Heuer jedoch nicht

Noch eine Woche bis Klagenfurt, und ich bin wider Erwarten noch gar nicht nervös. Hatte Entzugserscheinungen erwartet, aber als die Kandidaten mitgeteilt wurden, war ich fast erleichtert, mit der Sache in diesem Jahr nichts zu tun zu haben. Große Unlust, überhaupt eine Meinung dazu zu haben.
An der Einführung gewisser Netz-Rituale im Zusammenhang mit den Tddl bin ich möglicherweile nicht ganz unbeteiligt. Vor allem in Bezug auf mein Bachmannbloggen in den ersten Jahren (ab 2005) muss ich aber sagen: Das war in der Rückschau – vermutlich – genauso öde und/oder unfair wie manches aktuelle Bachmannbloggen. Was ihr auch macht: Weiterlesen

Versöhnlich oder halt nicht – Über Literaturkritk

(Ich hatte das erst nur in mein tumblr hineingeschrieben, aber das hier gibt es ja auch noch.)

Ein paar wenig geordnete Bemerkungen zum Rezensiergeschäft

Anlass: Rezension zu Steffen Kopetzky, Risiko, in der taz

http://taz.de/Abenteuergeschichte-im-1-Weltkrieg/!5203745/

Dass Literaturkritik keine exakte Wissenschaft ist, ist eh klar. Ein bisschen mehr als Geschmacksurteile sind Rezensionen aber doch. Nämlich fundierte Geschmacksurteile. Ich bin sehr dafür, dass Rezensentinnen ihre Kriterien offenlegen und ihre Wertungen mit Zitaten belegen. Beides funktioniert in der Praxis schon aus Platzmangel nicht immer (ehrlich gesagt, so gut wie nie).

Kriterien habe ich auch, viele davon habe ich in “Wie man den Bachmannpreis gewinnt” hineingeschrieben, andere in die “Automatische Literaturkritik”: Ich mache mir Gedanken darüber, was die Autorin erzählen will und welche erzählerischen Mittel sie dafür wählt. Wenn ich die Geschichte uninteressant finde, überlege ich, aus welchen Gründen andere Leser das anders sehen könnten. Muss ja deshalb noch kein überflüssiges Buch sein. Auch was die Sprache angeht. Ich bin Lakonikerin, wenn ich Texte überarbeite, muss ich aufpassen, dass nach dem dritten Durchgang nicht nur noch Dreiwortsätze übrig sind. (Ich kann auch “leichte Sprache”). Aber ich weiß, dass ein Text mit längeren Sätzen deshalb noch kein schlechter Text ist.

Es gibt unterschiedliche Lesertypen, auch unter Rezensenten. Zum Beispiel solche, die sich zu allem Beschriebenen sehr plastische Bilder machen. Solche Leser kommen oft mit Gewalt- und Ekelszenen nicht zurecht, weil sie ihnen zu nahe gehen. So eine Leserin bin ich nicht. Weiterlesen

Offener Brief an ORF, ORF Kärnten, 3sat Österreich

Unterzeichnen ist weiterhin möglich, ich kann die hinzugekommenen Namen aber nur verzögert einbauen. Text mit jeweils aktueller Liste

 

Wir missbilligen, dass Frau Strigl bei der Auswahl des neuen Juryvorsitzes der Tage der deutschsprachigen Literatur übergangen wurde.

Auch auf Wunsch der gesamten Bachmannpreis-Jury war Daniela Strigl im Januar vom hierfür zuständigen ORF Kärnten gefragt worden, ob sie bereit sei, den Juryvorsitz zu übernehmen. Im Juli gab sie dem ORF ihre Zusage. Vor wenigen Tagen erhielt sie vom ORF eine Absage.

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Sonett für Angela: Nobelpreis-Dankesrede 2031

 

Meine Damen und Herren, verehrte Geschöpfe,

ich danke Ihnen für diesen Preis.

Ich danke für klatschnasse Pinguinköpfe,

und für deren Schatten am Eis.

 

Ich danke für Hüte und Chormusik,

für Schornsteinfeger und Seife.

