Kategorie: Tatort


Tatort: Hinkebein (WDR)

11. March 2012 - 21:21 Uhr

Schöne Küche, aber Eierlikör im Kühlschrank. Sie aber greift zum Wein, Alkoholproblem.

Da hat sich ein Dreitagebart-Lederjacken-Alter-Bekannter eingeschlichen und hat mit der jungen Frau was zu besprechen.

Ist das dieselbe, die jetzt Börne auf seinen – sorry, aber wie soll man das sonst nennen? – Fotzenbart anspricht. Ist Gesichtsblindheit ansteckend? Zu viel mit Frau Passig unterwegs gewesen? Oder sehen sich blonde Schauspielerinnen heutzutage immer ähnlicher? Oder werden Schauspielerinnen heutzutage immer blonder? Früher bei zwei wichtigen Frauenrollen immer eine dunkel eine blond.

Diese Blonde schickt Börne nach Kaffee (“… Schlückchen Cognac reinmischen”) und klaut ihm einen Schlüssel aus dem Schreibtisch. Dann Sexandeutung und gemeinsamer Gang zum Geldautomaten. Ok, 1000 geht ja noch, da ruiniert sie ihn nicht mit.

(Ich kann’s gar nicht mehr, günstige Fügung, chorfreier Abend plus Münstertatort).

Auf den Plan (Kneipensaal, wo die Blonde putzt und trinkt) tritt nun die Tochter, 15, Sorgerechtsstreit offenbar anhängig, will zum Papa, weil sie’s mit der versoffenen Mutter nicht mehr aushält. “Sag’s doch einfach, dass ich ‘ne versoffene alte Schlampe bin” – dann sagt sie’s, Marie, und zack Ohrfeige, flehende Entschuldigung, “Ich bin doch Deine Mama”. Dialogomat.

Wer ist gleich tot? Blondie?

Orange Straßenfeger, Kinder oder Hundeausführer, das sind die klassischen Leichenauffinder. Hier: Stadtreinigung Münster, Leiche blond und nur mit einem Schlüpfer bekleidet. Thiel spielt Börne: Wirft sich in Dreiteiler und hört Walkürenritt. Irre. Ach nein. Walkürenritt nicht freiwillig sondern durch die schlecht isolierten Wände der Vermieterwohnung.

“Vermutlich Sexualdelikt”. Lederjackenmann aus der Wohnung (jetzt: Leinenblazer) lungert auch dort herum.

Der Dreiteiler ist für die russische Gesandtschaft, für die Nadeschda als bezaubernde Übersetzerin parat steht. Fett geflirte vom Iwan Richtung Nadeschda. Zurückgeplinkere. Edelschnittchen. Wieso wird er nicht zum Tatort bestellt? Handy aus? Immerhin lücht sie über’s Alibi. Mutter vor zwei Wochen zuletzt gesehen, ganzen Abend im Internat gepennt. “Was hast’n Du an Deinem Arm?” – “Autoaggressives Verhalten. Ich ritz mich manchmal, aber eigentlich kratz ich mich nur.”

Freund Hinkebein klaut jetzt ein Mopped, aber man fällt doch heutzutage gleich auf ohne Helm und Dings. Hm. Aber als er dem Cabrio von Börne auf die Pelle rückt, hat er einen Helm. “Die nächste Begegnung wird richtig lustig”. Reizgas? Nein, so schlimm war’s nicht. Der Reaktion nach: Sprühwasser.

Ex-Manns Alibi leider zerbröselt. Gericht hat das Sorgerecht an die Frau übertragen/ bei ihr belassen, darauf sei Marie (mit Umweg über Mutter im Westfälischen Hof) zum Vater zwecks Trostsuchung.

“Gute Nachrichten?” – “Jaha, eine Leiche!” Thiel wird vom Empfang geholt, die Gruppe wird vom Presseheini gleich mitgeschleppt. Dawai.

