Frau Monschein geht. Als ob…

30. November 2012 - 14:22 Uhr

Frau Monschein

Als ob nicht Frau Monschein nach fast 12 Jahren Bachmannpreisorganisation zum Abschied mit Kärntnerliedern, wehmütigen Reden und Blumensträußen überhäuft worden wäre. Wenn es sich um eine normale Personalentscheidung handelte, wie mir die Pressestelle des ORF auf meine Frage weismachen wollte:
“Wir bitten um Verständnis, diese Entscheidung zu akzeptieren, dass es nach zwölf Jahren auch eine Änderung geben darf. Diese wurde auch nicht getroffen, weil die Arbeit von Frau Monschein rund um den Bachmannpreis angezweifelt wurde. Sie hat hervorragende Arbeit geleistet.”

Ich kann mir schon kaum vorstellen, dass es Tage der deutschsprachigen Literatur vor Frau Monschein gegeben haben soll, geschweige denn. Michaela Monschein hat einen eigenen Aggregatzustand, der es ihr erlaubt, praktisch fließend immer genau da zu sein, wo sie gebraucht wird. Dabei immer atemberaubend (aber nie aufdringlich) gekleidet, umgeben von einem sanften Leuchten. Frau Monschein schläft nie; während die anderen schlafen, hält sie ihre beruhigende Hand über die unruhigen Träume der Lesungskandidaten. Als wir aus dem Internet hervorkamen und das Pressecafé kaperten, erkannte Frau Monschein als erste, dass wir die wahren Bachmannsiegelbewahrer sind und behandelte uns als geladene Gäste. (Über ihre Arbeit plauderte Frau Monschein in diesem Jahr mit Wolfgang Tischer.)

Es ist nicht vorstellbar, dass Frau Monschein freiwillig ausgeschieden ist, und zumindest das behauptet auch niemand. Sie selber sagt nichts dazu. Fast niemand will etwas dazu sagen. Zusammen mit der Vorstellung des Nachfolgers Horst L. Ebner heißt es: 2013 bleibt alles wie bisher, 2014 soll es Änderungen geben. Ich spekuliere (nicht ganz aus der Luft gegriffen), dass Frau Monschein diese Änderungen nicht gewünscht hat. Der Bewerb solle “fetziger, poppiger, fernsehtauglicher – eine Art Castingshow für Literatur” werden, wird im österreichischen Standard zitiert.

Möglicherweise, so reime ich mir aus dem Geraune zusammen, liegt das Problem weniger in der Provinz (ORF Kärnten) als in der großen bunten Fernsehwelt (3sat). 2008 wurde von dort aus schon einmal versucht, den Bachmannpreis telegener zu machen. Der zuverlässig dezente, immer aufmerksame Ernst A. Grandits wurde als Moderator von Dieter Moor abgelöst, der selber schnell eingesehen hat, dass da zusammengepresst wird, was nicht zusammen gehört. Ein Lesungstag wurde abgeschafft, weniger Juroren (sieben statt neun), weniger Autoren (14 statt 18), weniger Zeit, die Preisermittlung wurde in die – haha – Prime Time am Samstagabend gelegt.  Kein einziger Zuschauer mehr vermutlich, dafür Gemaule von allen Seiten. Baden ging dabei das Baden, zum Beispiel: Keine Zeit mehr für das inoffizielle Bachmannwettschwimmen, keine Zeit mehr für das offizielle Fußballspiel ORF gegen FC Literatur. Frau Monschein, die bis dahin die Stimmzettel eingesammelt und Herrn Grandits beim Auszählen geholfen hatte, verschwand von der Bühne und wirkte nur noch im Hintergrund. Ab 2009 war dann alles wieder fast wie früher, nur Grandits und Frau Monschein kamen nicht zurück vor die Kamera, die Mittagspause war weg, und es blieb bei sieben Juroren und 14 Autoren. (1977, im ersten Jahr, waren es 13 Juroren und 23 Autoren.)

Die Tage der deutschsprachigen Literatur sind ein Fernsehereignis aus einer anderen Zeit. Sie sind langsam. Was wollen diese Fernsehleute? Literatur in 3-Minuten-Clips? Vorgelesen von gecasteten Autorendarstellern? Jurykommentare von Brainpool? Soll aus “Die Wanderhure n+1″ vorgelesen werden? Wäre das neue FAS-Literaturkaplänchen Thomas Gottschalk nicht ein guter Jury-Vorsitzender? Oder lassen sie es immer weniger werden, noch weniger Autoren, noch weniger Sendezeit, am liebsten nach Mitternacht, bis sie sagen können: Es schaut ja eh keiner mehr.

Literatur ist ein Randgruppenphänomen, das werden Sie nicht ändern können. Literatur ist fetzig und poppig allenfalls aus sich selbst. Lassen Sie uns bitte den Bachmannpreis in seiner alten Form. Denn die offene Diskussion über Literatur ist die einzig sinnvolle Art der Literaturvermittlung im Fernsehen: Literarisches Quartett funktioniert, Das blaue Sofa funktioniert nicht. Und schließlich zahlen wir doch unsere Gebühren gerade dafür, dass es noch Randgruppenfernsehen gibt. Für mich. Für meine Steuerberaterin. Für diesen Orgelprofessor. Für die #tddl-Twitterer. Für all die anderen handvoll Leute, die sich jedes Jahr zwei Tage frei nehmen, um sich die Lesungen und Diskussionen anschauen zu können. Die sich alle ausschließlich für die Lesungen, die Autoren und die Jurydiskussion interessieren und vom Drumherum nicht erwarten, dass es fotzig und peppig ist, sondern nur dies: Dass es nicht stört.

