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Offener Brief an ORF, ORF Kärnten, 3sat Österreich

Unterzeichnen ist weiterhin möglich, ich kann die hinzugekommenen Namen aber nur verzögert einbauen. Text mit jeweils aktueller Liste

 

Wir missbilligen, dass Frau Strigl bei der Auswahl des neuen Juryvorsitzes der Tage der deutschsprachigen Literatur übergangen wurde.

Auch auf Wunsch der gesamten Bachmannpreis-Jury war Daniela Strigl im Januar vom hierfür zuständigen ORF Kärnten gefragt worden, ob sie bereit sei, den Juryvorsitz zu übernehmen. Im Juli gab sie dem ORF ihre Zusage. Vor wenigen Tagen erhielt sie vom ORF eine Absage.

Wir kennen die Gründe für diese Entscheidung nicht, können uns aber nicht vorstellen, dass diese nicht schon im Juli hätten bekannt sein können. Daniela Strigl, die sich bei der Abschaffungsdiskussion im Jahr 2013 leidenschaftlich für den Erhalt der “Tage der deutschsprachigen Literatur” eingesetzt hatte, wäre eine gute Vorsitzende geworden.

Wir verstehen gut, dass sich Daniela Strigl nach diesem Affront ganz aus der Jury zurückzieht.

Daniela Strigl urteilt messerscharf, unterhaltsam, kompromisslos in der Sache, ohne die Autoren je persönlich anzugehen. Beim diesjährigen Bewerb wurde sie per Umfrage vom Weblog “Literaturcafe” zur “Beliebtesten Jurorin 2014” gekürt.

Sie wird uns und dem Bewerb sehr fehlen!

Unter den 140 Unterzeichnern sind – neben Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, den Bachmannpreisträgern Kathrin Passig und Tex Rubinowitz, den Preisträgern der Leipziger Buchmesse Saša Staniši? und Clemens Setz – auch Mit-Juror Hubert Winkels, die Ex-Juroren Klaus Nüchtern und Karin Fleischanderl, etliche BachmannpreisteilnehmerInnen und -preisträgerInnen, AutorInnen und Mitglieder des Literaturbetriebs, aber auch nicht-professionelle Literaturbegeisterte, Blogger und Twitterer. Frau Strigl ist in den sozialen Netzwerken – obwohl selber dort nicht aktiv – sehr beliebt.

Was wir an Daniela Strigl schätzen und lieben, haben Kathrin Passig (Ingeborg-Bachmann-Preis 2006) und Clemens J. Setz (Ernst-Willner-Preis 2008) in Sonette gefasst:

 

Wie es halt leider so ist

von Kathrin Passig

Es gibt sehr gute Wesen. Etwa Schnabeligel,

Schlammspringer, Molche, Ottern, Olme, Pfauenaugen

(Wenn sie auch gleich als Kritiker nicht so viel taugen)

Das beste unter ihnen ist Daniela Strigl.

 

Ja, besser als der Bilch. Auch besser als ein Beagle.

Und könnte man nur alles, was sie sagt, aufsaugen

Es würde aus dem eignen Pfusch, dem ungenaugen

Ein kluges Werk, und nicht nur so ein Hingebiegel.

 

Das sieht nicht jeder so. Und damit muss man leben.

Es gibt auch Menschen, die der Rüsselhund verdrießt,

Der Biber kalt lässt. Traurig, doch so ist es eben:

 

Dass sich das Richtige nicht allgemein erschließt.

Es reicht ja auch, dass nur die meisten Herzen beben,

Wenn man den Namen Daniela Strigl liest.

 

Protestsonett auf den Verlust von Daniela Strigl als Jurorin des Bachmannwettbewerbs

von Clemens J. Setz

Wie schaun wir drein, in jedem Sommer, wenn

Daniela Strigl vor uns steht und spricht?

Wie Sonnenblumen, high von Sonnenlicht.

Wir kichern, tänzeln, scheu wie Teenies. Nenn

 

mir einen andren Menschen im Betrieb,

der ähnlich uns verzaubert und beglückt!

Der uns mit seinem Charme und Geist entzückt,

dem manch ein Autor heimlich Verse schrieb…

 

Der ORF hat viel zu viel verlernt.

Der Bachmannpreis ist wie ein alter Hund,

der sich sein eignes Bein im Schlaf zerkaut,

 

und nun hat er noch sein Gehirn entfernt.

Frau Strigl ist perfekt. Sie ist der Grund,

weshalb man einmal jährlich 3sat schaut.

