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Die Nachrichtenlage 5 – Wasserstandsmeldungen

Eine Woche Ardèche, das dort nur spärlich (auf dem Mäuerchen vor der Campingplatz-Rezeption) vorhandene Internet zwischen Dusche und Frühstück nur nach Mails und Pegelständen befragt. Ist hier was passiert?

Die Wasserstände waren oh là là, in der Nacht vor dem Abreisemorgen stieg der Fluss von 80 auf 380 Kubikmeter an. Das ist ein halber Rhein, der da als braune Brühe ein paar Meter unter meinem Zelt entlangströmte. Für die Befahrung der Eierplatte auf dem Chassezac im offenen Zweier-Kanadier am Karfreitag stehenden Applaus von einem herumstehenden Kanukurs bekommen.

In der Lebensrettungsbilanz (zuspät/rechtzeitig) jetzt wieder auf Null. Brückenpfeiler, Strömung, Wurfsack. Read the rest of this entry »

Spektakuläre Enthüllung: “Und er war doch ein Spion!”

Die Überschrift, Frankfurter Allgemeine vergangene Woche, ist falsch und doof. Falsch ist “Enthüllung”. Doof ist der Rest.

Ich war 13, und als ich einmal aus der Schule kam, saß meine Mutter mit Herrn L. im Wohnzimmer, eine offene Flasche Weißwein auf dem Tisch. Ein Kegelbekannter, ein paar Jahre älter als meine Eltern, war gerade in der Gegend gewesen. Er erzählte, war offenbar gut im Fluss, ich setzte mich unwidersprochen dazu. Bei der Eisenbahn habe er angefangen als Junge, erzählte er, das war im heutigen Drüben, und dann war der Krieg vorbei, die Russen kamen, und er war immer noch bei der Eisenbahn, 19 Jahre alt. Er fertigte Güterwaggons ab, und in den Russenpapieren stand “Schrott” oder “Sand”, Read the rest of this entry »

26. Februar 1926

Wir beide.

Warum ist Deine Nähe mir so nah!
Warum ist Deine Ferne mir so weit!

Weil ich in Dir, in Dir zum erstenmal den Menschen sah,
Der mich erlöst, der mich in Liebe, in unendlicher, umfing.
Warum nur bist Du mir in weiter Ferne
Warum nicht kommst und bleibst mir nah!
Ich soll wohl leiden, muss wohl büßen!

– Leiden. -

Doch Du bist zu mir gekommen, hast die Schuld, die längst vergebene,
endlich, endgültig von mir abgenommen.
Du reiner, großer, tiefer, lieber Freund.

Und so verschwandest Du! Ein zweitesmal und viele male
Sollt ich Dich nicht umfassen, an mich drücken
In heißer Lieb.

Und darum gingst Du. Ließt in Tränen mich zurück
und bist mir treu.
Und liebst mich, so unendlich, so über alle Maßen, – fühl ich.
Fühltest Dich glücklich schon in Deiner Liebe, – sagtest Du, -
Auch wenn sie nicht erwidert werden sollte! – -
Und ich? Ich muss Dich lieben, muss Dich haben!

Ich will Dir alles geben, – gab mich Dir, in reinster, höchster Liebessehnsucht.
Sie wurd erfüllt, sie ist erfüllt, und immer wieder neu
Wird sie sich erfüllen Dir und mir.

Ich will Dir alles sein. Ich bin es. Bin es!
Denn wenn Dich einer je verstand in Deinem starken Sehnen,
in Deinem reinen Willen, in Deinem Leid,
Bin ich es nicht?
- Wir lieben uns. Hast Du ein höh’res Glück schon je empfunden? – Nie!
- – Wir beide – .