Der von Frau Haller erwähnte “geheimnisvolle Damenbesuch” liegt gerade unter ihren Vinylbehandschuhten Fingern. Börne nämlich hört kein Telefon, weil er auf Thiels Wunsch seinen Wagner endlich mit Kopfhörer hört.

Katja Braun also, der Spuismann kennt sie auch, die war nämlich mal bei der Mordkommission, wegen Alkohol entlassen.

Auftritt Börne in der Wohnung, gerade hat Nadeschda das alte Ferienfoto gefunden, Börne mit Katja am Strand. Achja.

Verdächtig: Der Mann in der Wohnung, die Tochter. Mehr haben wir ja nicht. 20.37 Uhr. Verspricht etwas langweilig zu werden, nur zwei Verdächtige. Marie Börnes Tochter? Sardinien 1999? Nein, “weil ICH nämlich rechnen KANN!” Ich will diese Büroeinrichtung haben, dieser Designer Schleiflacktraum. Vitra. Möbel sammeln, das wär’s. Traum: Eames Lounge Chair.

Der Ex-Mann ist zu spät aufgetreten, der war’s nicht. Ist ja schon 20.40 Uhr. Arbeitet in der Fleischerei. Marie sei im Internat, Hochbegabtenstipendium. Mann war Fleischausfahren den ganzen Tag. Dann Kino, Spätvorstellung mit der neuen Frau. Putzstelle: Westfälischer Hof mitten in der Nacht. Letzte Begegnung soweit bekannt also Marie. Töttchen ist nicht Törtchen, wissen wir das jetzt auch.

Herr Thiel kennt jetzt Wagner, besitzt einen Anzug und verteidigt dem Genitiv, was ist da bloß los? Oh. Einbruch in die Kühlung, kaputte Flasche. Klamotten von Frau Braun liegen auf dem Boden. War sie da eingesperrt? Und warum hat der Herr Börne nicht gemerkt, dass die Frau erfroren ist? “Kälteidiotie, paradoxes Entkleiden” – das ist allerdings eine Tötungsart, die auch einer 15-Jährigen zuzutrauen ist. Einsperren bis drinnen Ruhe ist, da gehört nicht viel zu. Wie gerufen kommt der Herr Braun zum Liefern, aber der war’s nicht.

Ha, die Eames-Stühle allerdings, die Börne da in seinem Esszimmer stehen hat, die kann ich mir fast leisten. Gab es als Ausstellungs-

“Hinkebein”, fällt Börne unter den Klängen des Kuto ein, das auf Börnes Flokkati von einer bezaubernden Japanerin bedient wird. Ist gar kein Kuto, oder? War das Kuto nicht ein Monochord? Hm.

Hinkebein zu Unrecht verfolgt und vor der Hauptverhandlung entwichen. Wenn das mal nicht der Lederjackenmann vom Anfang ist. “Er hat mich damals auch bedroht”, fällt Börne ein. Seit wann hat Börne einen Kontrabass? Lederjackenmann steht vor der Tür. Wahrscheinlich hatte er schon beim ersten Auftritt diesen hässlichen Baumwollblazer an. Leichtes Humpeln jetzt erkennbar. Der Mord sieht trotzdem eher nach Marie aus, obwohl ich doch hier schon MEHRFACH geäußert habe, dass es mich sehr, sehr VERDRIESST, wenn die irgendein Kind als Mörder missbrauchen.

Marie: Verband am Arm. Bestimmt Schnittwunde von der Flasche. Vielleicht waren es ja auch alle. Marie im Affekt der Mutter die Flasche übern Kopf, Hinkebein die Situation ausgenutzt, Ex-Mann die Leiche verlegt. Juut. Also Marie war’s mit der Flasche. Gibt sie zu. Und jetzt will sie die Leiche sehen und sich entschuldigen. Komisches Mädchen. Meine Güte, was haben die denn da für einen Leichenanguckpavilliong? Rotundenhaftes Fake-Barock.

