Kategorie: sopran singt selber


Chœur #4

14. March 2007 - 10:28 Uhr

Die flotte zehnstimmige Fuge aus dem Scarlatti kann man auch mal zweieinhalb Stunden lang üben. Aus geheimen probentechnischen Gründen in einem grässlichen Staccato. Nein, eigentlich nicht. Marie-Odile et moi beherrschen unsere Stimme bereits impeccable. Marie-Odile weiß Bescheid und legt schon beim Einsingen ihren Sherlock Holmes bereit. Ich habe nicht daran gedacht, was zu lesen einzpacken und muss nun weglesen, was ich finde. Den Unicef-Weihnachtskarten-Katalog vom Tisch neben mir, alle Kassenbons in meinem Portemonnaie, das kleine Gipfelbuch, die Vokabeln in meinem privaten Französischbuch, mein neuer Führerschein – alles schnell aufgebraucht.

Hätte ich doch nicht die Staubsaugerbeutelpackung im Auto gelassen!

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Chœur #3

5. March 2007 - 11:20 Uhr

“Sopran, comment prononce-t-on en allemand: Sohn ou ßøn?” fragt mich ein Tenor beim Abendessen. Er hat eine Wette laufen. Französisches Nonnentagungshausessen ist übrigens nicht besser als deutsches Nonnentagungshausessen. Nur französischer. Der Tenor hat mal mit einem Österreicher Bach gesungen. Sein Nachbar bestreitet nun, dass die dort vermittelte Aussprache richtig ist.

“Un Autrichien.”
“Un autre chien?” Weiterlesen »

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Chœur #2

2. March 2007 - 23:34 Uhr

Gelernt:

Niemals pünktlich kommen, sonst hagelt es Bises. Rechts links, nur zwei, das immerhin, aber von 20 Personen? bises und bises einmal-durch-den-Chor verhält sich wie schlichtes Händeschütteln zu Friedensgruß-in-der-Kirche. Und ich war nichtmal pünktlich. Zehn Minuten nach dem angekündigten Probenbeginn um halb neun traf ich bereits zwei Chormitglieder an, den Iren und den Belgier. Sie standen neben einem leeren Pizzakarton und einer halbvollen Flasche Rotwein, hinterlassen von früher angereisten Chormitgliedern, die sich aber bis gegen neun noch ein wenig frisch machten oder wasauchimmer. Weiterlesen »

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Chœur #1

28. February 2007 - 13:45 Uhr

Ich habe eine Schwangerschaftsvertretung in einem anderswoischen Chor angenommen und mich gestern zum ersten Mal in die Probe getraut. Wie es hier im Süden so üblich ist, heißt 20.30 Uhr Probenbeginn natürlich nicht, dass die Probe um 20.30 Uhr beginnt. Ab halb neun stehen nach und nach die ersten Freaks vor der Tür. Ein Ire, ein Belgier, ein Pfälzer, eine Amerikanerin, eine Chinesin, ich. Ein paar von ihnen sprechen drolliges Deutsch, Weiterlesen »

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Altwerden

2. February 2007 - 13:37 Uhr

JOHN ANDERSON, my jo, John,
When we were first acquent;
Your locks were like the raven,
Your bonie brow was brent;
But now your brow is beld, John,
Your locks are like the snaw;
But blessings on your frosty pow,
John Anderson, my jo.

John Anderson, my jo, John,
We clamb the hill thegither;
And mony a cantie day, John,
We’ve had wi’ ane anither:
Now we maun totter down, John,
And hand in hand we’ll go,
And sleep thegither at the foot,
John Anderson, my jo.