 

Unterzeichnet haben unter anderen:

  • Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek
  • Klaus Nüchtern, Mitglied der Jury der Tage der deutschsprachigen Literatur 2004-2008
  • Karin Fleischanderl, Mitglied der Jury der Tage der deutschsprachigen Literatur 2009-2010
  • Hubert Winkels, Mitglied der Jury der Tage der deutschsprachigen Literatur seit 2010
  • die Bachmannpreisträger Tex Rubinowitz (2014) und Kathrin Passig (2006)
  • die Preisträger der Leipziger Buchmesse Saša Staniši?, Clemens Setz und Robin Detje
  • ehemalige Teilnehmer und Preisträger der Tage der deutschsprachigen Literatur und des Klagenfurter Literaturkurses: Saša Staniši? und Clemens Setz, Olga Flor, Martin Fritz, Hanna Lemke, Silvia Szymanski, Nadine Kegele, Martina Hefter, Cornelia Travnicek, Christiane Neudecker, Lydia Mischkulnig, Jan Böttcher, Kathrin Röggla, Julya Rabinowich, Romana Ganzoni, Heike Geißler, Inger-Maria Mahlke, Paul Brodowsky, Karsten Krampitz, Gerhild Steinbuch, Heinz Helle, Angelika Reitzer
  • weitere Autoren, z.B. Judith Schalansky, Pia Ziefle, Monika Rinck, Marion Brasch und Hanser-Verleger Jo Lendle

 

Soli-Treffen für Daniela Strigl

Solidaritätstreffen auf der Frankfurter Buchmesse, Freitag, 10.10., 11.30 Uhr, Halle 4.1 Q 65 außerhalb des Pressezentrums (leerer Gang). Es wird eine Solidaritäts-/Protestnote, verlesen und unterzeichnet, die je ein Sonett von Clemens J. Setz und Kathrin Passig enthält.

Wer bereits auf Vertrauen online mitzeichnen will kann dies unter dem folgenden link tun:

Protest-/Solidaritätsnote unterzeichnen

Der fertige Text wird morgen früh hier und anderswo veröffentlicht.

Wer in den (Presse-)Mailverteiler zu dieser Aktion aufgenommen werden will oder Fragen zur Aktion hat: Read the rest of this entry »

Presseerklärung von Daniela Strigl

Im Jänner dieses Jahres, als Burghard Spinnen seinen Rückzug als Vorsitzender der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises intern bekanntgab, wurde ich vom ORF Kärnten als Veranstalter gefragt, ob ich Spinnens Nachfolge antreten wolle. Man sagte mir, man wolle den Vorsitz wieder einmal an eine Frau und nach Österreich vergeben, und dies sei auch in Spinnens Sinne.

Im Juli kam von mir die fixe Zusage, vor einigen Tagen fand in Wien eine Sitzung unter Beteiligung der österreichischen 3SAT-Leitung statt, und jetzt hat man mich wieder ausgeladen. Hubert Winkels soll der künftigen Jury vorsitzen. Er wird das bestimmt hervorragend machen. Ich aber erlaube mir, die Vorgangsweise des ORF als unfein zu betrachten und den jetzigen Zeitpunkt als den passenden, um mich aus der Jury zurückzuziehen.

Mit den besten Wünschen für diese letzte große Bastion der Literatur im Fernsehen und mit herzlichem Dank an alle Beteiligten innerhalb und außerhalb der Jury – vor allem an alle Autorinnen und Autoren, ohne deren Mut es den Bachmannpreis nicht gäbe.

Daniela Strigl

__________________________________________

Nachtrag, 12.10.2014:

Den Offenen Brief gegen die Ausbootung von Frau Strigl als Juryvorsitzende haben bis dato fast 200 Personen unterzeichnet, darunter Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die Bachmannpreisträger Kathrin Passig und Tex Rubinowitz, die Preisträger der Leipziger Buchmesse Saša Staniši? und Clemens J. Setz, Mit-Juror Hubert Winkels, die Ex-Juroren Klaus Nüchtern und Karin Fleischanderl, die TddL-/Literaturkurs-Teilnehmer Olga Flor, Clemens Setz, Martin Fritz, Hanna Lemke, Silvia Szymanski, Nadine Kegele, Martina Hefter, Cornelia Travnicek, Christiane Neudecker, Lydia Mischkulnig, Saša Staniši?, Jan Böttcher, Kathrin Röggla, Julya Rabinowich, Romana Ganzoni, Heike Geißler, Inger-Maria Mahlke, Paul Brodowsky, Karsten Krampitz, Gerhild Steinbuch, Heinz Helle.

 

Protest-/Solidaritätsnote unterzeichnen

Der fertige Text wird morgen früh hier und anderswo veröffentlicht.

Wer in den (Presse-)Mailverteiler zu dieser Aktion aufgenommen werden will oder Fragen zur Aktion hat, kann sich bei mir melden: Read the rest of this entry »

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Sonett für Angela: Nobelpreis-Dankesrede 2031

 

Meine Damen und Herren, verehrte Geschöpfe,

ich danke Ihnen für diesen Preis.

