Sopran

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Innenstadtaufwertung mit Amazon

Jetzt Katzenjammer, weil der Buchladen zumacht, der früher Bouvier, Röhrscheid, dieser eine Künstlerbedarfladen Strömer + Emons und noch ein paar Andere war. Die Maßstäbe von Gut und Böse verschoben sich über die Jahrzehnte. Heute ist Thalia, dieser Laden, der das Metropol erhalten und der Innenstadt ein ganz gutes Café mit schöner Aussicht verpasst hat, ein bisschen böse, aber doch noch lange nicht so böse wie Amazon oder gar das E-Book. Read the rest of this entry »

Zustände

- nach Fahnenkorrektur: Zufrieden über das starrsinnige Beharren auf Arno-Schmidt-Interpunktion in Arno-Schmidt-Zitaten, unzufrieden über das Auslassen von mindestens drei, vier Durchgängen vor Manuskriptabgabe. Fahnenkorrektur ist sowas wie “The Slalom” beim Tough Guy Race – braucht ein gewisses Durchhaltevermögen, bei ausreichender Vorbereitung wäre alles einfacher, und wenn man hier abkürzt, zeigen sie nachher mit Fingern auf einen. Der Setzer soll nicht meine Versäumnisse vom Januar ausbaden. Read the rest of this entry »

Verlag sagt sowas wie “irgendein Passfoto genügt” – welch Ignoranz der menschlichen Eitelkeit!Ich habe es aber gehalten, wie es Chuck Pahlaniuk in seinen “13 Writing Tips” empfiehlt: In jungen Jahren schon mal fotografieren lassen. Damals wollte ich mich, glaube ich, beim städtischen Bauamt bewerben. Also rufe ich Herrn Schafgans an. Herr Schafgans ist Anfang 80, und wer sich in Bonn woanders fotografieren lässt, ist selber schuld. Natürlich findet er die Negative sofort. “2003, nicht 2004″, berichtigt er mich. Die Kontaktabzüge von damals habe ich nicht mehr, die sind nach und nach zu Passfotos geworden. Also hin. Kafka ist tot, erinnere ich mich, als ich in den Laden komme. Read the rest of this entry »

Bilderbuchwetter gestern wie heute: Wie aus der Kinderbibel, Kapitel: “Noah baut ein Schiff”.

Das Loch in Köln wird größer, als nächstes fällt die Schule rein. Steigender Rheinpegel -> steigender Grundwasserspiegel. Köln wird nach und nach in dieses Loch fallen und sich auf dem Wasserweg abtransportieren.

Lieber zugezogene Brauchtumsbenutzer

1. Maibäume sind nicht mit Namen zu versehen, weder mit Empfänger- (“für Jule”) noch mit Absendernamen (“Dein Thorben”). Das gilt auch und gerade für Maibäume vor Mehrparteienobjekten oder Mehrtöchterhaushalten. Das Raten für und von wem gehört zum Brauchtum.

2. Einen Brauch, dass alle vier Jahre die Mädchen den Jungen einen Maibaum stellen, gibt es nicht.

3. Maibäume sind am 31. Mai vom Maibaumsteller a b z u h o l e n und nach Empfang des Belohnungs-Bierkastens zu entsorgen.

4. Geh doch wo du wohnst.

Tempelhof

Flughafen Tempelhof

26. Februar 1926

Wir beide.

Warum ist Deine Nähe mir so nah!
Warum ist Deine Ferne mir so weit!

Weil ich in Dir, in Dir zum erstenmal den Menschen sah,
Der mich erlöst, der mich in Liebe, in unendlicher, umfing.
Warum nur bist Du mir in weiter Ferne
Warum nicht kommst und bleibst mir nah!
Ich soll wohl leiden, muss wohl büßen!

– Leiden. -

Doch Du bist zu mir gekommen, hast die Schuld, die längst vergebene,
endlich, endgültig von mir abgenommen.
Du reiner, großer, tiefer, lieber Freund.

Und so verschwandest Du! Ein zweitesmal und viele male
Sollt ich Dich nicht umfassen, an mich drücken
In heißer Lieb.