Robert Burns

Das Schumann-Chorlied schubste mich beim Singen in einen noch unbekannten Rührungs-See.
Zum ersten Mal selber die Idee gehabt, mit einem Menschen alt werden zu wollen.
Schreck-Staunen-Glück

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Morgenschweiß und Tränen

21. June 2006 - 14:28 Uhr

Ich wache um 5 auf mit der Idee, ich schaffe meine Arbeit nicht. Vergesse, vermassle, versetze. Laufe ein bisschen durchs Haus, kann nichts ändern, denn die Termine für den Tag sind fix. Fleisch kaufen für den Kindergarten, Vier bringen, Amtsgericht Neuss, mitten am Vormittag, so dass die Zeit vorher zu kurz ist, ich aber jetzt im Auto sitze und mir leid tue. Die Arbeit liegt im Büro.Dass mich ein Text zum weinen bringen soll, wünsche ich mir auf der Fahrt, nehme es aber gleich zurück. Ich bin leicht zu rühren durch Worte, gestern weinte ich über die 5000 ecuadorianischen Fans, sie stehen an Reisebüros an, hatten alle die Rückflüge direkt nach der Vorrunde gebucht. In Santiago de Chile sangen wir im Armenviertel, die Menschen kamen erst unwillig aus den Hütten, bis wir hinausgingen aus der kleinen Holzkirche und ein Lied sangen auf der lehmigen Straße. Sie verpassten das Länderspiel Chile Brasilien, um uns zu hören, sie weinten über Brahms, lachten über Lorca und jubelten dem seltsamen Jazztrio zu.

Worte und Filme bringen mich leicht zum Weinen, oft leider unter Niveau, mit billigsten Tränendrüsenschlüsseln. Bei Musik schlage ich zuverlässiger und sehr viel seltener aus. Wenn ich da weine, dann stand der Himmel offen, worauf Du einen lassen kannst. Oder die Hose.

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Morgenschweiß und Tränen

21. June 2006 - 10:12 Uhr

Ich wache um 5 auf mit der Idee, ich schaffe meine Arbeit nicht. Vergesse, vermassle, versetze. Laufe ein bisschen durchs Haus, kann nichts ändern, denn die Termine für den Tag sind fix. Fleisch kaufen für den Kindergarten, Vier bringen, Amtsgericht Neuss, mitten am Vormittag, so dass die Zeit vorher zu kurz ist, ich aber jetzt im Auto sitze und mir leid tue. Die Arbeit liegt im Büro.

Dass mich ein Text zum weinen bringen soll, wünsche ich mir auf der Fahrt, nehme es aber gleich zurück. Ich bin leicht zu rühren durch Worte, gestern weinte ich über die 5000 ecuadorianischen Fans, sie stehen an Reisebüros an, hatten alle die Rückflüge direkt nach der Vorrunde gebucht. In Santiago de Chile sangen wir im Armenviertel, die Menschen kamen erst unwillig aus den Hütten, bis wir hinausgingen aus der kleinen Holzkirche und ein Lied sangen auf der lehmigen Straße. Sie verpassten das Länderspiel Chile Brasilien, um uns zu hören, sie weinten über Brahms, lachten über Lorca und jubelten dem seltsamen Jazztrio zu.

Worte und Filme bringen mich leicht zum Weinen, oft leider unter Niveau, mit billigsten Tränendrüsenschlüsseln. Bei Musik schlage ich zuverlässiger und sehr viel seltener aus. Wenn ich da weine, dann stand der Himmel offen, worauf Du einen lassen kannst. Oder die Hose.

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Opernpause

18. September 2005 - 12:00 Uhr

Opernprobe, Ton- und Bildaufnahme von 11 bis 21 Uhr (= Anwesenheit im nahen Umkreis der Opernbühne oder tatort-mäßig “halten Sie sich zu unserer Verfügung”) für wenige Takte Singens. Zweimal die ganze Oper hören müssen. Das hohe h (bei freundlichem Kammerton 430 Hertz) wurde vom Tonmeister als “herrlich hysterisch” gelobt. Eher ein Angstschrei.
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Sprecher: Udo Samel
Morgen 12 Uhr, Forum der Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes, “L’Irato” von Etienne-Nicolas Mehul. Beethovenfest.

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