Ich danke für klatschnasse Pinguinköpfe,

und für deren Schatten am Eis.

 

Ich danke für Hüte und Chormusik,

für Schornsteinfeger und Seife.

Ich freue mich auch über Quantenphysik,

auch wenn ich sie nicht begreife.

 

Ich danke für Malkunst in uralten Höhlen,

für Windräder, Mondkarten und Ukulelen,

für freundliche Menschen in Klagenfurt, die

 

auf Gummischwimmtieren entgleisten.

Ich danke der Schwedischen Akademie

und Angela Leinen am meisten.

 

Clemens J.  Setz

 

Es wird jetzt ein bisschen persönlich und ein bisschen allgemein. Und ein bisschen pathetisch.

Sibylle Lewitscharoff hat in Dresden eine Rede gehalten (Download als pdf hier): “Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod”. Sie hat einige wichtige Themen angesprochen. Die Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin und der Pränataldiagnostik können missbraucht werden. Sie können dazu führen, dass das perfekte Kind hergestellt werden soll. Sie können dazu führen, dass bestimmte Behinderungen aus unserer Welt weitgehend verschwinden. Und dazu – das geschieht bereits täglich – dass Eltern, die zum Beispiel ein Kind mit Trisomie 21 haben, gesagt bekommen, so etwas sei doch heute nicht mehr möglich. Read the rest of this entry »

Tatort: Aus der Tiefe der Zeit (BR)

Nicht erschrecken!

Hier wird heute tatortgebloggt.

Dominik Graf also, ein richtiger bekannter Regisseur, was man daran erkennt, dass alle durcheinanderreden – der Leitmayer mit seinem Navigationssystem und mit dem Ivo per Freisprech, parallel zu irgendwelchen Leuten, die sich über eine plattgemachte Grundschule streiten. Sprengelbedarf. Baulöwe. Dazu Bilder wie von Instagram. Der Leitmayer wohnt in der Wohnung vom Mampfred in einer stillgelegten Nähmaschinenfabrik. Wasserschaden. Gentry, ick hör dir trapsen. Read the rest of this entry »

Rangliste der Jury

Bachmannpreis fand in diesem Jahr für mich anderswo statt als hier, nämlich hier auf Taz online und hier bei Twitter und im Klagenfurter Lendhafen. Dazu eventuell später mehr.

Irgendwie taucht das Problem zum ersten Mal auf, oder ich habe es übersehen. Zähle jetzt Ingeborg-Bachmann-Preis mit 1,5 Punkten, weitere Preise mit je 1, jede zusätzliche Nominierung mit 0,5. Dieses Jahr auch mal Durchschnittswerte genommen. Read the rest of this entry »

Rangliste der Jury

Eingetroffen in Klagenfurt, muss ich feststellen, es ist wie immer, nämlich: Wie immer. Ich bin mir inzwischen sicher, dass das hier nicht der letzte Bewerb ist. Trust me, ich habe schließlich auch in der Volltext-Ausgabe zum Wettbewerb die Farbe der Taschen richtig weisgesagt. Außerdem durfte ich etwas für den Standard über den Bachmannpreis und seine Beobachter im Internet schreiben. Read the rest of this entry »

Frau Monschein geht. Als ob…

Frau Monschein

Als ob nicht Frau Monschein nach fast 12 Jahren Bachmannpreisorganisation zum Abschied mit Kärntnerliedern, wehmütigen Reden und Blumensträußen überhäuft worden wäre. Wenn es sich um eine normale Personalentscheidung handelte, wie mir die Pressestelle des ORF auf meine Frage weismachen wollte:
“Wir bitten um Verständnis, diese Entscheidung zu akzeptieren, dass es nach zwölf Jahren auch eine Änderung geben darf. Diese wurde auch nicht getroffen, weil die Arbeit von Frau Monschein rund um den Bachmannpreis angezweifelt wurde. Sie hat hervorragende Arbeit geleistet.”

Ich kann mir schon kaum vorstellen, dass es Tage der deutschsprachigen Literatur vor Frau Monschein gegeben haben soll, geschweige denn. Michaela Monschein hat einen eigenen Aggregatzustand, der es ihr erlaubt, praktisch fließend immer genau da zu sein, wo sie gebraucht wird. Read the rest of this entry »

Innenstadtaufwertung mit Amazon

Jetzt Katzenjammer, weil der Buchladen zumacht, der früher Bouvier, Röhrscheid, dieser eine Künstlerbedarfladen Strömer + Emons und noch ein paar Andere war. Die Maßstäbe von Gut und Böse verschoben sich über die Jahrzehnte. Heute ist Thalia, dieser Laden, der das Metropol erhalten und der Innenstadt ein ganz gutes Café mit schöner Aussicht verpasst hat, ein bisschen böse, aber doch noch lange nicht so böse wie Amazon oder gar das E-Book. Read the rest of this entry »