Buchmesse, aus dem Notizblog
8. October 2010 - 14:26 UhrVor zwei Jahren fuhr ich hin, um in der Nähe zu sein, wenn auf dem Katze-im-Sack-Markt das Bachmannbuch angeboten wird. Dieses Mal, um das kleine Bachmannbuch am großen Heyne-Stand zu besuchen.
Bis zum nächsten Jahr lerne ich Finnisch. Der nette junge finnische Verleger fragte mich in eine Phase großer Schläfrigk- und Schüchternheit und des Fremsprachenhaderns hinein nach Tipps für einzukaufende deutschsprachige Titel. Mir fiel auf die Schnelle nur Paulus Hochgatterer ein, wohl weil er Glattauer erwähnt hatte, von dem ich nichts gelesen habe. Verwechsle immer die Namen. Bzw. wenn einer Glattauer gesagt hat, fällt mir Hochgatterer nicht mehr ein. Danke, iPhone.
Die Buchmesse-Zeitung der FAZ ist in weiten Teilen (vermutlich denen, die erst in der Nacht geschrieben wurden) eine schlechte Bierzeitung. Merke: Allein die Erwähnung der Frisur von Sascha Lobo ist noch keine Pointe. Auch nicht bei vielfacher Wiederholung. Gleiches gilt für die Ohrläppchen von Hubert Winkels. Was kommt als nächstes? Die Ohren von Niki Lauda? Die Haare von Elke Heidenreich? Oder die Hautfarbe von Ijoma A. Mangold?


Nein: Es ist der Anzug von Ijoma A. Mangold (Buchmesse-Faz Tag drei). Nicht nötig zu erwähnen, dass der einwandfrei ist. Dafür wäre ich gerne ein Mann, um bei “Gelegenheiten” einfach auf einen perfekt sitzenden Anzug zurückgreifen zu können. Dann müsste ich nicht so lange überlegen, was ich zur Rowohlt-Party anziehe, um (wie die anderen Autorengestalten) genau so auszusehen, als hätte ich am morgen keinen Moment darüber nachgedacht, was ich anziehe.
“Wenn Sie keinen Alkohol vertragen, sollten Sie es lassen”, sagte ein Mann sehr unfreundlich zu einem anderen. Das war bei einer Happy Hour an einem Verlagsstand. Es fiel auch das Wort “Schmarotzer”, da war ich froh, dass sowieso schon fast alle Häppchen weg waren, als ich kam, trotz der Einladung, die mir noch jemand zugesteckt hatte. “Ich war schon auf der Buchmesse, da gab es Sie noch gar nicht”, ging es dann weiter. Prügel evtl. vor der Halle.
Das Nachdenken über die Partyklamotte war überflüssig, denn die Garnitur lag im Auto auf dem “Park & Sleep”-Platz am Rebstockgelände, und da kam ich zwischen Happy Hour und Rowohlt nicht mehr hin. Um nicht auf gieriges Häppchenstürzen angewiesen zu sein (Würde bewahren), aßen wir vorher ordentlich. Nachher tat es mir fast leid, so sehr satt zu sein, die Häppchen wurden in hoher Frequenz von freundlichen Kellnern angetragen, ich nahm eine Haltung ständigen Kopfschüttelns und Abwinkens ein.
Diese Leute, die zu bekannt sind, Scheck, Heidenreich, Schirrmacher, die haben es auch nicht leicht. Kann man ja mal behaupten, ist man ja nicht der erste, der sowas behauptet. Haben’s auch nicht leicht. Nänä. Heidenreich hat diesen Blick, als sie auf die Party weht, einen “guckt nur, ich guck nicht zurück”-Blick, warum eigentlich? Scheck gleitet wie auf Schienen hinein. “Der ist erst 45″, sagt jemand neben mir, und ich: “Jaha, aber der sieht mit 80 noch genauso aus, und dann siehst Du älter aus”.
Greser und Lenz!
Julia Mantel!
Wenn ich Fest hieße, hätte ich meinen Sohn auch Alexander genannt.