Fritsches Frischfleich-Laster sieht aus wie ein Zufallsshirt. Vater Thiel ist von Börne als Bodyguard angeheuert, bewaffnet mit Thiels altem Hockeyschläger (der hat garantiert NICHT Hockey gespielt, ganz typfremd). Börne nämlich Arsch-auf-Grundeis wegen Hinkebein. Er hat ja damals mit seinem Gutachten usw.

Nicht uffjepasst: Wem seine Mutter… Ach, Hinkebeins latersverwirrte Mutter wird von Thiel besucht. Koch heißt er. War in der Wohnung der Toten, das wissen sie. Wunderbar. Staatsanwältin Klemm verpflichtet Thiel (junior) jetzt als Aufpasser für Börne. “Das ist doch die nächstliegende Lösung” – man hört sie so selten, die korrekte Steigerung mehrteiliger usw. Alter Theil natürlich total bekifft, als Hinkebein vorbeikommt.

Und schon: Börne Pistolenlauf im Mund. Da hat Herr Thiel wohl nicht aufgepasst. Bzw. Professor Börne sich in seine Wohnung geschlichen, als Thiel nicht aufgepasst hat. Thiel barfuß in Sankt-Pauli-Wäsche mit dem Hockeyschläger dem Hinkebein hinterher. Der ins Kino. Filmpalette? Praktisch: Hinter Kock sitze Nadeschda mit ihrem neuen Russen. DER hat eine Waffe, ist das normal?

Schön hyperaktiv, der Herr Gehfehler Kock. Besteht drauf, unschuldig gewesen zu sein. Wer könnte denn der wahre Mörder sein? Wir haben ja eher zu wenige als zu viele verdächtige Gestalten. Jetzt auch noch Thiel als Stilkritiker, was kommt als nächstes? “Mir ist das Blut in den Adern gefroren”, das lässt er Börne zu Recht nicht durchgehen.

Ha. Es fehlt ein Asservat des damaligen Falles. Ein Papiertaschentuch. Schnodder. Wurde nie untersucht. Jetzt wissen wir auch, was Frau Braun mit dem geklauten Schlüssel angefangen hat. Und was Kock von ihr wollte. Das Asservat, zwecks Rehabilitierung. Sie hatte ja wohl auch Börnes EC-Karte gemopst.

Hihi, Frau Staatsanwältin Klemm hat Kock entweichen lassen, weil sie mit ihm am offenen Fenster eine rauchen wollte beim Verhör. “Aber ich nehme das alles auf meine Kippe.” Noch eine Viertelstunde, und jetzt sitzt Marie unvorgeladen bei Thiel. Ha. Genau: “Es war mein Vater. Aber…” Keine Ahnung sei ihr Vater. Also ist es Kock. Schließlich hat Katja ja schon zu Börnes Zeiten mit allerlei Männern.

Koch weiß jetzt, wer’s damals war und bestellt Thiel zu hochgeheimem Treffen. Wetten, dass er Marie mitnimmt?

Wette verloren.

Oups.
Wer hat den jetzt erschossen? Der Russe? Die tote Prostituierte war ja auch Russin. Kock kommt durch. Lokalteil 12-14 wollte Kock ihm zeigen. Hach. Der Pressesprecher war’s, nicht der Russe. DER nämlich hat ein braunes und ein blaues Auge wie Marie. Und war auch mal bei der Mordkommission. Verdammt. Übersehen. Ärger Ärger. So komme ich NIE zur Kripo.

Geiselnahme im Dienstzimmer, Pressefuzzi mit Tochter und Börne, Thiel durchs geschlossene Fenster rein, und Marie den Vater mit dem Hockeyschläger (Feld, wenn Sie’s wissen wollen) k.o. geschlagen, yeah.