Ich freue mich auch über Quantenphysik,

auch wenn ich sie nicht begreife.

 

Ich danke für Malkunst in uralten Höhlen,

für Windräder, Mondkarten und Ukulelen,

für freundliche Menschen in Klagenfurt, die

 

auf Gummischwimmtieren entgleisten.

Ich danke der Schwedischen Akademie

und Angela Leinen am meisten.

 

Clemens J.  Setz

 

Es wird jetzt ein bisschen persönlich und ein bisschen allgemein. Und ein bisschen pathetisch.

Sibylle Lewitscharoff hat in Dresden eine Rede gehalten (Download als pdf hier): „Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod“. Sie hat einige wichtige Themen angesprochen. Die Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin und der Pränataldiagnostik können missbraucht werden. Sie können dazu führen, dass das perfekte Kind hergestellt werden soll. Sie können dazu führen, dass bestimmte Behinderungen aus unserer Welt weitgehend verschwinden. Und dazu – das geschieht bereits täglich – dass Eltern, die zum Beispiel ein Kind mit Trisomie 21 haben, gesagt bekommen, so etwas sei doch heute nicht mehr möglich. Weiterlesen

Tatort: Aus der Tiefe der Zeit (BR)

Nicht erschrecken!

Hier wird heute tatortgebloggt.

Dominik Graf also, ein richtiger bekannter Regisseur, was man daran erkennt, dass alle durcheinanderreden – der Leitmayer mit seinem Navigationssystem und mit dem Ivo per Freisprech, parallel zu irgendwelchen Leuten, die sich über eine plattgemachte Grundschule streiten. Sprengelbedarf. Baulöwe. Dazu Bilder wie von Instagram. Der Leitmayer wohnt in der Wohnung vom Mampfred in einer stillgelegten Nähmaschinenfabrik. Wasserschaden. Gentry, ick hör dir trapsen. Weiterlesen

Rangliste der Jury

Bachmannpreis fand in diesem Jahr für mich anderswo statt als hier, nämlich hier auf Taz online und hier bei Twitter und im Klagenfurter Lendhafen. Dazu eventuell später mehr.

Irgendwie taucht das Problem zum ersten Mal auf, oder ich habe es übersehen. Zähle jetzt Ingeborg-Bachmann-Preis mit 1,5 Punkten, weitere Preise mit je 1, jede zusätzliche Nominierung mit 0,5. Dieses Jahr auch mal Durchschnittswerte genommen. Weiterlesen

Rangliste der Jury

Eingetroffen in Klagenfurt, muss ich feststellen, es ist wie immer, nämlich: Wie immer. Ich bin mir inzwischen sicher, dass das hier nicht der letzte Bewerb ist. Trust me, ich habe schließlich auch in der Volltext-Ausgabe zum Wettbewerb die Farbe der Taschen richtig weisgesagt. Außerdem durfte ich etwas für den Standard über den Bachmannpreis und seine Beobachter im Internet schreiben. Weiterlesen

Frau Monschein geht. Als ob…

Frau Monschein

Als ob nicht Frau Monschein nach fast 12 Jahren Bachmannpreisorganisation zum Abschied mit Kärntnerliedern, wehmütigen Reden und Blumensträußen überhäuft worden wäre. Wenn es sich um eine normale Personalentscheidung handelte, wie mir die Pressestelle des ORF auf meine Frage weismachen wollte:
„Wir bitten um Verständnis, diese Entscheidung zu akzeptieren, dass es nach zwölf Jahren auch eine Änderung geben darf. Diese wurde auch nicht getroffen, weil die Arbeit von Frau Monschein rund um den Bachmannpreis angezweifelt wurde. Sie hat hervorragende Arbeit geleistet.“

Ich kann mir schon kaum vorstellen, dass es Tage der deutschsprachigen Literatur vor Frau Monschein gegeben haben soll, geschweige denn. Michaela Monschein hat einen eigenen Aggregatzustand, der es ihr erlaubt, praktisch fließend immer genau da zu sein, wo sie gebraucht wird. Weiterlesen