Frau Monschein, ich danke Ihnen für sieben Mal fünf schöne Sommertage in Klagenfurt, für die Unterstützung des kleinen Bachmannbuches und Ihre anmutige Omnipräsenz!

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Innenstadtaufwertung mit Amazon

23. November 2012 - 14:38 Uhr

Jetzt Katzenjammer, weil der Buchladen zumacht, der früher Bouvier, Röhrscheid, dieser eine Künstlerbedarfladen Strömer + Emons und noch ein paar Andere war. Die Maßstäbe von Gut und Böse verschoben sich über die Jahrzehnte. Heute ist Thalia, dieser Laden, der das Metropol erhalten und der Innenstadt ein ganz gutes Café mit schöner Aussicht verpasst hat, ein bisschen böse, aber doch noch lange nicht so böse wie Amazon oder gar das E-Book. Weiterlesen »

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31. August 2012 - 09:00 Uhr

Am 31. August ist Weltaltglastag.

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Rangliste der Jury – 2012

8. Juli 2012 - 11:46 Uhr

Hier die Rangliste der Jury

1. Burkhard Spinnen (12 Jahre: 2000-2006 und 2008-)

7 Preise (gewann 1992 selbst Stipendium der Kärntner Industrie mit einem Text, in dem eine Rheinbrücke und eine sehr große Wasserwaage vorkommt, 2005 Thomas Lang/Bachmann, 2004 Arne Roß/Jury, 2004 Simona Sabato/Willner, 2008 Patrick Findeis/3Sat, 2009 Petersen/Bachmann, 2012 Inger-Maria Mahlke/Ernst Willner)
12 Shortlist-Kandidaten (+2003 Gregor Hens, 2006 Thomas Melle, 2009 Caterina Satanik, 2010 Daniel Mezger, 2012 Stefan Moster, Inger-Maria Mahlke) Weiterlesen »

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Bachmannpreis 2012, 1. Lesungstag

5. Juli 2012 - 16:31 Uhr

Es ist alles wie immer, fast alles wie immer. Unterschiede: 1. Ich bin nicht vorbereitet. 2. Frau Passig und ich reisen mit dem Kanu vom Hotel zum Lesunggucken. 3. Public Viewing am Lendhafen – bis zum Theater bin ich nicht gekommen.

Auf dem Weg in die Stadt begleitet uns eine Dame auf ihrem Fahrrad. Sie muss langsam fahren, mit dem Kanu sind wir wohl bei 5 km/h. Weiterlesen »

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Rangliste der Jury

4. Juli 2012 - 14:46 Uhr

Damit Sie nicht suchen müssen:
Hier die Rangliste der Jury

1. Burkhard Spinnen (11 Jahre: 2000-2006 und 2008-2011)

6 Preise (2005 Thomas Lang/Bachmann, 2004 Arne Roß/Jury, 2004 Simona Sabato/Willner, gewann 1992 selbst Stipendium der Kärntner Industrie mit einem Text, in dem eine Rheinbrücke und eine sehr große Wasserwaage vorkommt, 2008 Patrick Findeis/3Sat, 2009 Petersen/Bachmann)
9 Shortlist-Kandidaten (+Gregor Hens 2003, Thomas Melle 2006, Satanik 2009, Mezger 2010) Weiterlesen »

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Bachmannpreis 2012

4. Juli 2012 - 14:43 Uhr

Hust.
Staubig hier.
Hat denn hier keiner saubergemacht?

Jedenfalls: Ich bin jetzt in Klagenfurt, es ist alles wie immer, ich werde davon berichten.

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Tatort: Hinkebein (WDR)

11. März 2012 - 21:21 Uhr

Schöne Küche, aber Eierlikör im Kühlschrank. Sie aber greift zum Wein, Alkoholproblem.

Da hat sich ein Dreitagebart-Lederjacken-Alter-Bekannter eingeschlichen und hat mit der jungen Frau was zu besprechen.

Ist das dieselbe, die jetzt Börne auf seinen – sorry, aber wie soll man das sonst nennen? – Fotzenbart anspricht. Ist Gesichtsblindheit ansteckend? Zu viel mit Frau Passig unterwegs gewesen? Oder sehen sich blonde Schauspielerinnen heutzutage immer ähnlicher? Weiterlesen »

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Ivar, das Schreckliche

1. März 2012 - 19:37 Uhr

“Erwachsen ist man, wenn man Ivar nur noch im Keller hat”, sagte vor gut 20 Jahren der ehemalige Mitbewohner. Vor Billy schützte das nicht. Billy war seriös, neutral, Billy war überall. Dank Ikea muss sich niemand für die Aufbewahrung seiner Bücher überschulden. Niemand zwischen wackeligen Bücherstapeln wohnen. Ich wohnte in einem Haus mit eingebauten Regalen, meine knapp 60 laufenden Meter Bücher füllten sie nicht mal zu einem Drittel. Dann zog ich um. Ein insgesamt vorteilhaftes Tauschgeschäft, selbst für die Einbauregale bekam ich hübschen Ersatz in Gestalt von modernen Quadratelementen, die ich mir sonst nicht hätte leisten können. Sie stehen im Wohnzimmer und beherbergen die Günstlinge unter den Büchern. Weiterlesen »

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Ruhig hier

9. Dezember 2011 - 10:30 Uhr

Mal sehen, wann ich wieder was zu Bloggen habe.
Gelegentlich schreibe ich etwas in google+ hinein.
Vielleicht möchten Sie mir auch dort folgen.

….

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