Sopran

mezzo
Twitter
Follow me on Twitter

Ivar, das Schreckliche

“Erwachsen ist man, wenn man Ivar nur noch im Keller hat”, sagte vor gut 20 Jahren der ehemalige Mitbewohner. Vor Billy schützte das nicht. Billy war seriös, neutral, Billy war überall. Dank Ikea muss sich niemand für die Aufbewahrung seiner Bücher überschulden. Niemand zwischen wackeligen Bücherstapeln wohnen. Ich wohnte in einem Haus mit eingebauten Regalen, meine knapp 60 laufenden Meter Bücher füllten sie nicht mal zu einem Drittel. Dann zog ich um. Ein insgesamt vorteilhaftes Tauschgeschäft, selbst für die Einbauregale bekam ich hübschen Ersatz in Gestalt von modernen Quadratelementen, die ich mir sonst nicht hätte leisten können. Sie stehen im Wohnzimmer und beherbergen die Günstlinge unter den Büchern. Read the rest of this entry »

Empfehlung:

Frau Freitag investiert.

Verlag sagt sowas wie “irgendein Passfoto genügt” – welch Ignoranz der menschlichen Eitelkeit!Ich habe es aber gehalten, wie es Chuck Pahlaniuk in seinen “13 Writing Tips” empfiehlt: In jungen Jahren schon mal fotografieren lassen. Damals wollte ich mich, glaube ich, beim städtischen Bauamt bewerben. Also rufe ich Herrn Schafgans an. Herr Schafgans ist Anfang 80, und wer sich in Bonn woanders fotografieren lässt, ist selber schuld. Natürlich findet er die Negative sofort. “2003, nicht 2004″, berichtigt er mich. Die Kontaktabzüge von damals habe ich nicht mehr, die sind nach und nach zu Passfotos geworden. Also hin. Kafka ist tot, erinnere ich mich, als ich in den Laden komme. Read the rest of this entry »

Swingerbook

Do, 14.01.2010 – 22:24 — Waschlappen70

Solche Portale sind aus meiner Sicht, ein riesengroßer Swingerclub, der in Zukunft durch unendliche Versuchung das monogame Zusammenleben der Menschen unmöglich macht. Aber, ich kann es nur vom HörenSagen beurteilen, weil ich selbst noch nie einem Chat / Portal / soziales Werk beigetreten bin.

(Kommentar zum tagesschau.de-Interview mit Kathrin Passig über Facebook)

Chile 1, Santiago

Wie immer, also wie im Oktober 2001, nach Ankunft in Santiago erstmal zum Mercado Central, dieses Mal im strömenden Regen. Die Restaurantdrücker sprechen uns von allen Seiten an.

Don Augusto (das Augustin der Südhalbkugel) hat noch denselben deutschsprechenden Chilenen, der uns vor 8 Jahren das Ceviche gebracht hat. “Aus Bonn? Kennen Sie Weberstraße? Da wohnt mein Freund. Er heißt Norbert Blüm. Guter Freund, hat mir das Leben gerettet, ich war zum Tode verurteilt, er hat sich für mich eingesetzt.” Er verabschiedet uns mit den Worten: “Die Rente ist sicher.”

Chile 2001 (1)

Erst am Nachmittag sollte der Flug von La Serena zurück nach Santiago gehen, aus Gründen checkten wir schon morgens ein. Der Taxifahrer, der uns in die Stadt brachte, folgerte, dass Menschen ohne Gepäck sicher später am Tag wieder zurück wollten zum Flughafen. Wo und wann er uns wieder abholen solle, fragte er, und wir reagierten zögerlich, aber der Mann war nett und der Preis in Ordnung. Einigten uns also auf 14 Uhr und eine Stelle, die wir wiederfinden würden.Beim Aussteigen sagte er: “Zahlen können Sie dann heute Nachmittag”.

Nachricht des Tages

11-Uhr-Nachrichten, WDR 5

“Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe haben in Paderborn einen 300 Jahre alten Reisigbesen ausgegraben. Er befand sich in einer übelriechenden Latrine unter dem Gaukirchkloster am Markt.”

Hose, Schuhe, Tasche

Eingekauft, als hätte das Buch schon einen Verlag.

Hotel Zarenhof in der Eichendorffstraße. Der russische Concièrge: “Ich frage Bescheid, ob das Zimmer schon fertig”. Warum auch nicht. “Bescheid fragen” wird erstmals 2019 im Duden erscheinen.

Gestern noch eine Karte für Max Goldt erfragt. Freundliche Kasse, das Berliner Ensemble.

26. Februar 1926

Wir beide.

Warum ist Deine Nähe mir so nah!
Warum ist Deine Ferne mir so weit!

Weil ich in Dir, in Dir zum erstenmal den Menschen sah,
Der mich erlöst, der mich in Liebe, in unendlicher, umfing.
Warum nur bist Du mir in weiter Ferne
Warum nicht kommst und bleibst mir nah!
Ich soll wohl leiden, muss wohl büßen!

– Leiden. -

Doch Du bist zu mir gekommen, hast die Schuld, die längst vergebene,
endlich, endgültig von mir abgenommen.
Du reiner, großer, tiefer, lieber Freund.

Und so verschwandest Du! Ein zweitesmal und viele male
Sollt ich Dich nicht umfassen, an mich drücken
In heißer Lieb.

Und darum gingst Du. Ließt in Tränen mich zurück
und bist mir treu.
Und liebst mich, so unendlich, so über alle Maßen, – fühl ich.
Fühltest Dich glücklich schon in Deiner Liebe, – sagtest Du, -
Auch wenn sie nicht erwidert werden sollte! – -
Und ich? Ich muss Dich lieben, muss Dich haben!

Ich will Dir alles geben, – gab mich Dir, in reinster, höchster Liebessehnsucht.
Sie wurd erfüllt, sie ist erfüllt, und immer wieder neu
Wird sie sich erfüllen Dir und mir.

Ich will Dir alles sein. Ich bin es. Bin es!
Denn wenn Dich einer je verstand in Deinem starken Sehnen,
in Deinem reinen Willen, in Deinem Leid,
Bin ich es nicht?
- Wir lieben uns. Hast Du ein höh’res Glück schon je empfunden? – Nie!
- – Wir beide – .

Brief eines Knaben an einen Knaben

Weihnachten, na gut, dann eben doch.

Die Zwei darf den Bischofsstab halten, vielleicht übt sie für später.

Macht hoch die Tür, Stille Nacht, Es ist ein Ros entsprungen (339), Ich steh an Deiner Krippenhier, Heiligste Nacht (341), Heilig, Heilig, drei mal heilig (selbe Melodie) – alles schön und gut, aber je näher die Einschläge kommen, desto mehr sehe ich meine Felle schwimmen. Und nach 90 Minuten die erlösenden drei Ziffern:

340

Menschen, die ihr wart verloren.
My own private Weihnachtsfest.

(Abzulegen unter
Inseln, selige
Scheibe Erde
Holde Vögellieder)

340 und 341 übrigens beide von Christoph Bernhard Verspoell, um 1810. Von dem ist auch der Megahit “Fest soll mein Taufbund immer stehen”.


(und jetzt endlich allein, Weinflasche, Buch)