Brief eines Knaben an einen Knaben

Bloggen nach Kempowski 7

T: Im Reisebus nach Malgeac am Allier gefahren. Schlammiger Campingplatz, bescheuerte Reisegruppe, was soll ich da? Bevor ich wenigstens ordentlichen Käse und ein neues Boot kaufen konnte aufgew

General-Anzeiger: Sonderbeilage zum 75. Geburtstag der Köln-Bonner-Autobahn. Dabei wurde die 1932 eröffnet. Was die Leute immer haben mit dem Hitler, nicht einmal die Autobahn hat er erfunden, der Versager. Das war der Oberbürgermeister von Köln, der Herr Adenauer. Read the rest of this entry »

Bloggen nach Kempowski 6

T: Keiner, verwacht. Mit Berlin gechattet, dabei das Schlafengehen prokrastiniert, ohne Deadline geht da gar nichts. Deadline: 7.50 Uhr, fiel mir ein, da schickte man mich unter Tränen des Mitleids ins Bett.

Z: Drama im Nürnberger Zoo: Eisbär-Mutter frisst ihre Babys (Bild)
Düsseldorf: Ich habe Papa im Klo runtergespütl (Express)

Mus: Galliano. Kann man bestimmt so gut wie jedem Homevideo unterlegen.

Lit: Klagenfurter Texte 1993, “Kurzmitteilung” von Navid Kermani. Ein Mann verwickelt sich ziemlich peinlich in einen Todesfall. Nett dabei, dass er es merkt. “Hoffentlich braucht Korinna mich, dachte ich, sonst ist der ganze Aufwand umsonst.” Protagonist wohnt teils in Köln, teils in Cadaqués. Read the rest of this entry »

Bloggen nach Kempowski 5

T: Spiele Fagott in einem Barockorchester. Jemand muss mir gezeigt haben, welche Klappen man drückt. Die Noten stehen in einem komischen Schlüssel. Ich spiele sehr schlecht, aber es gibt ja so wenige Fagottisten. Wach möchte ich unbedingt ein Barockfagott besitzen und dann auch spielen können. In Herne sah ich eines, Birnbaum vielleicht, wunderschön. Kenne niemanden, der Fagott spielt.

Spiegel Online: USA – Abgeordnetenhaus will Waterboarding verbieten. Ich habe in der Strafprozess-Arbeitsgemeinschaft mal was über Verhörmethoden gelernt, in Deutschland gibt es sowas ja nicht, abgschafft. Read the rest of this entry »

Bloggen nach Kempowski 4

T: Ich besuche mit F. den todkranken Walter Kempowski. Er sagt: “Ihr Mädchen, setzt euch mal dahin” (zeigt auf einen Haufen Kissen), “ich les euch was vor.” Er liest aus den Tagebüchern von Francois Villon, und zwar aus einem in der Mitte durchgebrochenen Taschenbuch.

Später wach nachgesehen, wer Francois Villon eigentlich ist.

Lit: Hubert Konrad Frank, Café Wintergarten. Kommt Venedig des Nordens vor. Nachsehen, was das alles sein könnte, wenn ich nicht schon wüsste, dass Hamburg gemeint ist.

Mus: PeterLicht, Die Schwerkraft wird überbewertet

Zum Frühstück ausgezeichnete Lachspastete. Die Post bringt (öffentliche Zustellung) eine Rechnung über 27,63 Euro. Kann doch mal passieren, dass man ein 5-Euro-Parkknöllchen nicht bezahlt. Müssen sie nicht gleich ausrasten. Außerdem heute morgen auf der Reuterstraße mit 57 geblitzt worden, auch übertrieben. Irgendwie musste ich doch an dem Dreckslaster vorbei. Fühle mich verfolgt.

TV: Gestern Abend nix TV, dafür Kottan (Folge 2 “Der Geburtstag”) von DVD. Bei Amazon eine Kassette mit “4 Scheiberln” gekauft, für meinen Bruder zu Weihnachten. Weihnachten 2008 wohl. Kottan feiert Geburtstag draußen am Häuserl (bessere Schrebergartensiedlung für Polizisten), Winterparty am Wasser, man sitzt auf Autositzen und brät Stockwürstel, nach etwa einer Stunde gibt es einen Mord. Dann eingeschlafen.

Bloggen nach Kempowski 3

Lit: Bodo Kirchhoff, An den Rand der Erschöpfung weiter – rockt
Mus: Jean-Féry Rebel: Les Elemens (Musica Antiqua Köln) – rockt

Bild: Bundesliga-Hammer 1. Tor mit Penis geschossen
General-Anzeiger: Lokführer drohen mit großem Streit

Nach tagelangem Regen “gehen” Monschau und die Kyll, die Sieg kann noch abfließen. Keine Zeit, und alleine Paddeln sowieso nicht.