Feddich. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Tatort: Lohn der Arbeit (ORF)

28. August 2011 - 20:21 Uhr

Da sitzen zwei Männer, deren Sprache ich nicht einordnen kann (ein Slawenkisch) im Wald. Der Jüngere lässt das Schraubglas fallen, der Ältere sagt (behauptet der Untertitel): Jetzt haben wir nichts mehr zu Essen.
In Wien hängt ein Mann kopfunter vom Baukran. Vorher mit einer großen Eisenstange erschlagen. Der Eisner hat Krücken, das Büro renoviert. In JEDEM Tatort-Kommissariat wird irgendwann das Büro renoviert. In manchem öfter, scheint mir.
Eisner ist besoffen eine Treppe runtergefallen.
Drum.
Trägt er rechts eine Sandale. Weiterlesen »

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Polizeiruf 110: “Die verlorene Tochter”

26. June 2011 - 19:21 Uhr

Waldkindergarten oder normaler Spielplatzbesuch? Die kleine Michelle, roter Mantel, Gummistiefel, folgt einem Igel. Dann ist sie verschwunden.

Wo kommt dieser Polizeiruf her? Neue Kommissarin in Brandenburg? Sie besucht eine Zelle, Staffelei, Kunst, Schränke voll. Wo ist der Insasse? Vom Freigang nicht zurückgekehrt. Die Kommissarin ist eitel, sie setzt die Brille nur auf, wenn es nötig ist und verwackelt dann schwer beim Blick-über-Bücherrücken-schweifenlassen. Komische Kameraführung bisher: Wackelkamera, Ruckelzoom. Sorry, Dogma hin oder her: Stativ oder Schulterstütze wäre schön. Das ist ja fast, als hätte ich das gedreht.

(Ich habe dieses Wochenende viel über Fehler beim Filmen gelernt, als ich meine gesammelten Videoclips neu sortiert habe. Seufz.) Weiterlesen »

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Tatort: Im Abseits (SWR)

19. June 2011 - 19:38 Uhr

Ich schalte zehn Minuten zu spät zu, da liegt die türkischstämmige Fußballspielerin schon auf dem Tisch. Eine Sächsin ruft beim DFB an, da sitzt der Herr Zwanziger mit dem Herrn Löw am Tisch. Liebe Tatortregisseure, könnt Ihr euch nicht merken, dass Fußballfunktionäre keine Schauspieler sind? Die Szene erinnert jedenfalls an Holzigkeit an den legendären Kaninchenauftritt von Berti Voigts.

Könnte mir mal jemand die ersten zehn Minuten rasch zusammenfassen? Das wäre schön.

Steffi Jones auch. Warme Worte von Theo Zwanziger an die Mannschaft. Danke, lieber Theo. Aufbaurede der sächsischen Trainerin (“Sonnahmd”) an die Mannschaft, betroffenes Kopfnicken von Steffi Jones. Aber das kann man denen ja nicht vorwerfen, Ulrike Folkerts spielt auch nicht besser.

Kommt irgendwo was Anderes?

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Tatort: Gestern war kein Tag (BR)

5. June 2011 - 19:27 Uhr

Titel bezieht sich bestimmt darauf, dass der Opa Alzheimer hat. Der will nämlich “drei von denen da”. “Knödel, Opa, Knödel”. “Egal, hauptsache drei”.

Die ausländische Arbeiterin ist von der Leiter gefallen, Armweh. Andere dunkelhaarige junge Frau stürzt aus der Küche zum Helfen. Mann kommt mit Auto und bringt sie weg nach Schimpfen. Russinnen?Glaserei. Der Opa (Günther-Maria Halmer) bleiverglast vor sich hin, es gibt eine Frau (Schwiegertochter?) und einen Enkel, sowie den offenbar nicht mehr dort wohnenden Vater des Enkels. Der kommt mit dem Auto zurück, verfolgt die nicht-von-der-Leiter-gefallene Russin und soll jetzt vom Opa als Einbrecher erschossen getötet worden sein, am hellichten Tag. Ich nehme das vorweg, lesen Sie gar nicht hin, gleich erfahren Sie es sowieso. Weiterlesen »

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Tatort: Ausgelöscht (ORF)

