Sopran

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Tatort: Aus der Tiefe der Zeit (BR)

Nicht erschrecken!

Hier wird heute tatortgebloggt.

Dominik Graf also, ein richtiger bekannter Regisseur, was man daran erkennt, dass alle durcheinanderreden – der Leitmayer mit seinem Navigationssystem und mit dem Ivo per Freisprech, parallel zu irgendwelchen Leuten, die sich über eine plattgemachte Grundschule streiten. Sprengelbedarf. Baulöwe. Dazu Bilder wie von Instagram. Der Leitmayer wohnt in der Wohnung vom Mampfred in einer stillgelegten Nähmaschinenfabrik. Wasserschaden. Gentry, ick hör dir trapsen. Read the rest of this entry »

Tatort: Hinkebein (WDR)

Schöne Küche, aber Eierlikör im Kühlschrank. Sie aber greift zum Wein, Alkoholproblem.

Da hat sich ein Dreitagebart-Lederjacken-Alter-Bekannter eingeschlichen und hat mit der jungen Frau was zu besprechen.

Ist das dieselbe, die jetzt Börne auf seinen – sorry, aber wie soll man das sonst nennen? – Fotzenbart anspricht. Ist Gesichtsblindheit ansteckend? Zu viel mit Frau Passig unterwegs gewesen? Oder sehen sich blonde Schauspielerinnen heutzutage immer ähnlicher? Read the rest of this entry »

Tatort: Lohn der Arbeit (ORF)

Da sitzen zwei Männer, deren Sprache ich nicht einordnen kann (ein Slawenkisch) im Wald. Der Jüngere lässt das Schraubglas fallen, der Ältere sagt (behauptet der Untertitel): Jetzt haben wir nichts mehr zu Essen.
In Wien hängt ein Mann kopfunter vom Baukran. Vorher mit einer großen Eisenstange erschlagen. Der Eisner hat Krücken, das Büro renoviert. In JEDEM Tatort-Kommissariat wird irgendwann das Büro renoviert. In manchem öfter, scheint mir.
Eisner ist besoffen eine Treppe runtergefallen.
Drum.
Trägt er rechts eine Sandale. Read the rest of this entry »

Polizeiruf 110: “Die verlorene Tochter”

Waldkindergarten oder normaler Spielplatzbesuch? Die kleine Michelle, roter Mantel, Gummistiefel, folgt einem Igel. Dann ist sie verschwunden.

Wo kommt dieser Polizeiruf her? Neue Kommissarin in Brandenburg? Sie besucht eine Zelle, Staffelei, Kunst, Schränke voll. Wo ist der Insasse? Vom Freigang nicht zurückgekehrt. Die Kommissarin ist eitel, sie setzt die Brille nur auf, wenn es nötig ist und verwackelt dann schwer beim Blick-über-Bücherrücken-schweifenlassen. Komische Kameraführung bisher: Wackelkamera, Ruckelzoom. Sorry, Dogma hin oder her: Stativ oder Schulterstütze wäre schön. Das ist ja fast, als hätte ich das gedreht.

(Ich habe dieses Wochenende viel über Fehler beim Filmen gelernt, als ich meine gesammelten Videoclips neu sortiert habe. Seufz.) Read the rest of this entry »

Tatort: Im Abseits (SWR)

Ich schalte zehn Minuten zu spät zu, da liegt die türkischstämmige Fußballspielerin schon auf dem Tisch. Eine Sächsin ruft beim DFB an, da sitzt der Herr Zwanziger mit dem Herrn Löw am Tisch. Liebe Tatortregisseure, könnt Ihr euch nicht merken, dass Fußballfunktionäre keine Schauspieler sind? Die Szene erinnert jedenfalls an Holzigkeit an den legendären Kaninchenauftritt von Berti Voigts.

Könnte mir mal jemand die ersten zehn Minuten rasch zusammenfassen? Das wäre schön.

Steffi Jones auch. Warme Worte von Theo Zwanziger an die Mannschaft. Danke, lieber Theo. Aufbaurede der sächsischen Trainerin (“Sonnahmd”) an die Mannschaft, betroffenes Kopfnicken von Steffi Jones. Aber das kann man denen ja nicht vorwerfen, Ulrike Folkerts spielt auch nicht besser.

Kommt irgendwo was Anderes?

Tatort: Gestern war kein Tag (BR)

Titel bezieht sich bestimmt darauf, dass der Opa Alzheimer hat. Der will nämlich “drei von denen da”. “Knödel, Opa, Knödel”. “Egal, hauptsache drei”.