Und darum gingst Du. Ließt in Tränen mich zurück
und bist mir treu.
Und liebst mich, so unendlich, so über alle Maßen, – fühl ich.
Fühltest Dich glücklich schon in Deiner Liebe, – sagtest Du, -
Auch wenn sie nicht erwidert werden sollte! – -
Und ich? Ich muss Dich lieben, muss Dich haben!

Ich will Dir alles geben, – gab mich Dir, in reinster, höchster Liebessehnsucht.
Sie wurd erfüllt, sie ist erfüllt, und immer wieder neu
Wird sie sich erfüllen Dir und mir.

Ich will Dir alles sein. Ich bin es. Bin es!
Denn wenn Dich einer je verstand in Deinem starken Sehnen,
in Deinem reinen Willen, in Deinem Leid,
Bin ich es nicht?
- Wir lieben uns. Hast Du ein höh’res Glück schon je empfunden? – Nie!
- – Wir beide – .

Brief eines Knaben an einen Knaben

Teufelsbraten (Brahmswochen IV)

Jetzt auf arte – Mittwoch und Donnerstag jeweils 20.15 Uhr im Ersten:

Teufelsbraten, die Verfilmung von Das verborgene Wort von Ulla Hahn.

Gerade tritt Harald Schmidt als Wäschevertreter auf. Auch sonst toll besetzt Read the rest of this entry »

Apropos

Durch Rheydt schlendernd, dachte ich: Wenn ich mal das Bedürfnis habe, irgendwo tot überm Zaun zu hängen, dann fahre ich dafür doch lieber nach Bad Oeynhausen.

schrieb ich vorgestern und palaverte gestern Nacht in Düsseldorf mit Kathrin und Aleks über Vor- und Nachteile der Mittelmäßigkeit von Städten. Dass schöne Städte, Dom und so, die Leute nicht so zum Kriegführen anregen, mutmaßte Aleks, worauf ich ins Blaue zustimmte, es sei ja auch kein hoher Nazi aus Köln gekommen. Dafür aber einer aus Rheydt. Lässt sich hoffentlich nicht übertragen. Wir bestellten dann lieber noch ein Bier und wälzten Theorien über die Ursachen von Trennungen und Scheidungen. Soziologisch, nicht individuell. Arbeitsbereich “Mutmaßungen über Unwissen.”

Rastspielhölle

Früher als befürchtet endete mein Gerichtstermin gestern morgen in der niederrheinischen Kleinstadt. Der vorgeführte Zeuge machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht gebraucht, als Ehemann der Beklagten. Das ist alles eine mutmaßliche Betrügerbande, Kläger, Beklagte, Zeugen, Abschleppdienst, Werkstatt usw. Der Gerichtsvollzieher hatte den Zeugen nur ungern zuhause abgeholt (Vorführung angeordnet, weil mehrmals nicht erschienen). Der sei vor Ort “einschlägig” bekannt. Einschlägig wörtlich zu nehmen. Der Zeuge ließ sich also noch die Rückfahrt bezahlen (Hinfahrt war ja umsonst), die Sache wird jetzt im schriftlichen Verfahren entschieden.

Durch Rheydt schlendernd, dachte ich: Wenn ich mal das Bedürfnis habe, irgendwo tot überm Zaun zu hängen, dann fahre ich dafür doch lieber nach Bad Oeynhausen.

Zu früh für den Friseur, zu spät, noch zu Hause oder im Büro vorbeizufahren, machte ich Pause am Rasthof Frechen. Dort gibt es Segafredo Kaffee, auch wenn es nicht an der Ausfahrt steht. Auf der A3 im Westerwald schreiben sie es inzwischen dran, und da ist es nur Lavazza. Eine sinnvolle Information. Segafredo in Frechen wusste ich aber schon. Zusätzlicher Service: Dort hängt die FAZ aus, dreifach. Ich löste zum Cappuccino das Kreuzworträtsel locker durch. Gegenüber saß ein Herr um fünfzig, sehr adrett, wahrscheinlich ein Kollege aus dem Bereich Mergers and Aquisition, gepflegter Schnäuzer. Am Geldspielautomaten. Stammkunde?