21. Dezember 2009 - 14:59 Uhr
Da lese ich in den “Frequenzen” von Clemens J. Setz, wat ‘ne Schwarte, aber Frau Strigl hatte Recht: Am Anfang harren, dann kommt’s schon. Schiebt doch ein Mann alleine ein weißes Tandem durch die Gegend ziemlich am Anfang, und ich denk, mannmann, Pluspunkt 13 gibt es hier nicht (”Fahrräder sind Fahrräder und keine Metaphern” in analoger Anwendung) . Zwei Stunden später laufe ich durch die Stadt, da kommt mir am Rand des Weihnachtsmarktes ein Mann entgegen, der ein rotes Tandem schiebt. Na, was machst Du denn hier so allein, du olle Metapher?
Ich glaube, Clemens Setz interessiert sich für fast alles und hatte außerdem viel Spaß beim Schreiben. Ich habe auch viel Spaß beim Lesen, wollte eigentlich nur schnell ein paar “Stellen” suchen, aber das Buch ist ja voll von “Stellen”, eine “Stelle” nach der anderen.
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15. November 2009 - 17:25 Uhr
Wegen der vergeblichen Suchen weise ich darauf hin, dass ich in diesem Jahr nicht beim Open Mike zuschaue.
Informieren Sie sich doch bitte bei Goldmag, die machen das gut. Gewonnen hat u.a. Matthias Senkel, der voriges Jahr Gedichte vorlas, mit einem Prosatext.

Stattdessen war ich in Wien und sah mir dort am Donnerstagabend in einer teilverglasten Kiste, die mit einem künstlichen Kaminfeuer ausgestattet war, den wunderbaren Kaminplausch “Tea for three” mit der wunderbaren Daniela Strigl, dem wunderbaren Klaus Nüchtern und dem wunderbaren Tex Rubinowitz an. Wehmut: Nüchtern und Strigl zurück in die Jury! Und Tex gleich mitnehmen.

Besprochen wurden
Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt
Rainald Goetz: loslabern
Philipp Roth: Portnoys Beschwerden.
Später mehr dazu. Bis dahin nehmt dies:
“…zur Bewertung von Literatur muss man keine Ahnung haben von gar nichts, es braucht nichts, nur Sprachgefühl und Menschenkenntnis, daraus wird Literaturkritik genauso wie Literatur gemacht, alles andere ist sekundär, und Tonnen von Spezialwissen können herrlich sein und Ödnis pur …”
(Rainald Goetz, loslabern, S. 177/178)
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19. August 2009 - 13:59 Uhr
Die Longlist zum Buchpreis ist veröffentlicht. Viel Klagenfurt in diesem Jahr. Die Bücher von Schmidt, Setz, Overath, Scheuer liegen schon seit einer Weile bei mir, ich komme gerade nicht zum lesen weil ich so viel lesen muss. Auf den neuen Brenner warte ich. Wieso ist der schon auf der Liste, wenn ich ihn noch nicht habe?
Sibylle Berg: Der Mann schläft (Hanser, August 2009)
Mirko Bonné: Wie wir verschwinden (Schöffling & Co., Februar 2009) Ernst-Willner-Preis 2002
Thomas Glavinic: Das Leben der Wünsche (Hanser, August 2009) —
Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott (Hoffmann und Campe, August 2009) — Wieso habe ich das noch nicht bekommen? AMAZON!!!
Ernst-Wilhelm Händler: Welt aus Glas (Frankfurter Verlagsanstalt, September 2009) —
Anna-Katharina Hahn: Kürzere Tage (Suhrkamp, März 2009) Teilnehmerin 2004
Reinhard Jirgl: Die Stille (Hanser, März 2009) —
Brigitte Kronauer: Zwei schwarze Jäger (Klett-Cotta, August 2009) Teilnehmerin 1980
Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt (S. Fischer, März 2009) Teilnehmer 2001
Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent (Luchterhand, August 2009) Bachmannpreis 1999
Herta Müller: Atemschaukel (Hanser, August 2009) Eröffnungsrede 2004
Angelika Overath: Flughafenfische (Luchterhand, Mai 2009) Ernst-Willner-Preis 2006
Norbert Scheuer: Überm Rauschen (C. H. Beck, Juni 2009) 3Sat-Preis 2006
Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009) Preis des Landes Kärnten 1998
Clemens J. Setz: Die Frequenzen (Residenz, Februar 2009) Ernst-Willner-Preis 2008
Peter Stamm: Sieben Jahre (S. Fischer, August 2009) Teilnehmer 1999
Thomas Stangl: Was kommt (Droschl, Januar 2009) 3Sat-Preis 2007
Stephan Thome: Grenzgang (Suhrkamp, August 2009) —
David Wagner: Vier Äpfel (Rowohlt, September 2009) Teilnehmer 2000
Norbert Zähringer: Einer von vielen (Rowohlt, Juli 2009) Teilnehmer 2002
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11. Juli 2009 - 13:51 Uhr
Legale Wachmacher, heute:
Kolanuss, erhältlich in Pulverform. So müssen ungewaschene Dreadlocks schmecken. Ich mische mit Kakao und heißer Milch, nächstes Mal mehr Kakao.
Härtetest: Versuch, ein Buch zu lesen (Hermann Burger: Die allmähliche Verfertigung der Idee beim Schreiben).
Das Buch ist ein Schatz, und nachgetragen eine Frage an Jens Petersen: Ist das ein Burger-Zitat, dass Sie in einem Cabrio durchs Tessin brausen? Falls das überhaupt das Tessin ist.
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2. Juli 2009 - 12:44 Uhr
Der Winkler, ja, der Winkler. Ist ja eine Geschmacksfrage, ob man trauernde Witwen beleidigt, und auch eine Geschmacksfrage, ob man in rot-orange ins Fernsehen geht (und dann auch noch senkrechte Streifen im Hemd), aber mit dem Text hat er’s möglicherweise weniger den Kärntnern gezeigt, als den Kandidaten, die nach ihm dranwaren. Nach der großen Winklerschen Einlullungsouvertüre gab es tüchtig Schläge, diesesmal nicht gegen ein armes alpenländisches Kind, wie bei dem Text, den er selber vor 100 Jahren beim “Bewerb” las, sondern für ein totgefahrenes klagenfurtisches Kind und gegen alle, die da was zu sagen haben. Politisch kann ich dazu nichts sagen, außer dass es in Klagenfurt durchaus Bibliotheken gibt. Aber literarisch. Text erscheint in zwei Wochen bei Suhrkamp.
Karsten Krampitz beim Bürgermeisterempfang: “Mir haben sie die Selbstverbrennung verboten, aber der darf seinen Text essen”. (Esspapier, pah, um den Goetz zu machen, hätte Weiß sich den Text schon in den Arsch schieben müssen).
Momente in Nullen und Einsen: Daniela Strigl zwischen Knödelteller und Backhendl Twitter zeigen. (Auf ausdrückliche Bitte). Weiterlesen »
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28. Juni 2009 - 10:41 Uhr
Um viertel vor elf verliehen Kathrin Passig und ich den Automatische Literaturkritik Preis der Riesenmaschine an Karl-Gustav Ruch für seinen Text “Hinter der Wand”. Wir hatten Herrn Ruch am Vorabend schon vorgewarnt, er hatte vom Preis noch nie was gehört und erkundigte sich dann, fürchtete wahrscheinlich, dass das sowas ist wie die Goldene Himbeere. Juror Paul Jandl, der dabei stand, war aber im Bilde und klärte den Autor auf, dass der Preis mit 500 Euro dotiert ist.

