27. Februar 2010 - 11:59 Uhr
Ich war neun, als meine Oma Krebs bekam. Groß genug - weil schon zur Kommunion gegangen -, um die ländlichen Sorgenrituale mitzumachen. So traf sich das ganze Dorf wochentags zwischen Melken und Abendessen in der Kirche zum Rosenkranzgebet. Wir halb-säkularisierten Stadtkinder waren da nicht so firm drin, egal: nach dem zehnten, zwanzigsten Ave Maria gibt es nur noch Knie- aber keine Textprobleme.
Heute trifft man sich im Sorgenfall in der Kneipe oder im Internet, lädt die selbe Seite immer wieder neu und wünscht sich, aus der Ferne irgendetwas tun zu können. Möglichst etwas, was auch nützt und nicht nur nicht schadet.
Demutsübung 2.0: aushalten, dass man nichts tun kann.
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9. November 2009 - 06:49 Uhr
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12. Juli 2009 - 10:48 Uhr
Heute: Guarana-Pulver.
Riecht genauso wie Kolanuss, bestimmt haben sie mich beschissen und mir (kicher kicher) zwei Tüten gemahlenen Grind verkauft. Offenbar lässt sich der Geschmack wirklich nur in geschmolzenen Gummibärchen auflösen (z.B. Chamane Energy Drink und alle anderen Guaranalimos und -drops).
Heute härterer Teststoff, ich bin noch unentschieden: Die Frequenzen von Clemens Setz (720 Seiten) oder was Schlimmes über Erzähltheorie.
Das Burger-Buch gestern war zu einfach, da wäre ich auch so wachgeblieben.
Was für ein Schreibehrgefühl:
Ich stellte eine Liste mit Fragen zusammen, mit denen ich zu einem Zauberkünstler in Bern ging in der Absicht, die Materie wie immer genau zu recherchieren. Da hieß es “Zaubersprüche”, “typische Auftrittsorte”, “wie ist die Jacke konstruiert, Details”, “bestimmte Schritte, Bewegungen auf der Bühne”, “Namen für die Requisiten”, “biographische Kuriositäten aus dem Leben großer Magier”, “Fremdwörter: Prestidigitateur”, “Zauberkästen für Kinder” usw.
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11. Juli 2009 - 13:51 Uhr
Legale Wachmacher, heute:
Kolanuss, erhältlich in Pulverform. So müssen ungewaschene Dreadlocks schmecken. Ich mische mit Kakao und heißer Milch, nächstes Mal mehr Kakao.
Härtetest: Versuch, ein Buch zu lesen (Hermann Burger: Die allmähliche Verfertigung der Idee beim Schreiben).
Das Buch ist ein Schatz, und nachgetragen eine Frage an Jens Petersen: Ist das ein Burger-Zitat, dass Sie in einem Cabrio durchs Tessin brausen? Falls das überhaupt das Tessin ist.
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12. Juni 2009 - 10:35 Uhr
Ich bin jetzt zum Mobiliar geworden, die Professionellen erledigen beim Spritzen allerhand Anderes (telefonieren, über Patienten lästern, Ablage). Gut, dass morgen Sperrmüll ist, da können sie mich rausstellen.
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11. Juni 2009 - 12:17 Uhr
Der kleine Bruder vom großen Bruder tut heute Feiertagsdienst, der bestellt uns gestaffelt, den Rennradfahrer und mich. Übermorgen reist er für zwei Wochen nach Malle, erfahre ich. Hat der eine Fahne? Ach nein, das ist nur der Desinfektionsalkohol. Wenn die Nadel mal drin ist, sind die zitternden Hände unschädlich, das fängt der Schlauch ab. Der will genau wissen, wie sich das anfühlt, wenn das Mittel durch den Körper läuft. Er mixt die Injektion in der Spritze mit meinem Blut, das ist seltsam. Lässt also Blut zurücklaufen, drückt dann wieder rein. Originell.
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10. Juni 2009 - 10:43 Uhr
Zum Lesen kommt man auch nicht mehr, wo sind nur die ganzen Kunden? Hat die Darmspiegelungsabteilung Urlaub? “Na toll, Vene total verhärtet”, muss ich mir heute sagen lassen, und “nach den drei Wochen wollen Sie uns bestimmt nie wiedersehen.” (höfliche Umschreibung für: “wollen wir Sie nie mehr…”?) Ach, Sie können ja nichts dafür. Gut aber: Ich werde das Nachlassen der Nebenwirkungen für Heilung halten.
Freund empfiehlt per Mail Karde-Extrakt, eine stinkende braune Brühe aus den Wurzeln einer Distelähnlichen. Aber mal ehrlich: Wenn da wirklich irgendein wirksamer Wirkstoff drin wirken sollte, dann sollte das Zeug auch auf Neben- und Fehlwirkungen untersucht sein. Wirkung ohne Nebenwirkung gibt es nicht, warum sollte das bei Pflanzen anders sein? Ist doch auch alles nur Chemie.
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8. Juni 2009 - 13:24 Uhr
Die Verpackungseinheit für Rocephin i.V. ist fünf Stück, Packung kostet 125 Euro, und jetzt raten Sie mal, warum da hinter dem Schrägstrich jetzt 20 statt 21 steht. Das ist eine Win-win-win-Lösung, muss ja auch am Sonntag kein Arzt mehr in die Praxis kommen. Ich hoffe nur, dass das keine Win-Lösung für die Borrelien ist, aber die - sofern überhaupt vorhanden - zeigen sich sowieso unbeeinträchtigt.
Die alte Dame, die von der osteuropäischen Pflegerin (bildhübsch, im Buch wäre sie Kernphysikerin) ins Wartezimmer geschoben wird, wird außer von der Kernphysikerin auch noch von ihrem sehr lauten Sohn begleitet. Weiterlesen »
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