Kategorie-Archiv: Rechtslinks

Juristisches

Bloggen nach Kempowski 6

T: Keiner, verwacht. Mit Berlin gechattet, dabei das Schlafengehen prokrastiniert, ohne Deadline geht da gar nichts. Deadline: 7.50 Uhr, fiel mir ein, da schickte man mich unter Tränen des Mitleids ins Bett.

Z: Drama im Nürnberger Zoo: Eisbär-Mutter frisst ihre Babys (Bild)
Düsseldorf: Ich habe Papa im Klo runtergespütl (Express)

Mus: Galliano. Kann man bestimmt so gut wie jedem Homevideo unterlegen.

Lit: Klagenfurter Texte 1993, „Kurzmitteilung“ von Navid Kermani. Ein Mann verwickelt sich ziemlich peinlich in einen Todesfall. Nett dabei, dass er es merkt. „Hoffentlich braucht Korinna mich, dachte ich, sonst ist der ganze Aufwand umsonst.“ Protagonist wohnt teils in Köln, teils in Cadaqués. Weiterlesen

Packen

Ich lese meine Bücherregale von rechts nach links von unten nach oben. Greife noch zu Lesendes, wieder zu Lesendes. Lege im Vorbeigehen ein Haimesser zum Stapel, ein Ladegerät für irgendwas, zwei Filme (Die Klavierspielerin und Herr Lehmann), den Rabenkalender (Weihnachtsgeschenk vom Mann), die Schneebrille, ein paar Handschuhe, ein Klebe-Tattoo, die Wagenpapiere. Ein Buch über das zweite Vaticanum. Ein Päckchen Büroklammern. Noch ist es ein unauffälliger Stapel, wie zum Aufräumen, vielleicht gerade zum Verreisen, noch nicht zum Umziehen. Trägt noch nicht auf. Weiterlesen

Der Morgen am Amtsgericht

Um zehn bin ich im Gericht, einem fiesen Nebengebäude, keine Sicherheitskontrolle. Ich habe eineinhalb Stunden gebraucht, eine gute halbe Stunde länger als sonst. Zwei Männer sitzen vor dem Saal, das lässt auf einen schnellen Termin hoffen, geladen sind zehn Zeugen, sechs vom Kläger, dem Gegner, vier von „uns“ benannt. Die „Beklagte zu 2″ (die Autohaftpflicht) hat für jeden ihrer Zeugen 100 Euro Auslagenvorschuss eingezahlt.

Drei Stunden dauert der Termin schließlich. Alle zehn Zeugen erscheinen nach und nach. Der Richter hat „gestaffelt geladen“. Weiterlesen

Vorgestern. Wuppertal.

Keine Parkplätze am Gericht, dafür Sonne, das Gericht hat die Adresse Eiland 1 und Eiland 2, es liegt auf einer bin versucht zu schreiben, ach ich tu’s, einmal darf man (sic!) Insel zwischen Wupper und einem Abwasserkanal oder Wupperarm oder Bach.

Schon das Gericht sehr schön, neu/alt, nur das mit den zwei Preisen für Bedienstete und andere kannte ich noch nicht. Kaffee 1,80, nach Gerichtskantinenmaßstäben ein Wucherpreis. Der Termin läuft nicht so, der von mir vertretene Beklagte steht im Stau, der Kläger wird ausführlichst vernommen (=informatorisch angehört). Mal wieder die Frage, wessen Versicherung zu zahlen hat, bleibt alles im großen Kreislauf. Weiterlesen

Gericht mal wieder

Um neun stehe ich mal wieder im Amtsgericht einer nahen Kleinstadt. Die Kollegin Klägervertreterin wartet schon, sie ist sehr früh losgefahren, bei ihr lag Schnee. Der kleine Saal ist um die Zeit noch kalt, das hätte ich bedenken müssen. Ich trage cool wool, schwarz, ein dicker Pullover hätte gut unter die Robe gepasst.

Der Kläger konnte nicht mal den Unfallort eindeutig benennen. Der Beklagte zu 1 soll ihm von rechts ins Auto gefahren sein. Beklagte zu 2 ist wie immer die von mir vertretene Versicherung. Der Richter weiß, „gerichtsbekannt“, dass der Kläger der Onkel des Beklagten zu 1 ist. Man kennt sich: Der Neffe war schon mal in einer anderen Unfallsache als Zeuge da. Weiterlesen

Ausgepackt

Zum dritten Mal in diesem Monat also in die Kleinstadt.
Der Zeuge hat sich gefreut über die Ladung, er hat einen Tag Knasturlaub. Der Kollege Klägervertreter wollte den Zeugen ja haben, ich dacht mir, was soll der tun als lügen, war ja der Kumpel von dem, der extra mit dem Mietwagen in den Audi Quattro gebrettert ist. Der Kläger, der mit dem Quattro, will auf Gutachtenbasis abrechnen, das Auto ist verschwunden. Die KfZ-Haftpflicht des Mietwagens will nicht zahlen.

Der beklagte Fahrer P. ist zum dritten Mal nicht gekommen. Ladung per Einwurf. Weiterlesen

Prozessarchiv: Frau R. möchte bestraft werden

Die Anklage ist kurz:

Der Angeklagten Ingeborg R., geboren am 27.9.1926, wird vorgeworfen, am 16. Mai 2000 eine fremde bewegliche Sache sich rechtswidrig zugeeignet zu haben.
Die Angeklagte betrat am Tattag die Geschäftsräume der Firma Woolworth in Bad Godesberg. Dort steckte sie eine Tube Anti-Faltencreme zum Preis von 17 Mark 99 in ihre Tasche und verließ das Geschäft, ohne zu bezahlen.

Frau R. ist allein gekommen, einen Anwalt hat sie nicht.
Die Richterin sagt ihr freundlich, dass sie nichts dazu sagen muss, aber gerne etwas dazu sagen kann. Frau R. sitzt auf der Stuhlkante.* Weiterlesen

Juli Zeh hat keine weiße Bluse

erzählt sie in der letzten Brigitte.
Rechtsreferendarinnen brauchen eine weiße Bluse. Oder ein weißes Tuch. Oder einen weißen Schal. Denn Rechtsreferendarinnen machen Sitzungsdienst bei der Staatsanwaltschaft.

„Der hat die sittliche Reife gefehlt“, sagte heute eine Richterin, deren Referendarin auflachte, als eine Zeugin ihr Alter nicht wusste. Das ist übrigens normal, kaum ein Zeuge weiß auf Anhieb sein Alter (Ausnahme: Polizeibeamte).

Mein erster Sitzungsdienst war der aufregendste Moment meiner Ausbildung. Weiterlesen

Prozessarchiv – Obstipation

„Hohes Gericht, das ist wegen der Obstipation“, sagt Frau W., Mitte 50, beiges Kostüm, geblümte Bluse. „Wegen was?“ „Wegen der Obstipation, ich leide doch so unter der Obstipation, und da helfen nur die Kürbiskerne“. „Aber Sie dürfen die doch nicht mitnehmen ohne zu zahlen!“. „Dochdoch“, sagt die Frau, „die sind doch viel zu teuer, das ist ja eine Unverschämtheit, das zahlt doch die Kasse nicht. Warum ist denn der Richter Mondheim nicht da?“

„Der Herr Mondheim ist nicht mehr zuständig, da hat er mich gebeten, mich um Sie zu kümmern“. „Ach so. Hat der Herr Richter Mondheim Ihnen schon gesagt, dass ich mich demnächst verheiraten werde?“ Weiterlesen