Kategorie: Buch und Text


Tag 7 – Ein Buch, das dich an jemanden erinnert

9. October 2010 - 00:30 Uhr

“Das bin doch ich” von Thomas Glavinic erinnert mich an Tex Rubinowitz, der mir – bevor ich das Buch kannte – den Inder auf dem Naschmarkt zeigte.

“Dorle und Wolf” von Martin Walser erinnert mich an den Ruderkameraden K.G., der darin vorkommt.

“Das Fluss- und Zeltwanderbuch des Deutschen Ruderverbandes” erinnert mich an meinen Bruder, der sagte, “in meinem Ruderrevier soll die Sonne niemals untergehen.

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Buchmesse, aus dem Notizblog

8. October 2010 - 14:26 Uhr

Vor zwei Jahren fuhr ich hin, um in der Nähe zu sein, wenn auf dem Katze-im-Sack-Markt das Bachmannbuch angeboten wird. Dieses Mal, um das kleine Bachmannbuch am großen Heyne-Stand zu besuchen.

Kleines Bachmannbuch auf großer Buchmesse

Bis zum nächsten Jahr lerne ich Finnisch. Der nette junge finnische Verleger fragte mich in eine Phase großer Schläfrigk- und Schüchternheit und des Fremsprachenhaderns hinein nach Tipps für einzukaufende deutschsprachige Titel. Mir fiel auf die Schnelle nur Paulus Hochgatterer ein, wohl weil er Glattauer erwähnt hatte, von dem ich nichts gelesen habe. Verwechsle immer die Namen. Bzw. wenn einer Glattauer gesagt hat, fällt mir Hochgatterer nicht mehr ein. Danke, iPhone.

Park & Sleep Messe Frankfurt

Die Buchmesse-Zeitung der FAZ ist in weiten Teilen (vermutlich denen, die erst in der Nacht geschrieben wurden) eine schlechte Bierzeitung. Merke: Allein die Erwähnung der Frisur von Sascha Lobo ist noch keine Pointe. Auch nicht bei vielfacher Wiederholung. Gleiches gilt für die Ohrläppchen von Hubert Winkels. Was kommt als nächstes? Die Ohren von Niki Lauda? Die Haare von Elke Heidenreich? Oder die Hautfarbe von Ijoma A. Mangold?

Penthouse über drei Häuser
P1040919
Nein: Es ist der Anzug von Ijoma A. Mangold (Buchmesse-Faz Tag drei). Nicht nötig zu erwähnen, dass der einwandfrei ist. Dafür wäre ich gerne ein Mann, um bei “Gelegenheiten” einfach auf einen perfekt sitzenden Anzug zurückgreifen zu können. Dann müsste ich nicht so lange überlegen, was ich zur Rowohlt-Party anziehe, um (wie die anderen Autorengestalten) genau so auszusehen, als hätte ich am morgen keinen Moment darüber nachgedacht, was ich anziehe.

“Wenn Sie keinen Alkohol vertragen, sollten Sie es lassen”, sagte ein Mann sehr unfreundlich zu einem anderen. Das war bei einer Happy Hour an einem Verlagsstand. Es fiel auch das Wort “Schmarotzer”, da war ich froh, dass sowieso schon fast alle Häppchen weg waren, als ich kam, trotz der Einladung, die mir noch jemand zugesteckt hatte. “Ich war schon auf der Buchmesse, da gab es Sie noch gar nicht”, ging es dann weiter. Prügel evtl. vor der Halle.

Das Nachdenken über die Partyklamotte war überflüssig, denn die Garnitur lag im Auto auf dem “Park & Sleep”-Platz am Rebstockgelände, und da kam ich zwischen Happy Hour und Rowohlt nicht mehr hin. Um nicht auf gieriges Häppchenstürzen angewiesen zu sein (Würde bewahren), aßen wir vorher ordentlich. Nachher tat es mir fast leid, so sehr satt zu sein, die Häppchen wurden in hoher Frequenz von freundlichen Kellnern angetragen, ich nahm eine Haltung ständigen Kopfschüttelns und Abwinkens ein.