29. May 2011 - 19:21 Uhr

Ich steige heute mit Athmo ein: Ich sitze auf unserem neuen sehr grünen sehr bequemen Sofa (Magazin), habe die Auswahl zwischen grauem, blauem und rotem Kissen, Sonne scheint ins Zimmer, ich musste mich von der rechten in die linke Ecke setzen, damit es nicht spiegelt auf dem Fernseher. Der ist von Philips und steht im Regal. Wenn ich die Füße auf den Boden stelle, stehen sie auf einem grünen Kunstrasenteppich, Teppichauswahl aus Liebe, passt zum Sofa und alle lachen, wenn sie’s sehen.

Wir wohnen einem Juwelenraub bei: Nachts rückwärst ins Schaufenster, dann Auslage abräumen und wieder los. Weiterlesen »

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Polizeiruf: “… und raus bist du” (RBB)

22. May 2011 - 19:21 Uhr

Alles neu macht der Mai.

Der Chor probt bis zur Sommerpause ohne mich, denn zur Zeit der kommenden Konzerte bin ich in Klagenfurt. Lümmle mich auf dem nagelneuen grasgrünen Sofa, darunter ein Grasteppich (auf Wunsch einer Dame), gerade rechtzeitig das Kind ins Bett geschickt nach einem knappen Kapitel “Das doppelte Lottchen” (“maliziöses Lächeln”, sowas hat man ja selten in Kinderbüchern), und schon fängt der Polizeiruf aus Rostock an. Ein kaputtes Auto und zwei Männer, die sich zanken. Weiterlesen »

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Tatort: Borowski und der vierte Mann (NDR)

26. December 2010 - 20:29 Uhr

Auch im Tatort ist Winter. Der Fuchsfallenkontrolleur findet in der Fuchsfalle einen edlen Herrnschuh, so einen für Leute, die silberne Schnürsenkelhülsen als Einführhilfe benutzen. Einen, der vorher nicht ausgezogen wurde. Also mit Fuß drin.

Bei der Polizei Melancholie. Das Türschild von Frau Jung wird abgeschraubt, ihr Büro geräumt. “Was haben Sie auf dem Herzen?” fragt der traurige Borowski den zotteligen Kollegen. Er hat nichts auf dem Herzen, aber ein Telefon in der Hand. “Ich höre”, sagt Borowski, wie immer.

Dass das in den ersten Minuten alles so trüb winterlich nordisch depressiv daherkommt ist kein Zufall: Die Vorlage ist heute von Henning Mankell. Kommissar Wallander isst belegte Brote. Hoffentlich wird Borowski jetzt nich so ein Klops wie Wallander.

Umschalte: In die Villa zu den dekadenten jungen Leute, Wallegewänder, Stoppelbart zum Tweedanzug, große Pupillen, alles so leicht verdorben, die dummen Streiche der Reichen.  Am hellichten Tag schlürfen die schon in Abendgarderobe Champagner aus Schalen und rauchen. Personla ist natürlich vorhanden. Borowski stört die Idylle. Man feiert wohl Weihnachten, es sind keine Kinder da, aber immerhin eine Carrera-Bahn. Der Cousin der absichtsvollschlechtfrisierten Gastgeberin. “Leute, das ist hier ne heftige Nummer gerade, aber das ist nicht Christians Fuß”, sagt der Schnauzbart. Keiner hat Lust, rauszugehen, um einen Fuß zu identifizieren.

“Ich habe ihn gefragt, wo man teure Schuhe trägt, da wollten Sie ihm nicht einfallen”, berichtet Borowski vom “Wildhüter” Timo Kloss – eher das Faktotum des Hauses. “Wir sind schlicht Menschen, die hart arbeiten und ab und zu gemeinsam auf dem Land entspannen”, sagt die Frau. Und schon haben wir ein hübsch britisches Krimi-Setting. Wann sagt Wallander: “Ich möchte Sie bitten, das Haus zunächst nicht zu verlassen.”