Foto: Johannes Puch/ORF

Foto: Angela Leinen
Dieses Mal machte der Regen Ernst, ich kam mit nasser Hose zur Preisverleihung und kaschierte notdürftig mit “Kleid-über-Hose”, bitte sagen Sie jetzt nichts, ich mag das so. Karl-Gustav Ruch profitierte über Gebühr davon, Weiterlesen »
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27. Juni 2009 - 12:11 Uhr
Kleinschreibung, courier, Titel:
leben ist anders
Stadler: Jetzt wird ein Text veröffentlich, und zwar: Sowas von veröffentlicht.
… weil der staubsauger kriegt sie da nicht raus
Trennung, und jetzt geht sie zu einer Numerologin. Transzendentale Obdachlosigkeit tippe ich. Ob man das schlechte Deutsch (mehrmals Hauptsatz nach weil) und das pathetisch-kitschige einfach unter Rollenprosa verbuchen kann und sagen: Die ist halt so doof, die Figur? Weiterlesen »
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27. Juni 2009 - 11:13 Uhr
So. Keine Ahnung. Ich weise aber darauf hin, dass Tochter Alissa Walser auch als Schriftstellerin noch nicht besonders aufgefallen war, bevor sie hier den Bachmannpreis gewann. Elmar Krekeler findet gerade: Schlechter Jahrgang. “Uns gehen die Preisträger aus”, noch zwei Lesungen, aber fünf Preise zu vergeben. Sieht bisher nur Petersen und Sander preiswürdig. Was ist mit Bönt? Auch Volker Hage ernüchtert.
Krekeler: “Linda Stift, mein Ausreißer nach unten, da ist jede Reportage ein Sieg des Journalismus über die Literatur.” Hage: “Achte mehr auf den Stil”, mehrmals passiert, dass ihn wegen des schlechten Stils der Inhalt überhaupt nicht interessiert. Weiterlesen »
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27. Juni 2009 - 10:47 Uhr
Das war das Buch, das ich mangels Greifbarkeiten nicht lesen konnte, “Arme Närrchen”, wo hatte ich nochmal die Närrchen gefunden? In der Oper? Entführung aus dem Serail.
Sie liest: “Aus dem Gras”. Ein Ich. Ein Selbstgespräch. “Ich werde ja wirklich, meine Hand sagen, meine ausgesprochen wirkliche Hand.” Nach den ersten drei Sätzen möchte ich prophezeien: Desaster. Hier: Haareraufen, Seufzen, verzweifelte Suche nach Minuspunkten. Auf diesen Fall sind wir nicht vorbereitet. Weiterlesen »
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27. Juni 2009 - 09:20 Uhr
Walter und Josef, prima Namen. Schleuseninsel, Wasser, Fischer, das ist schon mal gut. Normale Leute mit normaler Arbeit. Fischer ist bestimmt irgendeine schwere Metapher, aber was soll’s. Fische sind andererseits wieder so 2006. Angelika Overath (lebende Fische) und Norbert Scheuer (tote Fische).
Sympathisch übernächtigt wirkt der Autor, wir dagegen begannen den Abend schon gegen 17 Uhr, da ist es natürlich nicht schwierig, taufrisch beim zweiten Tönen der Fabriksirene hier einzulaufen. Wir sind hier eben intensiv gefilmt worden, ich sollte mich noch etwas vorbeugen, damit ich mit im Bild bin. Anders als gestern waren sie aber nicht so indiskret, direkt auf den Bildschirm zu halten (was mach ich bloß auf? Wikipedia?) Weiterlesen »
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