Die ausländische Arbeiterin ist von der Leiter gefallen, Armweh. Andere dunkelhaarige junge Frau stürzt aus der Küche zum Helfen. Mann kommt mit Auto und bringt sie weg nach Schimpfen. Russinnen?Glaserei. Der Opa (Günther-Maria Halmer) bleiverglast vor sich hin, es gibt eine Frau (Schwiegertochter?) und einen Enkel, sowie den offenbar nicht mehr dort wohnenden Vater des Enkels. Der kommt mit dem Auto zurück, verfolgt die nicht-von-der-Leiter-gefallene Russin und soll jetzt vom Opa als Einbrecher erschossen getötet worden sein, am hellichten Tag. Ich nehme das vorweg, lesen Sie gar nicht hin, gleich erfahren Sie es sowieso. Read the rest of this entry »

Tatort: Ausgelöscht (ORF)

Ich steige heute mit Athmo ein: Ich sitze auf unserem neuen sehr grünen sehr bequemen Sofa (Magazin), habe die Auswahl zwischen grauem, blauem und rotem Kissen, Sonne scheint ins Zimmer, ich musste mich von der rechten in die linke Ecke setzen, damit es nicht spiegelt auf dem Fernseher. Der ist von Philips und steht im Regal. Wenn ich die Füße auf den Boden stelle, stehen sie auf einem grünen Kunstrasenteppich, Teppichauswahl aus Liebe, passt zum Sofa und alle lachen, wenn sie’s sehen.

Wir wohnen einem Juwelenraub bei: Nachts rückwärst ins Schaufenster, dann Auslage abräumen und wieder los. Read the rest of this entry »

Polizeiruf: “… und raus bist du” (RBB)

Alles neu macht der Mai.

Der Chor probt bis zur Sommerpause ohne mich, denn zur Zeit der kommenden Konzerte bin ich in Klagenfurt. Lümmle mich auf dem nagelneuen grasgrünen Sofa, darunter ein Grasteppich (auf Wunsch einer Dame), gerade rechtzeitig das Kind ins Bett geschickt nach einem knappen Kapitel “Das doppelte Lottchen” (“maliziöses Lächeln”, sowas hat man ja selten in Kinderbüchern), und schon fängt der Polizeiruf aus Rostock an. Ein kaputtes Auto und zwei Männer, die sich zanken. Read the rest of this entry »

Tatort: Borowski und der vierte Mann (NDR)

Auch im Tatort ist Winter. Der Fuchsfallenkontrolleur findet in der Fuchsfalle einen edlen Herrnschuh, so einen für Leute, die silberne Schnürsenkelhülsen als Einführhilfe benutzen. Einen, der vorher nicht ausgezogen wurde. Also mit Fuß drin.

Bei der Polizei Melancholie. Das Türschild von Frau Jung wird abgeschraubt, ihr Büro geräumt. “Was haben Sie auf dem Herzen?” fragt der traurige Borowski den zotteligen Kollegen. Er hat nichts auf dem Herzen, aber ein Telefon in der Hand. “Ich höre”, sagt Borowski, wie immer.

Dass das in den ersten Minuten alles so trüb winterlich nordisch depressiv daherkommt ist kein Zufall: Die Vorlage ist heute von Henning Mankell. Kommissar Wallander isst belegte Brote. Hoffentlich wird Borowski jetzt nich so ein Klops wie Wallander.

Umschalte: In die Villa zu den dekadenten jungen Leute, Wallegewänder, Stoppelbart zum Tweedanzug, große Pupillen, alles so leicht verdorben, die dummen Streiche der Reichen.  Am hellichten Tag schlürfen die schon in Abendgarderobe Champagner aus Schalen und rauchen. Personla ist natürlich vorhanden. Borowski stört die Idylle. Man feiert wohl Weihnachten, es sind keine Kinder da, aber immerhin eine Carrera-Bahn. Der Cousin der absichtsvollschlechtfrisierten Gastgeberin. “Leute, das ist hier ne heftige Nummer gerade, aber das ist nicht Christians Fuß”, sagt der Schnauzbart. Keiner hat Lust, rauszugehen, um einen Fuß zu identifizieren.

“Ich habe ihn gefragt, wo man teure Schuhe trägt, da wollten Sie ihm nicht einfallen”, berichtet Borowski vom “Wildhüter” Timo Kloss – eher das Faktotum des Hauses. “Wir sind schlicht Menschen, die hart arbeiten und ab und zu gemeinsam auf dem Land entspannen”, sagt die Frau. Und schon haben wir ein hübsch britisches Krimi-Setting. Wann sagt Wallander: “Ich möchte Sie bitten, das Haus zunächst nicht zu verlassen.”