Man jagt mit der Armbrust und “entspannt sich beim Sport”. Natürlich gibt es auch einen Waffenschrank mit allerlei Jagdgewehren. Aber wir wissen ja nicht, womit der Fuß ermordet worde. Bzw. der dazugehörige Menschminusfuß.

Frau Sopran ist übrigens allein zu Hause, das ist ja nicht so häufig. Ich war fast pünktlich um kurz nach zehn am Bootshaus, dann ein wenig Gekurke über glatte Straßen und mit zwei anderen frostfesten Damen 28 Kilometer die Agger heruntergepaddelt.

Hihi, geil, die haben eine riesigen Braunbären im Stall.

Ich fror weniger als vorigen Sonntag, aber irgendwas stimmt dabei nicht, denn dieses Mal hatte ich nachher einen hübschen Frostpanzer an Schwimmweste, Spritzdecke und Paddel, kleine Eiszapfen wuchsen vom Helm herab.

Theorie: Der Mann ist in die Falle getappt und hat sich den Fuß abgehackt, um nicht da draußen zu erfrieren. Nein. Natürlich nicht.

Die feine Gesellschaft aus der Villa jagt also in Vierzigerjahreklamotten mit Armbrüsten auf Zirkusbären. Entzückend.

Der Fuß war, also, der Fuß gehört diesem Christian Berger, und der war schon tot, als der Fuß sauber abgemetzgert wurde. Womit fotografiert Kusine Maja da? Mit einer fetten Angeber-Spiegelreflex mit Angeber-Streulichtblende. Nicht, dass ich dafür kein Verständnis hätte. Man trägt übrigens auch wieder Pelz und Schnäuzer. Das sind alles Geldfuzzis, Anlageberatung, aber nicht so langweiliges Zeug (der tote Christian), Hochrisikopapiere (der Schnäuzer).

WIr schauen dann mal beim Kürschner vorbei, dem die ebenso säuberlich präparierte Hand an die Türklinke gehängt wird. Nein. Eine Hand. Eine, die nicht dem Christian gehört. “Ein Bilderrätsel”, sagt der osteuropäische Pathologe, “wenn das so weitergeht haben wir nachher zwanzig Tote, bis die Figur fertig ist”.

Die schwangere Frau von Raul (womit handelt der? Immerhin küsst er Maja) spricht immer mit dünnem betroffenen Stimmchen, scheint aber ansonsten die einzige Normale zu sein. Bisschen doof halt.

Beim Kürschner steht noch ein geschlossenes Paket. “Ich habe gesagt nicht annehmen egal was es ist”, sagt der brave Kürschner, aber seine Alte ist geschäftstüchtiger, und im Karton liegt ein Leopard. Das ist wirklich hübsch, so geht es halt zu in Schleswig-Holstein. Ich melde mich hier wieder, wenn die nächsten Teile gefunden werden.

Ich habe jetzt nicht verstanden, wer der Handbesitzer ist. Ein Mann, der immer Rückenschmerzen hatte und dessen Hand vom Sohn indenzifiziert wird. “Das ist mein Vater”. Wo ist denn Frau Jung überhaupt? Nicht, dass ich sie vermisste.

Vielleicht haben sie die Reste der Toten an den Bären verfüttert.

Es gab da einen “kleinen Zwischenfall”. Leiche minus Hand Schormenge war dabei und kümmerte sich um die Felle. “Das Problem war, der Bär war noch nicht tot, und das hat Schormenge nicht bemerkt. Und dann hat der untote Bär dem armen Wildhüterfaktotum Timo Kloss das Bein abgerissen. Das erzählt die gute Maja, um den Verdacht auf den armen traumatisierten Wildhüterklops zu lenken.