Diese Leute, die zu bekannt sind, Scheck, Heidenreich, Schirrmacher, die haben es auch nicht leicht. Kann man ja mal behaupten, ist man ja nicht der erste, der sowas behauptet. Haben’s auch nicht leicht. Nänä. Heidenreich hat diesen Blick, als sie auf die Party weht, einen “guckt nur, ich guck nicht zurück”-Blick, warum eigentlich? Scheck gleitet wie auf Schienen hinein. “Der ist erst 45″, sagt jemand neben mir, und ich: “Jaha, aber der sieht mit 80 noch genauso aus, und dann siehst Du älter aus”.

Greser und Lenz!

Julia Mantel!

Wenn ich Fest hieße, hätte ich meinen Sohn auch Alexander genannt.
Innenhof, Schirncafé, mit Schirrmacher

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Tag 6 – Ein Buch, das du nur einmal lesen kannst (egal, ob du es hasst oder nicht)

7. October 2010 - 18:52 Uhr

Im September 2001 veruteilte das Landgericht Bonn eine 38-jährige Frau zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Sie hatte ihre zehnjährige Tochter mit einem Kabel verprügelt, “regelrecht ausgepeitscht”, wie das Gericht im Urteil feststellte. Das Mädchen hatte seiner Tante 20 Mark gestohlen. Nach den Schlägen ging das Kind in sein Zimmer, schrieb einen Abschiedsbrief, den sie mit “Diebin” unterschrieb und erhängte sich.

Das Mädchen hatte einen drei Monate alten Bruder und zwei große Schwestern. Die Mutter hatte ihre Kinder nie zuvor geschlagen. Die Familie war aus dem ehemaligen Jugoslawien eingewandert aber gut integriert, offen, modern. Erst nach der Geburt des kleinen Jungen hatte die Mutter sich zurückgezogen, auch nicht mehr mit der Sozialarbeiterin sprechen wollen, die die Familie betreute. Im Prozess weinte sie meistens leise vor sich hin. Vor dem Saal spielte der kleine Junge, inzwischen eineinhalb, beaufsichtigt von seinen älteren Schwestern.

In zwei Prozessen war niemand darauf gekommen, die Angeklagte psychiatrisch begutachten zu lassen.

Kurz zuvor hatte ich gelesen: Renate Dorrestein, “Herz aus Stein”. Eine Frau versucht zu verstehen, warum ihre Mutter vor Jahren fast ihre gesamte Familie und sich selbst umgebracht hat, und warum sie selber übrig blieb. Ein Buch, das mir sehr interessante Einsichten über postpartale Depressionen verschaffte und bei dessen Lektüre ich die ganze Zeit geweint habe.

Nach der Beweisaufnahme lief ich dem Verteidiger hinterher: Ob nie jemand an eine Wochenbettdepression gedacht hätte. Man kann auch nach den Plädoyers die Beweisaufnahme wieder eröffnen. Hätte können. Wenigstens erwähnte er noch im Plädoyer, dass man hier “sogar an eine Wochenbettdepression denken” könne.

Kein schlechtes Buch wahrscheinlich. In den Büchern von Renate Dorrestein tun ganz normale Menschen Dinge, bei denen man sich fragt, wie man danach weiterleben kann. Schuld. Schweigen. Schicksal. Ich glaube, das sind keine schlechten Bücher. Aber ich tue sie mir nicht mehr an.

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Tag 5 – Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest

6. October 2010 - 07:49 Uhr

(  )  Sie werden lachen: Die Bibel.

(  )  Keins.

(   )  700 rivières de france

(Mehrmals und noch nicht zum letzten Mal gelesen: Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl.)

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Tag 4 – Dein Hassbuch

5. October 2010 - 15:39 Uhr

Ich bin nicht gut im Hassen. Und das Schöne an Büchern ist ja, dass sie nicht weiter lästig fallen, wenn man sie einfach ignoriert.

Aber was mich wirklich trifft, das ist, wenn Autoren nach (oder zwischen) guten Büchern schlechte verfassen. Wenn ich etwas gut finden will, aber das beim besten Willen nicht hinkriege. Beispiel: Jonathan Franzen, Eine Geschichte von mir. Ich muss mich nicht mit schlechten Autoren befassen, ich ärgere mich auch nicht über schlechte Autoren. Aber schlechte Bücher von guten Autoren enttäuschen mich und stellen mein Urteilsvermögen in Frage.