Man jagt mit der Armbrust und “entspannt sich beim Sport”. Natürlich gibt es auch einen Waffenschrank mit allerlei Jagdgewehren. Aber wir wissen ja nicht, womit der Fuß ermordet worde. Bzw. der dazugehörige Menschminusfuß.

Frau Sopran ist übrigens allein zu Hause, das ist ja nicht so häufig. Ich war fast pünktlich um kurz nach zehn am Bootshaus, dann ein wenig Gekurke über glatte Straßen und mit zwei anderen frostfesten Damen 28 Kilometer die Agger heruntergepaddelt.

Hihi, geil, die haben eine riesigen Braunbären im Stall.

Ich fror weniger als vorigen Sonntag, aber irgendwas stimmt dabei nicht, denn dieses Mal hatte ich nachher einen hübschen Frostpanzer an Schwimmweste, Spritzdecke und Paddel, kleine Eiszapfen wuchsen vom Helm herab.

Theorie: Der Mann ist in die Falle getappt und hat sich den Fuß abgehackt, um nicht da draußen zu erfrieren. Nein. Natürlich nicht.

Die feine Gesellschaft aus der Villa jagt also in Vierzigerjahreklamotten mit Armbrüsten auf Zirkusbären. Entzückend.

Der Fuß war, also, der Fuß gehört diesem Christian Berger, und der war schon tot, als der Fuß sauber abgemetzgert wurde. Womit fotografiert Kusine Maja da? Mit einer fetten Angeber-Spiegelreflex mit Angeber-Streulichtblende. Nicht, dass ich dafür kein Verständnis hätte. Man trägt übrigens auch wieder Pelz und Schnäuzer. Das sind alles Geldfuzzis, Anlageberatung, aber nicht so langweiliges Zeug (der tote Christian), Hochrisikopapiere (der Schnäuzer).

WIr schauen dann mal beim Kürschner vorbei, dem die ebenso säuberlich präparierte Hand an die Türklinke gehängt wird. Nein. Eine Hand. Eine, die nicht dem Christian gehört. “Ein Bilderrätsel”, sagt der osteuropäische Pathologe, “wenn das so weitergeht haben wir nachher zwanzig Tote, bis die Figur fertig ist”.

Die schwangere Frau von Raul (womit handelt der? Immerhin küsst er Maja) spricht immer mit dünnem betroffenen Stimmchen, scheint aber ansonsten die einzige Normale zu sein. Bisschen doof halt.

Beim Kürschner steht noch ein geschlossenes Paket. “Ich habe gesagt nicht annehmen egal was es ist”, sagt der brave Kürschner, aber seine Alte ist geschäftstüchtiger, und im Karton liegt ein Leopard. Das ist wirklich hübsch, so geht es halt zu in Schleswig-Holstein. Ich melde mich hier wieder, wenn die nächsten Teile gefunden werden.

Ich habe jetzt nicht verstanden, wer der Handbesitzer ist. Ein Mann, der immer Rückenschmerzen hatte und dessen Hand vom Sohn indenzifiziert wird. “Das ist mein Vater”. Wo ist denn Frau Jung überhaupt? Nicht, dass ich sie vermisste.

Vielleicht haben sie die Reste der Toten an den Bären verfüttert.

Es gab da einen “kleinen Zwischenfall”. Leiche minus Hand Schormenge war dabei und kümmerte sich um die Felle. “Das Problem war, der Bär war noch nicht tot, und das hat Schormenge nicht bemerkt. Und dann hat der untote Bär dem armen Wildhüterfaktotum Timo Kloss das Bein abgerissen. Das erzählt die gute Maja, um den Verdacht auf den armen traumatisierten Wildhüterklops zu lenken.

Das ist jetzt doch ein bisschen fett: Der gute Christian war dick im Pyramidenspielgeschäft, und Raul hatte gesetzt. “Christian hätte mich ganz oben eingereiht”, harhar. Herzkreis für Großwildjäger. Arbeitet sich da jemand per Mord von unten nach oben durch? Hatten wir etwa noch nie einen Herzkreis-Tatort? 20.000 ist ja gar nicht so viel für diese Kreise, aber Schormenger und der Kürschner waren auch schon angeworben, offenbar ging es also auch gegen Leute, die sich damit ruiniert haben. Maja sieht aus, als wäre sie eine Tochter von Hanna Schygulla.

