kerl. Weiters nice: Die Raketen-Sex-Toy-Anspielungen, von denen ich mal keck behaupte, dass sie an irgendwelchen Redakteur-(m/w)-Menschen unbemerkt vorbeigenagen sind. Oder auch nicht, die sich aber gesagt haben, das geht an unserem Publikum unbemerkt vorbei. Wie auch immer: Kripo findet Rakete im Kleiderschrank. Kommissarin: Mmh, sieht aus wie ein Spielzeug. Und geschätzte fünfundvierzig Min. später: Der “He-who-shall-not-be-fallen-in-love-with”-Ausländer-Attentäter-Student ist bei der ihm sexuell verfallen/ergebenen – und gleich toten – Junior-W-Dings-Professorin zu Gast, sie räkelt sich lasziv im Bett und verlangt nach ihm, er hantiert mit der (1-Meter-) Rakete und ruft, ich komme gleich.
    Ansonsten: Man spürt die Bemühungen, das Format attraktiv zu halten (siehe Hamburg). Ich weiß nicht genau, ob das gut oder schlecht ist.

  6. Daniol sagt:

    Errata:
    Z.9: vorbeigegangen

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