(Jetzt aber weiter mit Franzens “Freiheit”)

Apropos Buch. Morgen und übermorgen Buchmesse. Nicht, dass ich da was zu suchen hätte, was sollte man da auch finden? Man kann ja nicht einmal Bücher kaufen dort. Ich werde also mein kleines Bachmannbuch besuchen am großen Heyne-Stand, morgen Abend Partypupsen als Begleiterin von Frau Passig und nette Leute an Kaffeebars treffen und wieder staunend durch das Skurrilitätenkabinett der winzigen Esoterik- und Seltsame-Religionen-Stände gehen.

Wenn noch jemand Lust auf eine Kaffeeverabredung hat: Bitte melden.

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Tag 3 – Dein Lieblingsbuch

4. October 2010 - 22:59 Uhr

Beantworte ich nicht.

Lieblingsbuch, das ist so “Möwe Jonathan” oder “Der kleine Prinz”. Das ist – mit anderen Worten – so 1985.

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Tag 2 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst

2. October 2010 - 20:24 Uhr

Hier scharren mit den Hufen:

Tom Rachman: Die Unperfekten, wenn es nach Franzen eine weitere Schwarte sein muss.

Rainald Goetz: Abfall für alle: Roman eines Jahres (suhrkamp taschenbuch), wenn es wieder nur für Häppchen reicht.

Wolfgang Hegewald: Fegefeuernachmittag: Mein Leben. Von ihm selbst erzählt. Kolportageroman, ohne große Erwartungen außer: Dort Literaturbetriebsquatsch zu finden. Der Vollständigkeit halber.

Und weitere Kandidaten.

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Tag 1: Welches Buch liest Du gerade?

1. October 2010 - 10:37 Uhr

Freiheit von Jonathan Franzen

Ich bin im dritten Teil angelangt, in dem erzählt wird, wie es Richard Katz weiter ergangen ist, dem besten Freund von Walter Berglund, nachdem er mit Patty Berglund … darauf einen mainstreamigen erfolgreichen verliebten Song geschrieben hat, aber dann … (nicht zu viel verraten). Sein Lieblingsautor ist zur Zeit Thomas Bernhard.

Es geht um die mittelmoderne Familie Berglund, bisher insbesondere um Patty Berglund. Im ersten Teil wird aus der Sicht eines Beobachters aus der Nachbarschaft erzählt, Besichtigung der Familie Berglund von außen. Umfasst den Zeitraum, in dem die Familie in St Paul Ramsey Hill lebt. Beschrieben wird unter anderem eine Mutter-Sohn-Symbiose von Winterhoffschen  Ausmaßen (zumindest, was den Mutterpart betrifft) und der Auszug des Sohnes zu den prolligen Nachbarn.

Im zweiten Teil mehrmals sehr gelacht. Titel:

Es wurden Fehler gemacht
Patty Berglunds Autobiographie
von Patty Berglund
(verfasst auf Vorschlag ihres Therapeuten)

Schönster Satz bisher: Die Autobiographin ist der Meinung, dass Joyce für die Mutterrolle emotional noch nicht reif genug war, als sie ihr erstes Kind bekam, allerdings sollte die Autobiographin selbst in dieser Hinsicht wohl besser keine Steine werfen.

Die Autobiographiesprache ist ein bisschen zu ausgefeilt für diese Patty Berglund, macht aber nichts. Das Joey-Thema lässt Patty fast vollständig aus. Derartige auffällige Auslassungen machen neben den subtilen Anzeichen für Pattys Versagen in vielerlei Hinsicht  den Reiz dieses Abschnittes aus.

Jetzt weiterlesen.

 

Morgen:

Tag 2 – Das Buch, das du als nächstes liest/lesen willst

 

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Bücher, listenweise (via Frau Kaltmamsell)

1. October 2010 - 07:29 Uhr

Blogerleichterung bei Frau Kaltmamsell: 31 Buchfragen. Ich mache mit.

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Tschick, kaufen!

14. September 2010 - 13:17 Uhr

Update: Buch angekommen. Nun weiß ich auch endlich, was es mit diesem Herrn K. auf sich hat. Etwas früher zum Ohrenabsaugarzt (Eskimotierwasserschaden) aufgebrochen, wg. Lesezeit im Wartezimmer.

Ich las eine (Achtung, pdf) Leseprobe. Anständige Polizisten, jugendliches Blut, leutseliger Chirurg, Alter Finne. Zwei Früchtchen wollen in die Walachei.

Bestellt habe ich es schon vor ein paar Wochen, erscheinen soll es am Freitag, haben möchte ich es lieber sofort:

Tschick von Wolfgang Herrndorf.

tschick.jpg

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