Die Figuren bleiben ein bisschen blass, außerdem könnten sie sich öfter mal mit Namen anreden, damit man nicht den Überblick verliert. Browoski kommt immer allein, wieso das? und keiner von den Burschen wird vernünftig verhört. Lässt man diese Schnösel nicht alle der Reihe nach morgens um sieben im Präsidium antanzen und dann möglichst lang warten? Ich versteh das nicht.

21.21 Uhr, so spät tritt doch der Mörder nie auf! Der Bestatter Zaumer, der stand ganz unten in der Pyramide, der wollte nach Portugal auswandern, dafür hätte er das Herzkreisgeld gut brauchen können. Der wüsste wohl auch, wie man einen Fuß oder eine Hand sauber präpariert. Gerade hat er seinen Sägekoffer gepackt und sich verpisst, als Borowski (dieses Mal nicht allein) im Sargladen aufkreuzt.

Der liegt doch bestimmt noch in einem Sarg. Nein: Gerade läuft er in einer Polizeiuniform aus dem Laden. Die alte Dame, die gerade den Borowski unterhält, erzählt, wie nett das war, dass der Herr Zaumer ihrer Schwester ohne Aufpreis einen großen schweren Sarg gegeben hat. Sarg mit doppeltem Boden. Und siehe da: In einem davon liegt der Christian im Tweed-Dreiteiler und mit appem Fuß.

Auf dem Land vergnügen sie sich nun mit Timo, der soll den Bären mit der Armbrust erlegen. Oder wollen sie den Timo erlegen in Notwehr? Und wer soll jetzt richtig durchdrehen? Der Bär oder der Timo? Für Beinprothese geht der ganz schön flüssig. Überall Leute mit geladenen Gewehren, nur die Maja hat ein weißes Teleobjektiv, und die schwangere Tussi trägt ein Hauskleid und gibt sich der Hysterie hin. “Die haben was schreckliches vor, die sind alle mit Gewehren da draußen, alle”. Das weiße Teleobjektiv hängt an einer Videokamera übrigens, und der Lebensmüde Borowski stolpert in seinem Tarnwintermantel auch noch durch den Wald. Warum haben sie denn jetzt dem Timo seinen Hund erschossen? Und schießen nun alle auf den Timo? Warum schießt keiner auf Borowski? Alle bekloppt. Einer hat dem Timo jetzt ins Bein geschossen, hoffentlich in das appe Bein.

Um 21.33 Uhr schleichen wir um das Haus dessen, der oben in der Pyramide steht. Herr Euler? Der Kollege schaut durchs Fenster und sieht den Bewohner auf dem Schreibtisch. Jedenfalls. Seinen Kopf. Auf dem Schreibtisch. Im Blutlache. Sieht gut aus, trotzdem muss der Kollege kotzen. Der Zauner ist im Haus, sagt aber, er war es nicht. Euler nicht, die anderen schon. Wird schon stimmen. Das war bestimmt Raul, der Mann von der Schwangeren.

Achnein, es ist viel schlimmer. Der ratgebende Ex-Kollege Jochen, der auf dem Bootssteg sitzt und Bilder malt, der angeblich von Frieda Jung ermutigt worden war, den Dienst zu quittieren, der war von Frieda als unzuverlässig, gewissenlos begutachtet worden. “Verbleib im Polizeidienst nicht empfohlen”. Ich entschuldige mich hier bei meinen Lesern, dass ich diesen Kollegen bisher ignoriert hatte.Jetzt freundschaftliches Geplauder auf dem Bootssteg, während die Polizei das Bootshaus durchsucht.

“Dein größter Fall war 2002, erinnerst Du Dich? Der Fall Euler.” – “Du bist ein hinterhältiges Arschloch. Du bist genauso hinterhältig wie Frieda.”

Tatort: Nie wieder frei sein (BR)

Diese Schneesache heute hier in Bonn entspricht ungefähr dem, was uns für Donnerstagabend versprochen worden war. 20cm in drei Stunden, tippe ich. Das ist nicht nur wunderschön, sondern verschafft mir auch einen ganz normalen Tatortabend, denn die meisten Mitsänger haben für die heutige Chorprobe abgesagt, weil sie sich nicht durch den Schnee trauen. Ich wär schon hingegangen, aber ich hätte auch zu Fuß gehen können, zwanzig Minuten durch den Schneewald und die Schneesüdstadt.

Es ist ein Ärgernis, dass in der Zeitung jetzt immer schon vor dem Tatort alles drinsteht. Die erste Szene etwa können Sie en détail in der FAZ nachlesen. Oder war es die ZEIT? Ich versuche immer, das nicht zu lesen. Schlimmes Gespoilere. Read the rest of this entry »