Das ist jetzt doch ein bisschen fett: Der gute Christian war dick im Pyramidenspielgeschäft, und Raul hatte gesetzt. “Christian hätte mich ganz oben eingereiht”, harhar. Herzkreis für Großwildjäger. Arbeitet sich da jemand per Mord von unten nach oben durch? Hatten wir etwa noch nie einen Herzkreis-Tatort? 20.000 ist ja gar nicht so viel für diese Kreise, aber Schormenger und der Kürschner waren auch schon angeworben, offenbar ging es also auch gegen Leute, die sich damit ruiniert haben. Maja sieht aus, als wäre sie eine Tochter von Hanna Schygulla.

Die Figuren bleiben ein bisschen blass, außerdem könnten sie sich öfter mal mit Namen anreden, damit man nicht den Überblick verliert. Browoski kommt immer allein, wieso das? und keiner von den Burschen wird vernünftig verhört. Lässt man diese Schnösel nicht alle der Reihe nach morgens um sieben im Präsidium antanzen und dann möglichst lang warten? Ich versteh das nicht.

21.21 Uhr, so spät tritt doch der Mörder nie auf! Der Bestatter Zaumer, der stand ganz unten in der Pyramide, der wollte nach Portugal auswandern, dafür hätte er das Herzkreisgeld gut brauchen können. Der wüsste wohl auch, wie man einen Fuß oder eine Hand sauber präpariert. Gerade hat er seinen Sägekoffer gepackt und sich verpisst, als Borowski (dieses Mal nicht allein) im Sargladen aufkreuzt.

Der liegt doch bestimmt noch in einem Sarg. Nein: Gerade läuft er in einer Polizeiuniform aus dem Laden. Die alte Dame, die gerade den Borowski unterhält, erzählt, wie nett das war, dass der Herr Zaumer ihrer Schwester ohne Aufpreis einen großen schweren Sarg gegeben hat. Sarg mit doppeltem Boden. Und siehe da: In einem davon liegt der Christian im Tweed-Dreiteiler und mit appem Fuß.

Auf dem Land vergnügen sie sich nun mit Timo, der soll den Bären mit der Armbrust erlegen. Oder wollen sie den Timo erlegen in Notwehr? Und wer soll jetzt richtig durchdrehen? Der Bär oder der Timo? Für Beinprothese geht der ganz schön flüssig. Überall Leute mit geladenen Gewehren, nur die Maja hat ein weißes Teleobjektiv, und die schwangere Tussi trägt ein Hauskleid und gibt sich der Hysterie hin. “Die haben was schreckliches vor, die sind alle mit Gewehren da draußen, alle”. Das weiße Teleobjektiv hängt an einer Videokamera übrigens, und der Lebensmüde Borowski stolpert in seinem Tarnwintermantel auch noch durch den Wald. Warum haben sie denn jetzt dem Timo seinen Hund erschossen? Und schießen nun alle auf den Timo? Warum schießt keiner auf Borowski? Alle bekloppt. Einer hat dem Timo jetzt ins Bein geschossen, hoffentlich in das appe Bein.

Um 21.33 Uhr schleichen wir um das Haus dessen, der oben in der Pyramide steht. Herr Euler? Der Kollege schaut durchs Fenster und sieht den Bewohner auf dem Schreibtisch. Jedenfalls. Seinen Kopf. Auf dem Schreibtisch. Im Blutlache. Sieht gut aus, trotzdem muss der Kollege kotzen. Der Zauner ist im Haus, sagt aber, er war es nicht. Euler nicht, die anderen schon. Wird schon stimmen. Das war bestimmt Raul, der Mann von der Schwangeren.

Achnein, es ist viel schlimmer. Der ratgebende Ex-Kollege Jochen, der auf dem Bootssteg sitzt und Bilder malt, der angeblich von Frieda Jung ermutigt worden war, den Dienst zu quittieren, der war von Frieda als unzuverlässig, gewissenlos begutachtet worden. “Verbleib im Polizeidienst nicht empfohlen”. Ich entschuldige mich hier bei meinen Lesern, dass ich diesen Kollegen bisher ignoriert hatte.Jetzt freundschaftliches Geplauder auf dem Bootssteg, während die Polizei das Bootshaus durchsucht.