Gänsekeulen erst 40 Minuten in Salzwasser kochen, dann 40 Minuten im Ofen backen. Warum ich nun gerade nicht? poesiere ich mir auf dem Weg zur ersten Mammografie. Na, dann halt nicht. 1977 las in Klagenfurt jemand, der über Kärntner Komponierhäuschen promoviert hat. Ich weiß aber nicht, was er dort las. 2006 las Kevin Vennemann “In Komponierhäuschen”.

Beim Billig-Bouvier (=modernes Antiquariat) werden mit
Jochen Schmidt: Meine wichtigsten Körperfunktionen (August 2007)
und Björn Kern: Die Erlöser AG (Juli 2007)
zwei aktuelle Bücher von diesjährigen Klagenfurtteilnehmern verramscht, in geringer Menge allerdings (je 1). Vielleicht haben die Exemplare ja Mängel.

Bloggen nach Kempowski 2

T: In meinem Gehirn die Konfiguration für den W-Lan-Anschluss gesucht. (Man kann doch nicht ganz google im Kopf haben)

Lit: Klagenfurter Texte 1983

Mus: Dvorak Kammerkram, gemischt

TV: Shaun das Schaf macht den Konrad Lorenz für fünf Hühnerküken. Die Küken sind gelbe Wollbälle (die Pappscheiben-Garnwickel-Methode) mit roten Schnabeldreiecken.

Radio, Zeitung nix. Bin anderswo.

Am Fleischerwagen ein Kilo Bratwurst gekauft. Die Frauen aus dem Dorf sprechen mich an, ein zwei Fragen-zwei Antworten-Dialog, dann wenden sie sich einander zu und diskutieren das Gehörte ohne mich weiter (heute: Spekulationen über das deutsche Schulsystem).

Ich finde das ungehörig.

Nein, ich finde das sehr lustig.

Bloggen nach Kempowski 1

T: Ich bin paddelfertig und will nicht aufwachen, weil der Neoprenanzug so schön warm ist. (Tatsächlich habe ich mich für die Nacht in eine Pferdedecke gewickelt.)

Lit: Buchpreisbuch, Julia Franck: “Marthas Stimme kratzte, sie zog mit der anderen Hand Helenes Kopf zu sich und drückte ihren Mund auf Helenes Mund.” Unverständlich, dieser Vorwurf aus der FAS, die Sprache sei zu sauber. Wie die Vorwürfe der Verniedlichung damals an Kempowski. Wer darauf reinfällt und nicht unter die Oberfläche sieht, ist einfach zu doof. Es geht um Kontraste. Ob das bei Franck gelungen ist, dazu bilde ich mir später eine Meinung.

Bild: “Nazis bejubeln Eva Herman”
Bild.de: “Ist Eva Herman braun oder nur doof?” (Kommentar: Es war ja damals nicht alles schlecht bei der Bild-Zeitung.)

Dass es Konrad Adenauer war, der die erste Autobahn zu verantworten hat, das wird heute auch totgeschwiegen. Wie kann man denn heute noch unbelastet nach Adenau fahren?

ZEIT: Disst Kempowski, wahrscheinlich eingeschnappt über “Ich lese diese Zeitung nicht.”

Mus: Jens Friebe, Das mit dem Auto ist egal (neu) “Frau Baron, das Land auf dem ich wohn gehört Ihnen”

Leichtes Reißen im linken Ellenbogen. Kropfüberflüssiger Gerichtstermin in einer niederrheinischen Stadt (Fahrtzeit gesamt: 160 Minuten). Die Bitte, doch nun im schriftlichen Verfahren zu entscheiden, war ignoriert worden. Die Richterin sinnierte darüber, dass sie nun wohl doch mal eine Entscheidung treffen müsse. Nochmal bei juris nachsurfen und ein paar erfahrenere Kollegen fragen. Thank you for sharing (tyfs)

TV: …

WDR: “Gernhardt ist gestorben und Kempowski auch.” Heute mal kein Nobelpreis für Deutschland.