“Dein größter Fall war 2002, erinnerst Du Dich? Der Fall Euler.” – “Du bist ein hinterhältiges Arschloch. Du bist genauso hinterhältig wie Frieda.”

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Tatort: Nie wieder frei sein (BR)

19. December 2010 - 20:46 Uhr

Diese Schneesache heute hier in Bonn entspricht ungefähr dem, was uns für Donnerstagabend versprochen worden war. 20cm in drei Stunden, tippe ich. Das ist nicht nur wunderschön, sondern verschafft mir auch einen ganz normalen Tatortabend, denn die meisten Mitsänger haben für die heutige Chorprobe abgesagt, weil sie sich nicht durch den Schnee trauen. Ich wär schon hingegangen, aber ich hätte auch zu Fuß gehen können, zwanzig Minuten durch den Schneewald und die Schneesüdstadt.

Es ist ein Ärgernis, dass in der Zeitung jetzt immer schon vor dem Tatort alles drinsteht. Die erste Szene etwa können Sie en détail in der FAZ nachlesen. Oder war es die ZEIT? Ich versuche immer, das nicht zu lesen. Schlimmes Gespoilere. Weiterlesen »

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Polizeiruf 110: Fremde im Spiegel (rbb)

7. November 2010 - 20:32 Uhr

Für die ersten sechs Minuten hat sich’s schon gelohnt, hoffentlich macht Kommissarin Herz das jetzt nicht alles kaputt.

Es beginnt im Polizeiauto, vorne zwei Jungs, hinten zwei Mädchen, die saufen und Knutschen und sind beide sehr hübsch. Katharina Schüttler und Klara Manzel. Rasen über Land, hören “Für mich soll’s rote Rosen regnen”, Version von (äh, finde ich noch raus bis Ende). Reh steht im Weg, Polizeiauto überschlägt sich ein paarmal, sieht gut aus, Blut, Scherben, Schnitt: “Fünf Monate später”, die Kurzhaarige, Christine Teichow (Schüttler) steht unter der Dusche, später wird sie von der blonden, Nicole Brennicke (Manzel) angemacht, lässt sie aber abblitzen. Teichow verabschiedet sich vom Polizeihund, fährt ins Hotel?, bretzelt sich auf, dann klopft es.

Herz zur Polizeipsychologin, weil sie immer so viel weinen muss. Da klingelt das Handy und jemand meldet, dass Frau Teichow von der Polizeischule Oranienburg ermordet und in den Kanal geworfen worden sei. Und jetzt vermute ich mal: Das war Teichow selber, die hat nämlich einen Schaden. Lässt Nicole so fies abblitzen, hat das Gesicht ihres Vaters auf dem Foto ausgekratzt.

Der Vater ist gerade mal wieder in Kambodscha, kindliche Minenopfer operieren, aber der Nachbar erzählt gerne, dass die kleine Christine ihren Hund gequält hat, dann Internate, Drogen usw. Bekloppt also, beziehungsweise randständig, borderline sagt man wohl. Im Hotelzimmerbad ist Blut zurückgeblieben.

Der Ex-Kollege, Ex-irgendwas, der an der Polizeischule unterrichtet und mit einer Ex-Nutte verheiratet ist, steckt da mit drin, oder? Weiß offenbar nicht, dass die alle im Auto saßen, als der eine der Jungs vorne gestorben ist. Hat er das Mädchen geschwängert? Ist das Mädchen schwanger? Oder hat sie eine falsche Spur gelegt, als sie in ihre Browser-Historie eine Mama-werden-Seite eingebaut hat? Sie hat ja auch ihre Mails noch gelöscht, bevor sie sich verpisst hat. Aber “Rollenspiele” draufgelassen. Die Technikerin will “mal den Provider contäcten”. Rollenspiele, Hund gequält, passt doch alles. Die Jacke mit dem Schlüsselbund von Teichow schwimmt Herz direkt in die Arme. Häh?

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